Berufskollegs kümmern sich um ausländische „Seiteneinsteiger“

Von: Margot Gasper
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Wenn junge Menschen etwa als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, müssen sie in der Schule zunächst Deutsch lernen. Für sie gibt es Internationale Förderklassen. Foto: Stock/Gerhard Leber

Aachen. Das Berufskolleg Simmerath/Stolberg hat bereits zwei Internationale Förderklassen. In Aachen wird die Käthe-Kollwitz-Schule nach den Sommerferien eine dritte Förderklasse eröffnen. Und die Mies-van-der-Rohe-Schule startet im neuen Schuljahr ganz neu mit einer Klasse in diesem Bereich.

Allein diese drei Berufskollegs der Städteregion werden also ab Sommer rund 120 Plätze für „Seiteneinsteiger“ anbieten, wie Vertreter der drei Schulen nun erläuterten. „Wir wollen deutlich machen, dass die Berufskollegs reagieren, wenn es darum geht, junge Menschen mit Unterricht zu versorgen“, erklärte Hans Pontzen, Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Schule, im Namen seiner Kolleginnen und Kollegen.

Die Vielfalt der Bildungsgänge, die die Berufskollegs im Angebot haben, sei längst nicht allgemein bekannt, bedauert Pontzen. Und das gelte auch für die Internationalen Förderklassen.

Dabei haben gerade die Berufskollegs sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet. „Im kommenden Jahr feiern wir das 20-jährige Bestehen unserer Internationalen Förderklasse“, so Ingrid Wagner, Schulleiterin am BK Simmerath/Stolberg. Und die Käthe-Kollwitz-Schule kümmert sich auch bereits seit 2002 um junge Leute, die zunächst Deutsch lernen müssen, damit sie in der Schule lernen können.

Die Schüler am Berufskolleg sind in der Regel 16 Jahre und älter. Gerade für diese Altersgruppe, am Übergang von der Sekundarstufe I zur Sekundarstufe II, gebe es keine maßgeschneiderten Angebote an Internationalen Förderklassen, hatte Schulrat Wolfgang Müllejans jüngst erst im städtischen Schulausschuss beklagt, als es um die schulische Versorgung der jungen Flüchtlinge ging.

Häufig sind die Schüler der Internationalen Förderklassen als Flüchtlinge nach Aachen und in die Städteregion gekommen. Viele von ihnen müssen sich im Deutschunterricht zunächst auch das deutsche Alphabet aneignen. Christa Wienen, Abteilungsleiterin Berufsvorbereitung an der Käthe-Kollwitz-Schule, und die beiden Klassenlehrerinnen Martina Lützeler und Ute Baumgarten haben große Hochachtung vor dem, was ihre Schüler leisten. Viele sind nach langer Flucht um die halbe Welt ganz alleine in Aachen gelandet. Häufig sind sie traumatisiert. Ihre Zukunft in Deutschland ist ungewiss, auch das belastet.

Der Zustrom an unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in der Städteregion ist mittlerweile so groß, dass manche der älteren Schüler sogar in Hotelzimmern untergebracht werden müssen. Umso wichtiger sei die Schule auch als ein Stück Heimat, betont Rita Schaar, Schulsozialarbeiterin an der Käthe-Kollwitz-Schule. Deshalb müsse Schulsozialarbeit dauerhaft an den Berufskollegs zur Verfügung stehen.

Im Anschluss an die Internationale Förderklasse bietet das Berufskolleg weitere Perspektiven für die jungen Flüchtlinge, erläutert Hans Pontzen. An der Käthe-Kollwitz-Schule gibt es das Berufsorientierungsjahr und das Berufsgrundschuljahr jeweils mit besonderer Sprachförderung. So können Weichen in Richtung Schulabschluss und Ausbildung gestellt werden.

Die Mies-van-der-Rohe-Schule beginnt gerade mit dem Unterricht für Seiteneinsteiger. „Wir richten im nächsten Schuljahr eine Förderklasse ein, weil wir sehen, wie groß der Bedarf ist“, sagt Uta Plum, Abteilungsleiterin Berufsvorbereitung. Die Klasse an dem technischen Berufskolleg will besonders junge Männer ansprechen. „17 Interessenten haben sich schon gemeldet“, so Plum. Diese neue Klasse ist also schon so gut wie voll.

Deshalb sind die Vertreter der drei Schulen sehr froh, dass weitere Berufskollegs grundsätzlich bereit sind, Internationale Förderklassen einzurichten: das Berufskolleg für Gestaltung und Technik in Aachen und das Berufskolleg in Alsdorf.

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