Aachen - Blitzmarathon: „Die Aachener sind beharrlich“

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Blitzmarathon: „Die Aachener sind beharrlich“

Von: Heiner Hautermans
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Polizeikommissar Oliver Knops mit seiner Laserpistole LR 90-235/P der österreichischen Firma Riegl hatte gestern in Laurensberg relativ wenig mit Temposündern zu tun. Foto: Ralf Roeger
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Am Dienstag waren auch Radfahrer dabei, die junge Dam überfuhr Markierungsstreifen.

Aachen. Das rechte Schuldbewusstsein fehlte dem älteren Mann. Beim vierten Blitzmarathon war er am Dienstag auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz aufgefallen, als er die dortige rote Ampel ignorierte. Zum ersten Mal rückten auch Pedaltreter ins Visier der Ordnungshüter. Polizeikommissar Dirk Görgens vor Ort: „Oft fehlt bei Radfahrern das eigene Unrechtsbewusstsein.“

Deshalb müsse man ihnen ins Gedächtnis rufen, dass sie die schwächeren Verkehrsteilnehmer sind und die entsprechenden Unfallzahlen gestiegen sind: „Manche fahren so, als ob sie unverletzbar wären.“ Für den Rotlichtfahrer, Besitzer eines Führerscheins, hat der Vorgang außerdem unangenehme Konsequenzen: Er erhält per Post eine Ordnungswidrigkeitsanzeige, 90 Euro Bußgeld und drei Punkte in Flensburg drohen.

„Das wissen viele nicht, dass es auch für Radfahrer so teuer ist“, sagt der erfahrene Polizist. Auch bei ertappten Fußgängern sei das Erstaunen oft groß, ergänzt sein Kollege. Allerdings blieb die Anzahl der Knöllchen, die die beiden ausstellten, eher klein: „Der Fahrradverkehr ist heute sehr überschaubar.“ Am Hansemannplatz, am Elisenbrunnen und an der Ecke Kleinmarschierstraße/Alexianergraben habe man sich postiert und insgesamt fünf Radfahrer erwischt, die gegen die Verkehrsregeln verstießen, etwa auf dem Bürgersteig fuhren oder Sperrflächen missachteten.

Dafür wurden jeweils zehn Euro Verwarnungsgeld fällig. Dennoch ist das Polizeiteam nicht betrübt über die geringe Ausbeute. Görgens: „Wir stehen ja gut sichtbar hier. Das ist auch der Sinn der Sache, präventiv aufzutreten und die Radfahrer zu sensibilisieren.“ Insgesamt wurden in der Innenstadt 28 Radfahrer überprüft, neun von ihnen erhielten wegen Verstößen eine Sanktion.

Mit 40 Grad Fieber

An der Roermonder Straße in Laurensberg, kurz hinter der Eisenbahnbrücke, zieht Einsatzleiter Bernd Kleefisch um 14 Uhr eine Zwischenbilanz. Drei Radarwagen, zehn Laser-Teams und drei ESO-Fahrzeuge seien im Einsatz gewesen. Letztere sind die neuen Super-Blitzen, die sogar vierspurigen Verkehr überwachen und auch in Kurven eingesetzt werden können und mit denen man derzeit Erfahrungen sammelt, um „ein beweisfestes Ergebnis zu bekommen“.

Genau 8147 Fahrzeuge sind an 82 Kontrollstellen in der Städteregion gemessen worden, davon waren 403 zu schnell unterwegs – eine Quote von etwa fünf Prozent. Beim letzten Mal lag sie noch etwas niedriger, landesweit ebenfalls, und das trotz aller Ankündigungen. Kleefisch: „Die Aachener sind beharrlich.“ Beispielhaft für alle steht vielleicht der Fahrer eines silbernen Hyundai, der mit 66 km/h auf der Roermonder Straße gemessen wird. Minus drei Stundenkilometern Toleranz ergeben sich 13 km/h zu viel, was sich mit 25 Euro Verwarnungsgeld wieder gutmachen lässt. Der Mann nimmt es gelassen: „Ich habe es schon gewusst. Heute Morgen habe ich noch daran gedacht. Aber gerade war ich wohl in Gedanken. Was will man machen?“

Tempo-Spitzenreiter war auf einer Straße in Simmerath-Lammersdorf ein Autofahrer mit 117 Stundenkilometern in einer 70er-Zone – auf einer Straße, in der im Februar ein tödlicher Unfall infolge überhöhter Geschwindigkeit passiert war. Er muss nun mit einem Fahrverbot und Punkten in Flensburg rechnen. Einmal haben die Beamten auch Gnade vor Recht gehen lassen: Als eine Mutter mit einem fiebernden Kind auf dem Weg zum Arzt angehalten wurde. Hauptkommissar Andreas Honger: „Das Kind sah fürchterlich aus. Da kann man auf 15 Euro verzichten.“

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