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Billiglöhne in Asien ermöglichen höhere Qualität am Templergraben

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Steine aus Vietnam machen aus dem Templergraben ein neues vorzeigbares Stück Straße. Laut Stadt sind bei der Produktion internationale Arbeits- und Sozialstandards sichergestellt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die anhaltenden Probleme auf der Baustelle Templergraben beschäftigen nun auch Menschenrechtler und das Aachener Bündnis „FAIRhandel(n)“. Nachdem bekannt wurde, dass wesentliche Baumaterialien aus Vietnam herbeigeschafft werden, drängt sich nicht nur für sie die Frage auf, unter welchen Bedingungen die Steine produziert werden und warum sie überhaupt durch die halbe Welt herbeigeschafft werden müssen.

Die entsprechenden Fragen haben die Verfechter des fairen Handelns nun der Geilenkirchener Baufirma Tholen zugesandt. Wissen wollen sie, ob die vietnamesischen Steine aus Gründen der Qualität verwendet werden und ob diese Qualität nicht auch aus europäischer Produktion erhältlich sei. Ferner, ob sichergestellt sei dass die Steine nicht unter Kinderarbeit oder unter Verletzung internationaler Arbeitsnormen hergestellt werden.

Ob sie eine Antwort erhalten, ist ungewiss, zumindest eine Anfrage der „Nachrichten“ ließ die Baufirma bislang unbeantwortet. Man wisse nicht, ob noch jemand Auskunft geben wolle, hieß es am Telefon. Und: „Langsam nervt‘s.“

Auskunftbereiter zeigte sich hingegen die Stadtverwaltung, mit der Tholen ebenfalls seit geraumer Zeit überkreuz liegt. Strittig war bekanntlich die Beschaffenheit des Fahrbahnuntergrunds und dessen Tragfähigkeit, was im Sommer einen mehrwöchigen Stillstand der Bauarbeiten im Bereich SuperC und RWTH-Hauptgebäude zur Folge hatte.

Dass Materialmangel und Nachbestellungen aus Vietnam nun weitere Verzögerungen nach sich ziehen, wird wohl kaum zur Versöhnung zwischen den Beteiligten beitragen. Tholen nennt als Grund, dass Umplanungen zu Verschiebungen der Bestellmenge geführt hätten. Das aber bestreitet die Stadt. Nennenswerte Umplanungen habe es nicht gegeben, stattdessen habe die Firma nicht die richtige Menge bestellt. Ob das rechtliche Auseinandersetzungen nach sich zieht, scheint offen. Äußern will sich dazu bislang niemand.

Tatsache aber ist, dass mit einer endgültigen Fertigstellung der neuen Straße mit Platzcharakter kaum vor April zu rechnen ist. Denn für die fehlenden Steine sei mit einer Lieferzeit von acht bis zwölf Wochen zu rechnen.

Anders als zunächst verlautbart, handelt es sich dabei jedoch nicht um Blaustein, sondern um Basalt, wie Regina Poth, Leiterin des Fachbereichs Verkehrsanlagen, betont. Dass dieser dunkle Basaltstein – genau wie der helle Granitstreifen – aus Vietnam bezogen wird, habe einen einfachen wirtschaftlichen Grund, sagt Poth: „In der Menge und Qualität hätten wir uns das sonst nicht leisten können.“ Die Lohnkosten in Europa sind deutlich höher als in Südostasien.

Dass die Steine unter akzeptablen Arbeitsbedingungen hergestellt werden, hat sich die Stadt laut Poth vom zuliefernden Berliner Steincontor Besco per Zertifikat bescheinigen lassen. Gemäß der Normen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO werden demnach die Mindeststandards für menschenwürdige Arbeit sichergestellt. Das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit werde beachtet. Den strengeren Anforderungen des fairen Handels werde jedoch wohl nicht entsprochen.

Arbeiten mit angezogener Bremse

Das gewählte Material ist Bestandteil des Wettbewerbsentwurfs, durch den der einst vielbefahrene Templergraben im Hochschulbereich eine neue Aufenthaltsqualität erhalten soll. Genießen sollten Studenten, Dozenten und andere Passanten dies eigentlich schon seit Semesterbeginn. Stattdessen können sie derzeit tagtäglich beobachten, dass auf unfertigen Baufeldern kaum noch gearbeitet wird - auch auf Seiten von Stadt und Hochschule lässt das den Ärger über die Baufirma weiter wachsen.

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