Bissige Blicke auf den Westzipfel

Von: Peter Langohr
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20 Jahre mit „!Au Banan” auf
20 Jahre mit „!Au Banan” auf der Bühne: Zum Jubiläum hatte Wendelin Haverkamp viele alte Freunde Foto: Heike Lachmann

Aachen. Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem 16. Juni 1991, als „!Au Banan” mit „Hüsch & Haverkamp” seine Premiere feierte, fand vor im großen Haus des Stadttheaters die ausverkaufte Jubiläumsveranstaltung statt.

So perfekt wie das Timing, war die Zusammenstellung des Programms. Nach einem kurzen Rückblick zu den Anfängen der Kleinkunstreihe, in der neben dem unvergessenen Hanns Dieter Hüsch, neben Dr. Stratmann, Norbert Alich, Wilfried Schmickler und Jochen Malmsheimer viele der Großen der Kleinkunstszene auftraten, ließ Wendelin Haverkamp den Westzipfler zu Wort kommen.

Dessen Maxime lautet: „Wer in Dummheit lebt, der stirbt in Frieden”, und immer wieder neigt er zu einem vorschnellem „Dat mach isch”, ohne zu wissen, worum es überhaupt geht. Long Wajjongs „mit Arthrose ab Werk”, kriminelle Freitreppen und hinterhältige, als Straßenkunst getarnte Poller rundeten einen liebevoll-bissigen Blick auf den Westzipfel der Republik ab.

Thomas C. Breuers Betrachtungen richteten sich auf die Deutschen als Angst-Weltmeister. Dies treibe seltsame Blüten wie etwa die „Vierfurchtmarmelade” oder die „Bumerangst”. Überzeugend baut der Sprachkünstler die Namen sämtlicher Aachener Stadtbezirke und vieler umliegender Orte ein.

Auch wenn es kein Wettstreit war, so hatte der Abend doch in Volker Pispers einen Sieger, dem sich selbst ein so routinierter Star-Comedian wie Jürgen von der Lippe geschlagen geben musste. Was Pispers ablieferte, war politisches Kabarett vom Feinsten, in dem sich die präzise Schärfe der Kritik mit viel Wortwitz verband. So spottete er über Guido Westerwelle, der sich auf dem Parteitag der FDP als „Freiheitsstatue dieser Republik” apostrophiert hatte: „Wann sagt ihm mal jemand, dass die Freiheitsstatue innen hohl und begehbar ist?”

Jürgen von der Lippe trug -manchmal zotig - neben Szenen aus dem „Comedy-Crash-Kurs für ältere, angehende Comedians” einen Text aus seinem Buch „Verkehrte Welt” vor und hatte dabei die Beziehungskrisen älterer, lange verheirateter Ehepaare im Visier. „!Au Banan” war und ist von einer starken musikalischen Komponente geprägt. Da darf man getrost in Erinnerungen schwelgen an den Fingerpicking-Virtuosen Sammy Vomacka, an den niederländischen Liedermacher Gé Reinders, an Manni Leuchter, an Uwe Rössler und das Tiffany-Ensemble und viele andere.

Kraftvoll, lyrisch, skurrill

Im Theater war erst „!Au-Banan”-Urgestein Freddy Matulla an der Reihe, der wie bereits seit 20 Jahren die Eröffnungsmusik spielte. Manfred Maurenbrecher ging an den Flügel und begeisterte das Publikum mit seinen kraftvollen, manchmal lyrischen oder skurrilen Balladen wie etwa die über den Off-Roader-Fahrer im Stau. Mit dem Engstfeld-Weiß-Quartett, das zum ersten Mal bei „!Au Banan” gastierte, machte sich Wendelin Haverkamp zu einer Grenzüberschreitung zwischen feinem Modern Jazz und Kabarett auf, wobei sich Haverkamps Stimme im Klang des Tenorsaxofons von Wolfgang Engstfeld spiegelt.

Nachdem das Publikum die Künstler mit viel Applaus verabschiedet hatte, ging es musikalisch mit Dieter Kaspari weiter, der mit seiner Band zu Oecher Blues in den Spiegelsaal des Theaters einlud. Wer das Jubiläum von „!Au Banan” verpasst hat, kann am Samstag, 2. Juli, in der Zeit von 16.05 Uhr bis 17.55 Uhr eine Aufzeichnung auf WDR 5 in der „Unterhaltung am Wochenende” hören.
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