Aachen - Björn Jansen überzeugt mit kämpferischer Rede

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Björn Jansen überzeugt mit kämpferischer Rede

Von: Wolfgang Schumacher
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Jetzt liegt der SPD-Ball im Spielfeld: Jürgen Linden, Ulla Schmidt, OB-Kandidat Björn Jansen, Ehefrau Daniela Jansen und Karl Schultheis (von links) trainieren für den Sieg bei der OB-Wahl am 25. Mai. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Aachener SPD will am 25. Mai wieder an die Macht, keine Frage. Am Wochenende legten die 80 Delegierten dazu den Grundstein. Die Kreiswahlkonferenz in den Kurpark-Terrassen bestimmte mit großer Mehrheit den 36-jährigen Aachener Bürgermeister Björn Jansen zum Kandidaten für das jetzt von Marcel Philipp (CDU) bekleidete Amt des Oberbürgermeisters.

Mit einer kämpferischen Rede schaffte es der Diplom-Kaufmann und Vorsitzende des Stadtsportbundes, eine glänzende Mehrheit für seine Kandidatur zu bekommen. Bei 74 der 79 abgegebenen Stimmen war ein Ja angekreuzt, vier votierten mit Nein und einer oder eine der Stimmberechtigten enthielt sich. Dabei war die Nominierung des mit der Aachener Landtagsabgeordneten Daniela Jansen verheirateten Sozialdemokraten ein Weg über die Buckelpiste.

Familienrat zur rechten Zeit

Denn zunächst hatte der Verwaltungsmitarbeiter Thomas Hissels kandidieren wollen, Jansen hatte damals hohe Belastungen in Familie und Beruf, das Paar hat fünfjährige Zwillinge, als Grund angegeben, nicht zu kandidieren. Doch als Hissels im Oktober verzichtete, scheinen die Jansens Familienrat abgehalten zu haben. Das Ergebnis hat sich gelohnt, die Delegierten spendeten stehend langanhaltenden Beifall für den Kandidaten, der die rednerische wie inhaltliche Unterstützung von Alt-OB Jürgen Linden sowie der Aachener Abgeordneten und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Ulla Schmidt, erhielt.

Jansen stellte denn auch die Lage der Familien und der Kinder in der Stadt Aachen in den Vordergrund. Bis zu 20 Pozent der Kinder leben an oder unter der Armutsgrenze, prangerte er an. Für sie würde nur unzureichend gesorgt, es sei keine Seltenheit, dass sie ohne jede Verpflegung in den Kitas abgegeben würden. Besonders schlimm sei die Situation im Aachener Norden, dort sei jedes zweite Kind betroffen, das sei „eine Schande“, rief er aus. Aachen werde seit vier Jahren „nur verwaltet“, schimpfte der Kandidat in Richtung OB Philipp, das werde sich mit einem SPD-Sieg dann schnellstens wieder ändern.

Auch Alt-OB Linden hatte des Fehlen „jeglicher Visionen“ angeprangert. Als Schwerpunkte nannte Jansen neben der Reaktivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit vor allem eine Zuwendung der Politik zu den sozialen Problemen wie Wohnungsnot und Ausdehnung der Kita-Betreuungszeiten, damit gerade junge Familien wieder eine Perspektive in der Stadt bekommen. Weiter sei es unakzeptabel, dem Verfall der kulturellen Szene in Aachen zusehen, die freie Kultur müsse gefördert und das Sterben in der Klub- und Kneipenszene beendet werden. Aachen müssen wieder eine „weltoffene und liebenswerte Stadt“ werden, in der es sich für die zahlereichen Studienabsolventen zu bleiben lohne. Klappe das nicht, versinke Aachen ansonsten weiter in Stillstand und Agonie.

Doch es war nicht gänzlich friedlich – bei den Kandidaturen zur Reserveliste etwa. Dort trat Heike Wolf (50) auf Platz 8 mit einer Kampfkandidatur gegen die vom Unterbezirksausschuss auf Platz 8 gesetzte Ye-One Rhie (26) an. Wolf gewann knapp mit 40 zu 35 Stimmen, Rhie rutschte auf Platz 18. Auf Platz 9 standen sich die Genossen Manfred Bausch und Boris Linden gegenüber, beide aus dem Ortsverein West. Hier gewann Linden deutlich mit 62 gegen 13 Stimmen, Bausch landete auf 19.

Ärger in Mitte

Da liegt er auch nur vier Plätze hinter dem UB-Vorsitzenden Karl Schultheis auf Platz 15. Der Landtagsabgeordnete und vorherige OB-Kandidat Schultheis dürfte damit darauf angewiesen sein, seinen Wahlkreis Frankenberg direkt holen zu müssen, Schultheis: „Wir wollten ein Zeichen für Jüngere setzen“.

Auf der Liste für die Bezirksvertretung Mitte rutschte der erfahrene Heiner März trotz Widerstandes des eigenen Ortsvereins (Ponttor) von Platz 1 auf den aussichtslosen Platz 9. März prangerte in seiner Rede zu der für ihn völlig überraschenden und erst kurz vor der Delegiertenkonferenz ausgehandelten Platzierung mangelnde Solidarität und schlechten Stil an.

Der gegen ihn gesetzte wesentlich jüngere Patrick Deloie stellte sich als jemanden dar, der viel „von März gelernt“ habe und jetzt eben unverzichtbar in der Bezirksvertretung sei.

Die Listen

Hier die Direktkandidaten der Wahlbezirke 1 bis 32 für die Ratswahl: Stefan Oppelt, Björn Jansen, Sibylle Reuß, Boris Linden, Patrick Deloie, Heiner März, Michael Servos, Jürgen Schmitz, Heike Wolf, Daniela Lucke, Sevgi Sakar, Lothar Lippert, Maria Keller, Karl Schultheis, Tom Merkens, Anil Sivri, Rosa Höller-Radtke, Thomas Leigsnering, Clea Worbs, Manfred Bausch, Heiner Höfken, Anne Pauli, Fabia Söhngen, Rolf Schäfer, Nathalie Hüllenkremer, Eleonore Keller, Bernd Krott, Petra Püttmann, Sava Jaramaz, Manfred Kuckelkorn, Tobias Kronenberg und Norbert Plum. Die ersten 20 Plätze der Reserveliste: Björn Jansen, Daniela Lucke, Michael Servos, Rosa Höller-Radtke, Heiner Höfken, Maria Keller, Norbert Plum, Heike Wolf, Boris Linden, Clea Worbs, Bernd Krott, Sibylle Reuß, Manfred Kuckelkorn, Eleonore Keller, Karl Schultheis, Fabia Söhngen, Tobias Kronenberg, Ye-One Rhie, Manfred Bausch, Sevgi Sakar.

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