Bombardier: Bis Juni gibt es keine Entlassungen

Von: Heiner Hautermans
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Traditioneller Neujahrsempfang beim DGB in der Dennewartstraße: Vorsitzender Ralf Woelk (l.) und Josef Kreutz (Betriebsratsvorsitzender Bombardier) hielten kurze Reden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Bei Bombardier wird bis Mitte des Jahres niemand die Arbeit verlieren. „Bis Ende Juni wird es für alle weitergehen“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Josef Kreutz am Dienstag auf dem Neujahrsempfang des DGB in dessen Haus nahe dem Europaplatz.

Man habe im Laufe des Tages eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen: „Es wird keine vorzeitigen Entlassungen geben.“ Das gelte nicht nur für die etwa 400 Stammbeschäftigten, sondern auch für die rund 200 Leiharbeitnehmer. So gewinne man etwas Zeit im Kampf um den Erhalt des Aachener Standorts.

Vor genau 99 Tagen habe er in einem Vier-Augen-Gespräch von den Schließungsabsichten der Konzernleitung erfahren, brachte Kreutz die Kollegen der anderen Gewerkschaften auf den neuesten Stand. Er habe sich über die Wünsche der Chefetage, diese Information noch einige Tage zurückzuhalten, hinweggesetzt und mit Franz-Peter Beckers von der IG Metall die Öffentlichkeit informiert: „Da ging das Spiel richtig los.“

Dabei habe man drei Tage zuvor noch einen höheren Takt vereinbart, um einen Auftrag rechtzeitig auszuliefern. Der sei aber nach der Schließungsankündigung schnell wieder runtergefahren worden: „Wir kennen die Achillesferse.“ Man führe jetzt im vierten Monat einen Arbeitskampf neuer Art, aber durchaus erfolgreich: „Seit dem 18. Oktober ist kein einiger Zug aus dem Aachener Werk herausgegangen. Das alles mit ganz legalen Mitteln.“

Aus der gesamten Gesellschaft habe man riesige Resonanz und ungeheuren Zuspruch bekommen, sagte Kreutz in seiner kämpferischen Rede weiter: „Wir haben mit dem, was wir tun, die Region wachrütteln können, dass es sich lohnt, sich zu wehren.“

So werde sogar im Rosenmontagszug vor dem Prinzenwagen ein Banner getragen: Bombardier/Talbot gehört zu Aachen wie Kaiser Karl und der Dom: „Das stimmt, fast jeder Aachener hat einen Verwandten oder Bekannten bei Bombardier.“ Zwar sei man noch nicht am Ziel angekommen, den Standort zu erhalten, aber er sei überzeugt, dass man auf einem sehr, sehr guten Weg dahin sei. „Es lohnt sich zu kämpfen.“

Schließlich gehe es auch um die Würde, sich selber ins Gesicht schauen zu können und zu sagen, dass man nichts ausgelassen habe: „Wenn wir immer wieder sagen, wir bleiben, habe ich es anfangs selbst nicht ernst genommen, aber inzwischen meine ich es ernst.“

DGB-Vorsitzender Ralf Woelk verwies darauf, dass sich im Solidaritätskomitee für die „Talbötter“ alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligten: „Das gibt uns ein gutes Gefühl und ein noch stärkeres Selbstbewusstsein, dass wir in dieser Region nicht allein stehen.“

Er habe Verständnis für Menschen, die die jetzigen Aktionen zu brav finden, doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt hätten auch drastischere Maßnahmen keinen größeren Erfolg erzielt. Bombardier müsse auch einen Millionenfonds für den Erhalt des Standorts und die Rekultivierung des riesigen Industriegeländes errichten.

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