Bombardier: „Tendenz geht in Richtung 200“

Von: Heiner Hautermans
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Bombardier
Die tiefe Skepsis bei den Bombardier-Beschäftigten weicht langsam. Foto: dpa

Aachen. Die Tannhäuser-Halle auf dem Bombardier-Gelände war am Dienstag dicht gefüllt, fast alle der 600 „Talbötter“ wollten in der Belegschaftsversammlung erfahren, wie es im komplizierten Verhältnis zwischen dem kanadischen Schienenfahrzeughersteller, dem Baesweiler Personaldienstleister Quip, der in eine neue Firma investieren will, der eigenen Arbeitnehmervertretung samt IG Metall und dem alten und neuen Chef Dirk Reuters weitergehen wird.

Auch von Außenstellen waren die Kollegen angereist, fast fertige Talent II-Züge eines Großauftrags für die Deutsche Bahn stehen beispielsweise in Zülpich und Hagen

Beim ersten Aufgalopp am letzten Mittwoch war die Ankündigung, dass eine Rumpffirma mit erst einmal 160 von 400 Stammbeschäftigten gegründet werden soll, auf große Skepsis gestoßen. Das hat sich geändert, seit bekannt wurde, dass beispielsweise die Tarife der IG Metall angewendet werden sollen.

Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz formulierte es anschließend so: „Die Resonanz ist nicht mehr ganz so negativ. Aber dass die Leute in Euphorie ausbrechen, das ist auch nicht der Fall.“ Es spreche sich halt herum, „dass es nicht nur eine Billigbude werden soll“. Dass die Tarifbindung erhalten bleiben soll, sei ein wichtiges Signal gewesen, er hoffe auch, dass die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband beibehalten wird. Offenbar wolle Quip vom Schmuddelimage wegkommen.

Zu wenig sind ihm die zwölf Monate Garantie, die Bombardier in Sachen Abfindung geben will, falls die neue Talbot Services GmbH doch floppt: „Da ist noch Luft nach oben.“ Kreutz sieht gute Möglichkeiten für die neue Firma in der Instandhaltung und Reparatur von Zügen. Das seien gerade die Aufträge, etwa aus den Niederlanden, um die sich der Weltkonzern Bombardier nicht gekümmert habe.

Deshalb ist er optimistisch, dass mehr als 160 Arbeitsplätze (plus 30 Azubis, die ihre Ausbildung abschließen können) erhalten bleiben: „Die Tendenz geht in Richtung 200 oder mehr. Wir müssen abwarten, was am Ende des Jahres an Arbeit da ist.“ Die Mitarbeiter hätten aber noch viele Fragen, etwa wie die Garantien durch Bombardier aussehen und wie hoch die Lohneinbußen seien.

Auch der alte Betriebsleiter und neue GmbH-Geschäftsführer Dirk Reuters, allseits respektiert, stellt fest, dass sich die Stimmung ins Positive wendet: „Je mehr man mit den Leuten spricht, desto mehr Bedenken kann man rausnehmen.“ Reuters betont, dass er die Verhandlungen im Auftrag von Quip führe. Die neue Talbot Services GmbH stehe quasi gleichberechtigt und unabhängig neben der Quip AG, darüber befinde sich die Quip Holding: „Das sind die Investoren.“ Das seien alles lokale Geschäftsleute, die sich ebenfalls mit Herzblut für die Weiterführung des Aachener Traditionsunternehmen engagierten.

Bei allen Verhandlungen dabei

Reuters sitzt demzufolge bei allen Verhandlungen dabei. Als Betriebsleiter mit Bombardier über den Sozialplan und Interessenausgleich, mit Quip über die Konditionen für die neue Firma. Reuters verweist darauf, dass auch der Finanzinvestor S-UBG an der Firma Quip beteiligt ist.

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