Aachen - Blitzmarathon: Gut sichtbare Polizei bremst die Autofahrer

Blitzmarathon: Gut sichtbare Polizei bremst die Autofahrer

Von: Werner Breuer
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Keineswegs versteckt: Auf der Eupener Straße unweit des Pius-Gymnasiums hatte sich die Polizei für ihre Geschwindigkeitsmessung postiert. Viele hatten sich für diese Kontrollstelle ausgesprochen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Als seine Kollegen nach rund drei Stunden ihre Ausrüstung wieder in den Streifenwagen packen, ist Einsatzleiter Bernd Kleefisch mit der Bilanz zufrieden. „Wir haben das Ziel erreicht“, sagt der Leiter der Direktion Verkehr bei der Aachener Polizei.

Und damit meint er wohlweislich nicht die vermeintliche „Ausbeute“ bei der Geschwindigkeitskontrolle auf der Eupener Straße: Zwei Temposünder haben die Beamten geblitzt, zudem erwischten sie einen Autofahrer, der unter Einfluss von Betäubungsmitteln und ohne Führerschein unterwegs war.

„Wir wollen Leben schützen“, beton Kleefisch, „und nicht Knöllchen schreiben.“ Letzteres hätte sich auch kaum gelohnt, denn kassieren konnten die Polizisten an diesem Dienstagmorgen nicht viel. Die beiden Temposünder waren mit knapp über 60 Kilometern pro Stunde unterwegs, erlaubt ist Tempo 50 an dieser Stelle. Mit einem Verwarnungsgeld von 20 Euro kommen sie noch glimpflich davon. Fahren ohne Führerschein und unter Einfluss von Betäubungsmitteln ist da deutlich teurer. Der ertappte Chauffeur muss mit einer Strafanzeige rechnen.

Aber zehn Stundenkilometer über dem Limit sind halt auch nicht ohne. Einsatzleiter Kleefisch erklärt das mit dem sogenannten Mortalitätsrisiko: Das liegt für einen Fußgänger bei einem Unfall mit Tempo 50 bei 20 Prozent. „Das heißt, dass er das höchstwahrscheinlich überlebt“, sagt Kleefisch.

Fährt das Auto aber 65 Kilometer pro Stunde, ist die statistische Überlebenschance gering. In 80 Prozent der Fälle würde der Crash für den Fußgänger tödlich enden, erläutert der Einsatzleiter. Noch deutlicher sei der Effekt bei Tempo 30. „Da kann man in der Regel noch bremsen“, sagt Bernd Kleefisch, „bei 50 lädt man dann den Fußgänger auf die Motorhaube.“

Tempo 30 vor seiner Schule würde Dr. Josef Els, der Schulleiter des Pius-Gymnasiums, zwar auch begrüßen. Doch an einer Ausfallstraße wie der Eupener Straße ist ein solches Tempolimit nicht ohne weiteres einzurichten. Els wäre aber auch schon etwas entspannter, wenn dort keiner schneller als 50 Sachen fahren würde. „Man hat immer Sorgen“, sagt er.

Über Kontrollstellen abgestimmt

Und weil viele diese Sorgen haben, stehen die Polizisten an diesem Morgen unweit des Pius-Gymnasiums. Diese Ecke habe bei der diesmal möglichen Abstimmung über die Kontrollstellen den meisten Zuspruch bekommen, berichtet Einsatzleiter Kleefisch. Bei der Polizei und auch über Radiosender konnten Bürger per Voting den Blick der Ordnungshüter auf bestimmte Bereiche lenken. „Da haben Eltern, Kollegen und wohl auch Schüler mitgemacht“, erklärt Schulleiter Els. Das Thema Verkehrssicherheit bewegt die ganze Schulgemeinschaft.

Immer wieder mal patrouillierten Vertreter der Schulpflegschaft vor dem Tor, auch Lehrer würden bei gezielten Aktionen Schüler und auch Eltern auf kritische Punkte hinweisen, berichtet Els. Mal geht es um Fahrradhelme, mal um das Halteverbot vor dem Eingang. Die Situation vor seiner Schule sei schon unübersichtlich genug, findet der Schulleiter, besonders gefährlich werde es, wenn Kinder zwischen parkenden Autos hindurch auf die Straße liefen.

Und die ist trotz aller Unübersichtlichkeit so breit, dass sie zu schnellerem Fahren verleitet. Dass sich das an diesem Dienstag in engen Grenzen hält, mag auch an dem von weitem schon sichtbaren Streifenwagen und dem kleinen Grüppchen von Uniformierten liegen. Für die Geschwindigkeitsmessungen brauche man einerseits ein freies Sichtfeld, erläutert Bernd Kleefisch.

Andererseits sei die sichtbare Präsenz auch Teil der „gemischten“ Strategie. „Wir wollen auch gesehen werden“, sagt Kleefisch, „weil wir die Autofahrer sensibilisieren wollen“. Von versteckten Positionen aus nach Heckenschützenmanier Raser abzugreifen führe auf Dauer nicht zum Erfolg.

Wirksamkeit wird untersucht

Und um den dauerhaften Erfolg geht es den Ordnungshütern, deshalb sind sie auch froh über die Unterstützung durch die RWTH Aachen. Im Rahmen einer Master-Arbeit wird die Blitzmarathon-Aktionen begleitet und deren Wirksamkeit untersucht. Die Aachener Polizei erhofft sich davon Hinweise für das weitere Vorgehen. Man wolle erfahren, ob an manchen Ecken häufiger oder an anderen länger kontrolliert werden muss, sagt der Einsatzleiter.

Eines weiß er schon jetzt: Der erzieherische Effekt solcher Einsätze funktioniert dort weniger gut, wo viele auswärtige Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. In einem kleinen Wohngebiet müsse es nur einige Male blitzen, dann spreche sich das flott herum im überschaubaren Kreis der Anwohner. „Solche Gebiete sind wesentlich schneller befriedet“, sagt Kleefisch.

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