Aachen - Bildchener Brücke nach fast 100 Jahren Geschichte

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Bildchener Brücke nach fast 100 Jahren Geschichte

Von: Nils Heinichen
Letzte Aktualisierung:
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Achtung Brückenabriss: Auf der Lütticher Straße war am Wochenende kein Durchkommen, der Verkehr wurde umgeleitet. Mächtige Bagger knabberten sich durch Beton und Stahlträger. Foto: Heike Lachmann
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Niederreißen und wegräumen: Die Arbeiten an der Bildchener Brücke kamen trotz der einen oder anderen Überraschung gut voran.

Aachen. Die fast 100 Jahre alte Bildchener Brücke über die Lütticher Straße, kurz vor der belgischen Grenze, zählte im wahrsten Sinne des Wortes zum alten Eisen. Nun wurde die ehemalige Eisenbahnbrücke der Deutschen Bahn, erbaut während des Ersten Weltkriegs, innerhalb von knapp zwei Tagen abgerissen.

„Es machte eigentlich wenig Sinn, die Brücke zu erhalten“, meint Bauleiter Tobias Schwarz von der Würselener Firma BHR, die im Auftrag der DB Netz AG die Arbeiten erledigt. Er verweist auf tiefe Risse in der Stahl- und Betonbrücke, die einst als wichtiges Verbindungsstück der Bahnstrecke zwischen Aachen und Brüssel fungierte. Die Strecke wurde 1969 stillgelegt, und 1990 stand der Abriss der Brücke schon einmal zur Debatte. Tierschützer plädierten allerdings für den Erhalt des Bauwerkes. Die Brücke sei wichtig für den Wildwechsel, hieß es damals.

Umweltschützer protestierten

Erneuten Protestrufen von Umweltschützern zum Trotz entschloss man sich nun endgültig gegen die Bildchener Brücke. Insbesondere das stark in die Jahre gekommene Gemäuer war ein schlagkräftiges Argument gegen das Gebäude. Als wohl einzige Alternative zum Abriss hätte die Brücke in den nächsten Jahren für viel Geld saniert werden müssen. Der Eigentümer, die Deutsche Bahn, beschloss schließlich mit Einverständnis der Stadt, die Brücke einzureißen.

In den frühen Morgenstunden des Samstags begann die Firma BHR mit Unterstützung der Firma Schlenter mit den Bauarbeiten. Zwei große Abrissbagger brachen Betonklötze und Stahlträger aus der Brücke heraus. Ein weiterer Bagger beförderte den heruntergefallenen Schutt zur Seite.

Während der Arbeiten war die Lütticher Straße nur eingeschränkt passierbar. Zwischen Aachen und Kelmis wurde der Verkehr weiträumig umgeleitet. Aus Richtung Belgien musste man über die Hauseter Straße, Frepert, die Aachener Straße und die Eupener Straße nach Aachen fahren. Verkehrsteilnehmer, die aus Aachen kamen, mussten über die Lütticher Straße über den Ronheider Berg, Luxemburger Ring, Eupener und Aachener Straße, Frepert und Hauseter Straße Richtung Kelmis geleitet werden.

Lediglich für Rettungs- sowie Feuerwehrwagen wurde ein schmaler Weg freigehalten, da Rettungskräften die Umleitung im Notfall zu viel Zeit gekostet hätte. „Wenn es einen Notfall gäbe, bekämen wir einen Anruf. Dann hätten wir wenige Minuten Zeit, um die Absperrungen aufzumachen“, erklärte der Bauleiter. Aufgrund des angrenzenden Preuswaldes war eine mehrfache Absperrung nötig, um auch die Sicherheit von Waldspaziergängern und Mountainbike-Fahrern zu gewährleisten.

Arbeiten dauerten etwas länger

„Es lief soweit alles nach Plan. Zwar war in Teilen der Brücke mehr Stahl verarbeitet, als wir gedacht hatten, doch das konnten wir vorher nicht wissen“, berichtete Schwarz. Schließlich lagen keinerlei Bestandspläne zu der alten Brücke vor. „Das war eine richtige Überraschungskiste“, fasste der Bauleiter zusammen. Wie bei jedem Brückenabriss erschloss sich den Bauarbeitern erst spät die genaue Verarbeitung. „Das ist dann spannend herauszufinden, wie massiv die Brücke wirklich ist“, sagte Schwarz.

Dadurch dauerten die Arbeiten ein wenig länger. „Wir haben versucht, die Lärmbelästigung möglichst gering zu halten und so wenig wie möglich nachts zu arbeiten“, schilderte Tobias Schwarz. „So ganz lässt sich das jedoch leider nicht vermeiden.“ Unmittelbare Anwohner hätten von der Bahn jedoch ein Angebot für eine Hotelnacht als Entschädigung erhalten.

Letztlich verlief der Abriss der ehemaligen Eisenbahnüberführung ohne große Probleme. Umweltschützer und Protestler hielten sich der Baustelle fern. Zudem erleichterte das durchgehend gute Wetter die Arbeiten. Im Laufe des Sonntags wurden die letzten Trümmer abtransportiert.

Nach fast 100 Jahren ist die Bildchener Brücke nun Geschichte.

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