Aachen - Bombenattrappe könnte für Täter teuer werden

Bombenattrappe könnte für Täter teuer werden

Von: Heiner Hautermans
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Ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr rückte in der Passstraße an, weil in dieser Wohnanlage, die Mitte der 1990er Jahre mit fast 200 Wohnungen errichtet wurde, eine Tasche gefunden worden war, die einer Bombe ähnlich sah. Fotos (3): Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger
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Der Einsatz zog sich über Stunden hin, weil Spezialisten aus Düsseldorf geholt werden mussten.
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Keiner kam mehr durch: Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Verkehrsteilnehmer mussten zum Teil weite Umwege in Kauf nehmen.

Aachen. Wer immer die Idee hatte, eine Bombenattrappe in den Keller einer weitläufigen Wohnanlage an der Passstraße zu stellen, der hätte sich am Ende die Kommentare der Betroffenen anhören müssen. „Vollidiot“ und „Blödmann“ waren noch die harmloseren Bezeichnungen.

 Die sechs- bis siebengeschossigen Gebäude in der Nähe der Therme und am Rande des Farwickparks und die Häuser gegenüber mussten komplett evakuiert werden, rund 40 Menschen standen auf der Straße und harrten stundenlang der Dinge, Schulkinder konnten ihren gewohnten Weg nach Hause nicht nehmen, zwei von ihnen wurden von Polizisten nach Hauses begleitet, Busse und Pkw mussten eine Umleitung fahren.

Um 10.40 Uhr war einem Hausmeister eine beige Sporttasche, die man auch als Rucksack tragen kann, im Keller der weitläufigen Wohnanlage aufgefallen. Aus ihr ragten Drähte heraus, im Innern waren Stangen erkennbar, die auch Dynamit hätten sein können. Der Mann verständigte die Polizei, die seine Einschätzung teilte und eine größere Maschinerie in Gang setzte.

Die Passstraße wurde zwischen Grünem Weg und Krefelder Straße gesperrt, für die heimatlosen Mieter ein Aseag-Bus bereitgestellt, der jedoch angesichts der guten Witterung kaum in Anspruch genommen wurde. Ein Versorgungszug der Feuerwehr kümmerte sich um die Zwangsgeräumten, sieben Behinderte mussten ebenfalls ihr Zuhause verlassen.

Misstrauisch machte die Fahnder, dass die verdächtige Tasche nicht einer Wohnung zuzuordnen war, sondern in einem jedermann zugänglichen Gang abgestellt war. So wurden Spezialisten des Landeskriminalamtes aus Düsseldorf angefordert, die erst um kurz nach 12 Uhr an Ort und Stelle eintrafen. Nach und nach wurden immer mehr Polizeikräfte eingesetzt, etwa eine Hundertschaft zur Durchsuchung der Wohnungen.

Plan A war, das dubiose Fundstück durch einen Roboter in Augenschein zu nehmen und wenn möglich entschärfen zu lassen. Derartige Minipanzer werden per Joystick gesteuert, sie können auch Treppen hinauf- oder heruntersteigen. Doch das Wunderwerk der Technik konnte keine Klarheit bringen, weshalb – wieder war eine Stunde vergangen – Plan B zum Tragen kam: Ein Feuerwerker hüllte sich in Vollschutz, um der Tasche „händisch“ zu Leibe zu rücken.

Bewusst hingestellt

Zu der Zeit waren sich die Beamten sicher, dass es sich nicht um ein Versehen oder einen Zufallsfund handelte. Sprecher Paul Kemen: „Fest steht, dass die Tasche bewusst hinterlegt wurde und den Eindruck erwecken sollte, dass es sich um einen gefährlichen Gegenstand und Sprengstoff handelt.“ Gegen 14 Uhr dann die Entwarnung: „Es handelt sich um eine Attrappe.“ Die Drähte führten ins Leere, das Dynamit entpuppte sich als Metallstangen. Die hermetische Abriegelung wurde aufgehoben, die Bewohner konnten in ihre Behausungen zurück.

Für die Polizei war die Arbeit aber noch nicht zu Ende. Die Spurensicherung nahm den Inhalt der Tasche genau unter die Lupe, denn es handelte sich keineswegs um einen Dumme-Jungen-Streich. Kemen: „Das ist keine Fahrlässigkeit, es sollte genau dieser Eindruck erweckt werden. Es schafft Unruhe in der Bevölkerung und hat einen Riesenapparat in Bewegung gesetzt.“

Ermittelt wird jetzt strafrechtlich wegen Störung der öffentlichen Ordnung. Noch ärger dürfte den Verursacher, sollte er denn ermittelt werden, eine größere Rechnung schmerzen, die er dann zu erwarten hat. Kemen: „Der Täter muss sich warm anziehen. Er bekommt sämtliche Kosten der Rettungs- und Polizeikräfte aufgebrummt.“ Da die Ordnungshüter mit etwa 80 und die Feuerwehr mit weiteren 35 Beamten im Einsatz waren, dürfte sich der Gesamtbetrag auf eine fünfstellige Summe addieren.

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