Bildungsbericht Städteregion: Jungen bleiben auf der Strecke

Von: Jutta Geese
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Jungen müssen mehr gefördert werden: Das ist ein Ergebnis des ersten städteregionalen Bildungsberichtes. „Das muss früh anfangen“, sagt der Bildungsexperte Prof. Hans Döbert. Er wünscht sich mehr Männer als Erzieher in Kitas und Lehrer in Grundschulen. Foto: imago/Jens Koehler

Aachen. Mädchen sind die Gewinner der diversen Bildungsreformen vergangener Jahre, Jungen bleiben immer mehr auf der Strecke: Das ist nur eine Erkenntnis, die aus dem ersten städteregionalen Bildungsbericht herauszulesen ist. Über eineinhalb Jahre hinweg hat das Bildungsbüro der Städteregion zusammen mit Experten aus den zehn Kommunen eine Fülle von Daten zusammengetragen und so ein sehr differenziertes Bild der Bildungslandschaft in der Städteregion gezeichnet.

375 Seiten stark ist die Bestandsaufnahme, die Stärken und Schwächen der verschiedenen Bildungssysteme – von der Kita über Schulen bis hin zu Berufskollegs und Hochschulen – aufzeigt und auch Vergleiche zwischen den Kommunen erlaubt. Dabei geht es jedoch nicht um ein Ranking, sondern darum, aus dem Zahlenwerk „zentrale Fragestellungen und strategische Ziele“ zur Verbesserung der Bildung abzuleiten, wie es Aachens Stadtdirektor Wolfgang Rombey, der zugleich Vorsitzender des Lenkungskreises Bildungsregion Aachen ist, jetzt bei einer Tagung im Haus der Städteregion formulierte.

Aber braucht man dazu wirklich so viele Daten, wie sie der Bildungsbericht enthält? Diese Frage beantwortet Prof. Hans Döbert vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung mit einer Gegenfrage: „Würden Sie sich ohne exakte Diagnose eine Niere entfernen lassen?

Wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich wollen Sie vorher alles wissen. Warum sollte das mit der Bildung anders sein?“ 375 Seiten stark müsse so ein Bericht zwar nicht sein, die Hälfte plus Tabellenanhang reiche aus. Aber mit diesem ersten städteregionalen Bildungsbericht verfüge man nun über eine solide Datenbasis, mit der die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung weiter arbeiten können. Er liefere eine Planungsgrundlage, sorge für Transparenz und ermögliche dadurch eine öffentliche Diskussion darüber, wie Bildung in den zehn Kommunen gestaltet werden soll.

Allerdings, warnt Döbert: Die Datensammlung bilde nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit ab ohne Berücksichtigung von Faktoren wie soziale Interaktion und Kommunikation. Zudem liefere sie keine Antwort auf die Frage nach Ursache und Wirkung. Deshalb müsse der Bildungsbericht konkretisiert, interpretiert und ständig fortgeschrieben werden. Auf städteregionaler, kommunaler und möglichst auch auf Stadtteilebene, jedenfalls in Aachen.

Und es müsse überprüft werden, ob eingeleitete Maßnahmen und Projekte den gewünschten Effekt erzielen oder ob man sich von ihnen verabschieden muss. Oder ob man gar in einem Bereich zu viele Projekte für die immer gleiche Klientel aufgelegt habe und andere Gruppen vernachlässige. Im Kreis Paderborn etwa habe man festgestellt, dass es dort im Bereich Übergang von der Schule in den Beruf zwar 50 verschiedene Maßnahmen gibt, der erhoffte Effekt sich jedoch nicht eingestellt hat, sagt Döbert. Nach einer genauen Analyse hat man dann sechs „Leitziele“ formuliert und will die Zahl der Maßnahmen halbieren.

Das städteregionale (und kommunale) Bildungsmanagement muss laut Döbert wie überall fünf Mindestanforderungen erfüllen: klare, realisierbare Ziele formulieren; eine stabile Finanzierungsgrundlage schaffen; Qualitätsentwicklung- und -sicherung organisieren; kontinuierlich die Daten des Bildungsberichtes fortschreiben; mit diesen Daten arbeiten, differenzierte Maßnahmen ergreifen und die Ziele anpassen.

All das wird umgesetzt werden, versicherten Gregor Jansen, Bildungsdezernent der Städteregion, und Klaus Spiele vom Lenkungskreis Bildungsregion bei der von unserem Redakteur René Benden moderierten Podiumsdiskussion. Und beide sind optimistisch, dass die Kommunen die schon bei der Erstellung des Berichts gute Zusammenarbeit fortsetzen werden.

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