Besorgte Bilanz: Die Not der Menschen ist weiterhin groß

Von: Karen von Schmieden
Letzte Aktualisierung:
tafel_bu
Standortbestimmung: Die Aachener Tafel sucht das Gespräch. Vierte von links Vorsitzende Jutta Schlockermann. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Mir war die Härte der Situation nicht bewusst”, sagt Jutta Schlockermann, Vorsitzende der Aachener Tafel. Zum zehnjährigen Bestehen des Vereins hat sie in einer Gesprächsrunde mit Bürgermeisterin Hilde Scheidt, Vertretern von 22 Aachener Einrichtungen und dem Vorsitzenden der Nele und Hanns Bittmann Stiftung, Wolfgang Herff, über die Zustände für bedürftige Kinder in Schulen und Kindertagesstätten gesprochen.

„Wir wollten hören, woran wir arbeiten können”, so Jutta Schlockermann. „Dass Lehrer und Erzieher teilweise Spenden für Materialien und Mahlzeiten sammeln müssen, das hat mich schockiert.”

Seit der Verein Aachener Tafel vor zwei Jahren mit einer „Einschulungsaktion” hilfsbedürftige Kinder vom ersten Schultag an unterstützt hat, sind die Ausmaße der Missstände für Jutta Schlockermann sichtbar geworden: „Der Bedarf ist riesig.”

30.000 Menschen in Aachen leben von Hartz IV-Bezügen, ein Drittel davon sind Kinder. Da wird in den Familien an einigem gespart, und in den Schulen und Kindergärten mangelt es oft an Materialien. „Es fehlen so einfache Dinge wie Geodreiecke, Lineale oder Wachsmalstifte”, erklärt Jutta Schlockermann.

Als Aachener Tafel ist für den Verein auch die Versorgung der Kinder mit warmen Mahlzeiten von Bedeutung: „Wir reden ständig von Bildungsproblemen, aber es muss doch auch gewährleistet sein, dass die Kinder satt sind.”

Es sei nicht die Aufgabe der Schulen und Kitas, Spenden zu sammeln, meint auch Hilde Scheidt. Die Arbeitszeit solle mit den Kindern verbracht werden.

Alle Anwesenden waren sich einig, dass man den Einrichtungen Vertrauen schenken und die Verteilung des Geldes den Fachleuten vor Ort überlassen muss. Dabei dürfen die Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen nicht in Konkurrenz zueinander stehen. „Wir als Stiftung brauchen das Gefühl, dass mit dem Geld richtig umgegangen wird”, erklärt Wolfgang Herff. Bei dem Engagement der Lehrer und Erzieher ist er sich sicher: „Es ist in guten Händen. Jetzt muss schnelle, unbürokratische Hilfe geleistet werden.”

Das Treffen von Stiftung, Politik und Bürgerschaft war ein guter Anfang. Nun möchten die Beteiligten den Kreis erweitern und die Gesprächsrunde wiederholen, um wirksame Lösungen umzusetzen.

Wer die Aachener Tafel unterstützen möchte: Kontonummer 623508013, Aachener Bank (BLZ 39060180).
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert