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Bismarckstraße: Schutzstreifen für Radler plus mehr Parkplätze

Von: Werner Czempas
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Eher was für robuste Autotests: Die Bismarckstraße zwischen Oppenhoffallee und Adalbertsteinweg ist ein Flickenteppich. Über die Art des Ausbaus gab es aber intensive Debatten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die CDU ist (ein bisschen) umgefallen. Zum Ausbau der Bismarckstraße im Abschnitt von der Oppenhoffallee bis zum Adalbertsteinweg sagte sie im Mobilitätsausschuss erst hü, drei Wochen später in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte aber hott.

Die stark befahrene Bismarckstraße verbindet das Frankenberger Viertel mit dem Adalbertsteinweg und Aachen-Ost/Rothe Erde. Viele Autofahrer nutzen sie über die Sedanstraße Richtung Europaplatz/Autobahn.

Im Teilstück zwischen Oppenhoffallee und Adalbertsteinweg aber ist die Straße für Mensch wie Fahrzeug eine Herausforderung. Eine Schüttel-Rüttel-Holper-Strecke, für robuste Autotests eher geeignet denn für eine angenehme innerstädtische Verbindung. Alter und Witterung haben der Fahrbahn zugesetzt. Sie ist ein Flickenteppich.

Radverkehrskonzept

So sind sich Bürger, Verwaltung und Politik einig: Im betroffenen Bereich muss die Bismarckstraße erneuert werden. Fragt sich, wie. Die Verwaltung hielt zwei Varianten parat. Variante 1: Ausbau mit Neuordnung des Parkens, Parkbuchten nur an einer Seite, drei neue Baumfelder, beidseitig Schutzstreifen für Radfahrer, wie bisher 13 Parkstände; Variante 2: beidseitig Parkbuchten, keine Schutzstreifen, Radfahrer mit Kfz-Verkehr auf der Fahrbahn, 22 Parkstände.

Die Verwaltung empfahl und begründete ausführlich die Variante 1, auch mit Blick auf das 2013 beschlossene Radverkehrskonzept Ostviertel. Mit Schutzstreifen in der Bismarckstraße würden die geplanten Schutzstreifen in der Sedanstraße fortgeführt, und das Viertel werde mit einem zusammenhängenden Radwegenetz „ertüchtigt“. Der Vorschlag fiel vor drei Wochen im Mobilitätsausschuss allerdings durch. CDU und FDP lehnten ihn ab und sprachen sich mit einer Stimme Mehrheit für die Variante 2 aus. Was noch nichts besagte, denn die Entscheidung hat nicht der Mobilitätsausschuss, sondern die Bezirksvertretung Aachen-Mitte zu treffen.

Großer Parkdruck im Viertel

Hier wiederholte denn auch Marianne Conradt die Gründe der Union für einen Umbau ohne Schutzstreifen. Im Viertel herrsche enormer Parkdruck. Die Menschen seien aufs Auto angewiesen. Das etwa 170 Meter kurze Straßenstück „mit herrlichen Altbauten“ biete aber keine entsprechenden Parkmöglichkeiten. Im ganzen Quartier sei es „fast wie ein Sechser im Lotto“, wenn nach mehreren gedrehten Runden mit viel Glück ein Parkplatz gefunden werde. Auch Joachim Moselage (FDP) argumentierte, jeder Parkplatz mehr sei „für die Bürger wertvoll“. Schutzstreifen für die Radfahrer seien in dem „relativ kleinen Stück“ nicht erforderlich.

Sprecher von SPD und Grünen sahen das ganz anders. Sie sprachen sich für „klare Verbesserungen für die Radfahrer“ aus. Marlies Diepelt (SPD) verwies zudem auf das geplante Bewohnerparken fürs Quartier. Es sei illusorisch zu glauben, wenige Parkplätze mehr im kurzen Stück der Bismarckstraße könnten den Parkdruck im Viertel nehmen. Hans Keller (SPD) meinte, es mache „wenig Sinn“, Radfahrern, die auf dem Schutzstreifen aus der Oppenhoffallee in die Bismarckstraße abbiegen würden, dort zu erklären, „jetzt müsst ihr sehen, wie ihr hier ohne klarkommt“.

Patrick Deloie (SPD) fragte, warum überhaupt drei neue Bäume gepflanzt werden sollen. Ohne die könnten 15 Parkplätze eingerichtet werden, zwei mehr als bisher. Seinen baumlosen Vorschlag brachte er „als Kompromiss, als Variante 1 mit Sternchen“ ein. Sein Fraktionskollege Heiner März regte an, vor einem Beschluss eine sowieso beabsichtigte Bürgerinformation vorzuziehen, „mit der Gefahr, dass die Bürger etwas anderes wollen“.

Jürgen Diehm (Grüne) unterstrich noch einmal die Bedeutung des Radwegekonzepts über das Ostviertel hinaus. Er mahnte, bei der Bürgerinfo zu beachten, dass wahrscheinlich viele Radler, die Schutzstreifen befürworteten, nicht im Viertel wohnten und daher nicht befragt würden. Deren Meinung werde deshalb nicht berücksichtigt.

Im Hin und Her kam Heiner März auf die rettende Idee einer „Auszeit“. Die Sitzung wurde unterbrochen, die Politiker steckten die Köpfe zusammen. Dann ging es schnell. Die CDU rückte ab von der Variante 2. Die „Variante 1 mit Sternchen“ des Patrick Deloie fand eine pralle SPD-Grüne-Linke-CDU-Mehrheit: Erneuerung des Teilabschnitts Bismarckstraße mit beidseitigen Schutzstreifen für Radfahrer, aber ohne neue Bäume und also ein paar Parkplätze mehr. Dagegen und allein auf weiter Flur: Joachim Moselage und Wilhelm Helg .

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