Aachen - Bis Weihnachten steuern bis zu 2000 Busse den Bendplatz an

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Bis Weihnachten steuern bis zu 2000 Busse den Bendplatz an

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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1800 bis 2000 Busse werden bis zum 23. Dezember, dem letzten Tag des Weihnachtsmarktes, den Weg zum Bendplatz gefunden haben. Viele Aachen-Besucher wollen einen der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands sehen. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Die Resonanz ist phänomenal”, sagt Rolf Offermanns. Er kümmert sich mit Ehefrau Petra schon seit zwölf Jahren in der kleinen Blockhausgaststätte auf dem Bendplatz um Busfahrer und Weihnachtsmarkt-Touristen.

Der Schausteller und Wirt sorgt dafür, dass die Buspiloten mit Kaffee und Bockwürstchen versorgt werden und auch deren Passagiere nicht leer ausgehen, wenn sie nach langer Reisezeit unbedingt einen Kaffee brauchen.

Petra Offermanns nimmt Taschen in Empfang, die den Aachen-Besucherinnen zu schwer auf den Schultern lasten und ist gleichzeitig der gute Engel für alle Besucher aus vielen Teilen Europas: „Denken Sie daran, verschließen Sie gut ihre Tasche, sonst ist Ihr Weihnachtsgeld möglicherweise weg”, ermahnt sie eine Dame aus Antwerpen, die es kaum erwarten kann, endlich den Aachener Weihnachtsmarkt zu sehen.

Der Weihnachtsmarkt in Aachen, der ist nämlich vielen Belgiern, Niederländern, Luxemburgern, Engländern, Franzosen und auch Deutschen eine Tagesreise wert. Und weil man in Gruppen und Grüppchen von weiter her am billigsten per Charter-Bus nach Aachen kommt, hat der Bendplatz für die Reisebus-Chauffeure eine enorme Bedeutung. „Der Platz ist einfach klasse”, bestätigt Josef van den Heuvelken. 42 Flamen hat er am Freitag von Antwerpen nach Aachen gebracht. Hier hält er sich am liebsten auf.

„Die Fahrt dauert zwei, zweieinhalb Stunden und wir bleiben acht Stunden hier. Für die Leute ist es nur ein kurzer Weg bis zum Weihnachtsmarkt. Der Platz ist sehr sauber, wir Chauffeure bekommen einen Kaffee und eine Bockwurst mit Brötchen geschenkt und wir parken kostenlos”, lobt er die Stadt Aachen. Er kommt schon seit fünf, sechs Jahren in die Kaiserstadt und kann auch vergleichen: „Unser Unternehmen steuert auch Köln, Essen, Düsseldorf und andere Städte an. Aber nirgendwo ist es so schön und bequem wie in Aachen.”

Freitag, am frühen Nachmittag, parkten schon 45 Busse auf dem Platz, wenn der Weihnachtsmarkt am 23. Dezember um 20 Uhr seine Pforten schließt, werden es zwischen 1800 und 2000 Busse gewesen sein, die den Bendplatz angesteuert haben, ist von Manfred Piana, dem Geschäftsführer des MAC (Märkte und Aktionskreis City) zu hören. Der MAC ist Veranstalter des Weihnachtsmarktes. Piana: „Da sind noch nicht die Busse gezählt, die mitten in der Stadt parken und dadurch den Verkehr aufhalten.”

Befürchtungen, die Engländer würden wegen der Schwäche des Pfunds und der fast heillos daniederliegenden Wirtschaft auf der Insel ausbleiben, hätten sich allerdings nicht bestätigt. „Offensichtlich sind die Preisunterschiede so enorm, das selbst beim abgewerteten Pfund der Kauf von Schokolade immer noch lohnt.” Im Land der Königin Elisabeth koste eine Tafel Schokolade schließlich sechs Pfund, „und wenn man da mehrere mitnimmt, lohnt sich das schon”.

Viele Stammgäste

Bei Offermanns geben sich die Bus-Chauffeure die Klinke in die Hand, er zündet sich eine Zigarette an, lächelt und erzählt von seinen Erfahrungen mit den Weihnachtsmarkttouristen: „Wir haben viele Stammgäste, die fast jedes Jahr nach Aachen kommen. Zum Beispiel eine zwölfköpfige Damengruppe, die sind aus der Nähe von London und alle so um die 70. Wenn die ankommen, sind die richtig gut drauf. Dann ist Stimmung. Die amüsieren sich prächtig.

Alle haben selbst gestrickte weiße Pudelmützen auf mit blinkenden Lämpchen dran.” Oder die fast 200 Finanzbeamten, die eben mal mit drei großen Bussen aus einer rheinischen Chemiestadt anreisen, „die waren so acht neun Stunden auf dem Weihnachtsmarkt und haben bestimmt eine Glühweinprobe gemacht”. Petra Offermanns tut aber so mancher Engländer leid. „Da gibt es Busse, die sind schon um viertel nach sechs da. Dann stehen die in der Kälte herum. Aber später geht nicht, erzählen dann die Fahrer, wegen der Fährverbindungen.”

Paketweise eingedeckt

So mancher Busfahrer erbleiche vor Schreck, wenn seine Passagiere von einem Zwischenstop aus den Werksverkaufsläden bei Lambertz oder Lindt zurückkämen. „Die haben sich paketweise eindeckt. Ihr Chauffeur kann dann sehen, wohin mit dem Zeug.”

Natürlich kommen auch aus Deutschland Reisebusse an. „Aus vielen Städten”, sagt Offermanns. Ein Kölner Busunternehmer schickt seit neuestem täglich drei Busse nach Aachen. Und die sind immer voll besetzt. Ausgerechnet aus Köln, mit seinen großen Weihnachtsmärkten. Busfahrer Rolf Ritter erklärt: „Wir nehmen jedes Jahr eine andere Tour. Immer nur Neumarkt oder Roncalli-Platz oder Alter Markt, das geht nicht. Die Leute wollen auch mal was anderes sehen.”

Er und sein Kollege Thomas Kowaloczik bemängeln allerdings, dass den Gästen im Shuttle-Bus zwei Euro für die Fahrt zum Driescher Gässchen abgeknöpft werden. Dabei wissen aber beide nicht, dass ausgerechnet ein Kölner Bus-Shuttle-Unternehmen diesen Fahrpreis verlangt.
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