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Beschuldigter wollte ein Mädchen töten

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Ein komplettes SEK-Kommando aus Köln und die Aachener Polizei hatte der jetzt vor dem Aachener Landgericht angeklagte Riadh B. (42) mit seiner Tat am 31. August 2009 auf Trab gebracht.

Außerdem musste damals am Spätnachmittag die Peterstraße vom Bushof bis zum Hansemannplatz abgesperrt werden.

Was dort im sechsstöckigen Haus Hansemannplatz 1 geschah und welches Drama sich dort ab 16 Uhr abgespielt hatte, konnten die Zuschauer aus der Ferne nicht erahnen. Sie sahen nur, dass Riadh B. von seinem Balkon im 6. Stock schrie und diverse Sachen herunterpfefferte, die mitten auf der Fahrbahn liegenblieben, zerschellten oder zerplatzten.

Ein ähnliches Schicksal, so ergab sich am Mittwoch aus der Anklageverlesung vor dem Aachener Schwurgericht, sollten zwei 15-jährige Schülerinnen erleiden, die sich aus bislang noch nicht bekannten Gründen in der Wohnung von B. aufhielten.

Laut Staatsanwaltschaft wird B. beschuldigt, im Zustand der Schuldunfähigkeit versucht zu haben, einen Menschen zu töten und Sprengstoffexplosionen angedroht zu haben. Dazu wird ihm Freiheitsberaubung und Körperverletzung vorgeworfen.

Was sich hinter den sachlichen juristischen Begriffen versteckt, ist der Überlebenskampf einer der beiden 15-Jährigen, die Riadh B. über die Balkonbrüstung wuchten und in die Tiefe befördern wollte. Als die beiden Mädchen in die Wohnung traten, so Staatsanwältin Claudia Schetter, bedrohte der Angeklagte die beiden mit vier selbstgebastelten Bombenattrappen, die allerdings täuschend echt aussahen, sowie mit einem Messer.

Er habe geschrien, er werde beide abstechen, wenn sie nicht gehorchen. Dann fesselte er ihnen mit Mullbinden die Handgelenke. Ein Mädchen soll er dann zum Balkon geschleppt und dort versucht haben, ihr einen Jutebeutel über den Kopf zu ziehen und sie dann über die Brüstung in die Tiefe zu stoßen.

Das Mädchen wehrte sich mit allen Kräften so „heftig”, wie es vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl hieß, dass „der Angreifer selbst zu Boden fiel”. Diesen Moment nutzten die beiden Mädchen, eine saß wie versteinert im Schlafzimmer, zur Flucht ins Treppenhaus.

Flucht ins Treppenhaus

Der 42-jährige Tunesier rannte noch hinter den Opfern her und verschanzte sich dann in seiner Wohnung. Anschließend drohte er, mit seinen selbstgebastelten Bomben das Haus in die Luft zu sprengen. Außer sich vor Zorn warf er die eingangs erwähnten Gegenstände auf die viel befahrene Peterstraße, die sofort von der Polizei gesperrt wurde.

Am ersten Verhandlungstag gab der mit einem malerischen Turban im Saal sitzende Beschuldigte zunächst nur an, er sei Schriftsteller von Beruf. Zurzeit wird er in der psychiatrischen Anstalt in Essen betreut, bei dem Verfahren geht es um eine dauerhafte Unterbringung von Riadh B. in der Psychiatrie.

Das Verfahren wird am Montag, 8. März, fortgesetzt.
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