Bezirksvertretung Haaren wehrt sich gegen Bau einer Verdichterstation

Von: Gerald Eimer
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Wird hier demnächst europäisches Erdgas auf Touren gebracht? Die Stadtverwaltung hält das ehemalige Militärgelände Camp Hitfeld für gut geeignet, um dort eine Verdichterstation zu bauen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wohin mit der geplanten Verdichterstation für die neue Erdgaspipeline? Diese Frage hat am Mittwoch erneut die Haarener Bezirksvertreter beschäftigt, die sich vehement gegen den Bau einer solch veritablen Anlage auf ihrem Gebiet wehren.

Denn ginge es nach den Plänen des Erdgastransporteurs „Open Grid Europe“ (OGE) würde der geplante Komplex auf einer gut zehn Hektar großen Ackerfläche von Verlautenheide errichtet. Doch inzwischen gibt es einen Alternativvorschlag, wie Planungsdezernent Werner Wingenfeld auf Anfrage bestätigt: das ehemalige belgische Militärgelände Camp Hitfeld.

„Ich halte es dort prinzipiell für machbar“, sagt Wingenfeld, der die Einwände der Haarener gut nachvollziehen kann. Der Stadtteil sei ohnehin stark belastet, dort müsse man nicht immer weiter „an den Freiflächen knabbern“, findet er.

Und so hat man seitens der Verwaltung inzwischen Kontakt mit OGE aufgenommen, um die Strategen des Essener Unternehmens von den Vorzügen des Hitfeld-Geländes, das sich noch im Bundesbesitz befindet, zu überzeugen. Hitfeld liege seit langem brach, andere Nutzungen kämen aktuell kaum in Betracht, und vor allem sei die Stadt dort auch bereit, das Planfeststellungsverfahren zügig voranzutreiben.

Dieser Zeitfaktor dürfte das gewichtigste Argument für OGE sein. Denn schon in vier Jahren soll das Erdgas durch die neue Leitung namens Zeelink gejagt werden. Das ist ein durchaus ehrgeiziges Vorhaben. Jeder, der da auf die Bremse treten will, ist hinderlich. Und die Haarener Bezirksvertreter sind fest entschlossen, den Bau einer Verdichterstation in ihrem Bezirk komplett auszubremsen, wie sie in der gestrigen Sitzung nochmals eindringlich klarmachten. Ihr Trumpf: Die von OGE ins Auge gefassten Flächen am Autobahnkreuz sind in städtischer Hand. Wenn die Stadt sie nicht hergeben will, müsste OGE im Ernstfall gar ein Enteignungsverfahren in Gang setzen, was selbst für solch große und bundesweit agierende Akteure durchaus lästig sein kann.

Ob OGE tatsächlich, wie gewünscht, nach Hitfeld ausweicht, ist vollkommen offen, erklärte am Mittwoch der städtische Planer Fabian Kumkar, einer der hiesigen Ansprechpartner für OGE. Denn in Verlautenheide kommen gleich mehrere Gasleitungen zusammen, zudem könnte das in der Nähe liegende Umspannwerk angezapft werden. Beides sei für den Bau einer Verdichtungsanlage technisch und wirtschaftlich von Vorteil.

Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten betonte derweil, dass ihn technische Probleme nicht interessierten, denn die seien allesamt lösbar. „Hier geht es um eine politische Entscheidung.“ Und politisch sind sich in Haaren alle einig, die Verdichterstation mit aller Macht verhindern zu wollen.

Wie belastet der Ortsteil bereits ist, machte Karl-Heinz Starmanns (CDU) deutlich, der die Autobahnen, den Flugplatz Merzbrück, das Nato-Tanklager, die Gasballons und das Umspannwerk aufzählte. „Jetzt kriegen wir den anderen Mist auch noch“, fügte Corsten zornig hinzu, der offenbar skeptisch ist, dass die städtische Verwaltung den Alternativstandort Hitfeld auch mit dem nötigen Nachdruck anpreist.

„Denken Sie an die armen Haarener und Verlautenheidener, dann haben Sie alles im Griff“, gab er dem Planer Zumkar am Ende der gestrigen Beratungen mit auf den Weg.

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