Beruf Kostümbildnerin: Barock muss her, aber nicht zu viel

Von: Martina Feldhaus
Letzte Aktualisierung:
4815572.jpg
Von der Idee zur Kleidung: So sehen die Skizzen zu den „Ariodante“-Kostümen von Sandra Münchow aus.
4815571.jpg
Ein Mädchentraum: Sopran-Sängerin Jelena Rakic fühlt sich wohl in dem rosafarbenen Händel-Kleid, das Kostümbildnerin Sandra Münchow eigens für ihre Rolle der Dalinda entworfen hat. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eine recht zarte Person ist Jelena Rakic ja ohnehin schon. Jetzt aber, vor dem großen Spiegel im Damenumkleideraum der Theater-Werkstätten im Mörgens, wirkt sie mädchenhaft, zerbrechlich, ja geradezu unschuldig. Schuld ist das Kleid, das sie trägt. Kostümbildnerin Sandra Münchow hat es ihr auf den Leib entworfen für die Rolle der Dalinda in der Händel-Oper „Ariodante“, die Rakic ab dem 3. Februar im Theater Aachen verkörpert.

„Dalinda ist eine junge Freundin und Hofdame der Protagonistin. Wenn sie sich verliebt, dann tut sie das mit Haut und Haaren“, erklärt Münchow. Deshalb also dieses Kleid: blassrosa mit dicken Puffärmeln, ein weit ausgestellter Rock, der kurz über den Knöcheln endet, kein Dekolleté. Münchow, die freiberuflich für verschiedene Theater in der ganzen Republik arbeitet und in Aachen schon Kostüme für „Un ballo in maschera“ oder „Berlin Alexanderplatz“ kreierte, hat nicht nur für den Charakter Dalinda das passende Outfit schneidern lassen, sondern für das gesamte Händel-Ensemble samt Solo-Sängern und Chor.

Orientiert hat sich die Kostümbildnerin bei ihren Entwürfen zum einen an der Zeit Georg Friedrich Händels, der Epoche des Barock. Entsprechende Elemente sollten durchaus deutlich zu erkennen sein. „Aber auch nicht zu direkt“, erklärt Münchow und blickt zufrieden auf Rakic, die sich noch etwas vorsichtig vor dem Spiegel nach links und rechts dreht – mit einem strahlenden Lächeln. Und tatsächlich ist Münchow ein Hofstaat-Kleid gelungen, das irgendwie opulent-barock rüberkommt, aber gleichzeitig modern und leicht erscheint.

Absolutes Highlight bei diesem und auch anderen Kostümen – für andere Damenrollen etwa in grün gehalten, Männer tragen Stoffhose und Jackett – ist der Aufdruck. Zwei Gemälde des französischen Barockmalers Claude Lorrain sind zum wiederkehrenden Motiv auf allen Kleidungsstücken geworden, eine Augsburger Spezialdruckrei bringt es auf den Stoff. „Das ist die typische Baumgruppe des Barock“, erklärt Münchow. „Sie stellt das Innere der Figuren dar, ihre Sehnsucht, auszubrechen aus dem starren System, in dem sie leben. “

Romantische Liebe

Denn genau darum geht es bei Händels überaus erfolgreicher Barockoper, die er 1734 für die Covent Garden Oper in London komponierte. Darin droht die romantische Liebe zwischen der schottischen Königstocher Ginevra und dem jungen Ritter Ariodante durch den machtbesessenen Polinesso zu zerbrechen. Mit einer Treueprobe für Ginevra wird der verliebte Ariodante in den Selbstmord getrieben. Doch trotz aller Brutalität, Intrigen und falschen Schwüren wird am Ende alles gut.

Dalinda alias Jelena Rakic tanzt vor dem Spiegel inzwischen gelöster in ihrem mädchenhaften Kleid umher, legt sich mal hin, steht auf, setzt sich auf einen Stuhl in der Ecke des Raums. „Ich fühle mich gut“, sagt sie. Die Vorfreude auf ihre Rolle ist ihr schon jetzt anzusehen. Zumal sie schon in schwereren, komplizierteren Kostümen gesteckt hat.

Rund 200 Meter Stoff hat die Augsburger Druckerei für Aachens „Ariodante“ für alle Kostüme bedruckt. In den Mörgens-Werkstätten gilt es die nun zu schneidern – und zwar nach der Vorlage von Sandra Münchows Zeichnungen. Eindrucksvoll hat sie ihre Ideen farblich zu Papier gebracht und anschließend daraus Schnitt-Skizzen erstellt. Lange Stoffbahnen wurden so nach und nach zu jeden barocken Puff-Kleidern zusammengefaltet und genäht, von denen Sängerin Jelena Raciz eines trägt.

Bis zur Aufführung fehlt ihr nun nur noch die Perücke, die derzeit mit zahlreichen anderen hinter den Kulissen des Theaters aufwendig geknüpft wird. Bis zur Premiere, da ist sich Sandra Münchow aber sicher, ist alles fertig. Dann können sich die Zuschauer zurücklehnen, Händels Arien genießen und tolle Kostüme bewundern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert