Bernd I.: Eine ganze Session lang ein Maskenball

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
6882277.jpg
„Ich freue mich auf die Session. Ich will den Öchern viel Spaß und Freude bringen“, sagt der 45-jährige Bernd Marx, der heute Abend zum Prinzen Karneval gekürt wird und dann bis zum 4. März als Prinz Bernd I. die Säle bei etwa 350 Auftritten besuchen wird. Foto: Ralf Roeger
6882278.jpg
Dagmar und Bernd Marx stoßen schon mal gemeinsam auf eine erfolgreiche Session an.
6882279.jpg
Lionel (2) und der vierjährige Julius spielen gerne zusammen im Marx‘schen Wohnzimmer mit der Mama. Dabei geht es recht lebhaft zu.

Aachen. Es ist ein Samstagnachmittag. Die „Nachrichten“ sind zu Hause bei Familie Marx. „Trinkt ihr ein Gläschen Sekt oder lieber erst einen Kaffee?“, fragt Dagmar Marx. Die Reporter ziehen Kaffee vor, vor allem weil Kuchen auf dem Tisch steht, „Der ist aber nicht selbst gebacken“, sagt die Frau des Hauses fast entschuldigend. Macht nichts, der Apfel- und der Aprikosenkuchen schmecken trotzdem.

Das Haus, in dem Bernd Marx mit Ehefrau Dagmar und den beiden Söhnen Julius und Lionel in der Dürener Friedrichstraße lebt, ist von außen eher unscheinbar. Drinnen bewohnt die Familie zwei von drei Geschossen, der Dachboden ist zur Wohnung ausgebaut und vermietet.

Gemütlich

Gemütlich haben‘s die Marx‘. Küche, Essbereich und Wohnzimmer gehen ineinander über. Interessant ist die Heizung, die die Küche vom Esszimmer trennt und direkt, mitten im Raum, neben der Esstheke steht. Sie besteht aus dünnen, silberfarbenen Röhren und macht sich ausgesprochen gut. Schwere helle Esszimmermöbel aus massivem Holz und eine mauve-farbene Sitzgruppen runden das harmonische Bild ab. Und so harmonisch das Bild, so harmonisch auch die Familie.

Während sich das Ehepaar Marx und die „Nachrichten-Reporter über Gott und die Welt, das Karnevalsprinzendasein und den Öcher Fastelovvend unterhalten, spielen Julius und Lionel angeregt auf dem „Straßenteppich“. Lionel ist dabei der Lebhaftere, Julius ist eher der ruhige Typ. Im Gespräch gibt die kommende Tollität zu: „Ja klar, das Prinzendasein kostet auch Geld, aber die Schätzungen, die häufig angestellt werden, sind weit übertrieben.“ Ansonsten spricht er nicht übers Geld.

Lieber, aber dennoch bescheiden, erzählt Marx davon, dass er einen Benefizorden und eine CD zu je fünf Euro zugunsten des Ortsvereins Aachen des Deutschen Kinderschutzbundes und des Fördervereins fürs Öcher Schängche während seiner Auftritte verkauft. „Da bleibe ich der Tradition der Vorgänger treu“, unterstreicht er. Und er erzählt von seinen Hofstaatsmitgliedern, den zehn Getreuen, die ihn während der gesamten anstrengenden Session begleiten werden. „Wir passen alle zusammen, wie bilden ein Team“, sagt er.

Heute Abend wird aus dem aus absoluten Familienmenschen und Erfolgs-Tanztrainer Bernd Marx, dem Service-Ingenieur der Telekom, der Öcher Fastelovvends­prinz Bernd I. Zweimal wird er während er während des mehrstündigen Programms, in dessen Verlauf er zur Öcher Tollität proklamiert wird, auftreten, vor und während des Prinzenspiels selbstverständlich. Wie der Programmpunkt und das anschließende Prinzenspiel aussehen werden, „das verrate ich auf keinen Fall“, stellt Bernd Marx klar.

Er ist sicher, dass ihn ein paar Stunden, bevor es heute Abend soweit ist, das Lampenfieber überfällt. „Ich zittere aber nicht dem Samstag entgegen“, sagt er. Er weiß, dass er gemeinsam mit seinem Hofstaat viel geübt hat, und hat er Erfahrungen aus seinen bisherigen Auftritten. „Alles Weitere wird sich zeigen.“ Klar, Bernd Marx ist von Hause aus Tänzer, bei einem Tanzkurs hat er auch in Düren vor zehn Jahren seine Dagmar kennengelernt. Die war damals ein Jahr lang Tanzmariechen der Horbacher Freunde. Geheiratet haben beide kurze Zeit nach Julius‘ Geburt. Und mit den Horbacher Freunden wurde er auch als Trainer und Vortänzer zweimal Deutscher Meister im Schautanz. Wegen des Tanzes hat sich Bernd Marx für eine Art Maskenball für seine „Regierungszeit“ entschieden. Venezianische Kostüme sind angesagt, italienische Ränge zieren seine Hofstaatsmitglieder. Da wird aus dem Adjutanten der Aiutante, aus dem Zeremonienmeister der Ceremoniere. „Wir werden nicht nur singen, wir werden uns auch auf der Bühne tänzerisch bewegen“, sagt Bernd Marx lachend. Aber weil er einige ältere Semester in seinem Gefolge hat, werden die Vorführungen nicht allzu schwer werden.

Kräftig feiern

Der Zeitpunkt der Proklamation kommt etwas ungelegen: „Am 11. Januar hat Sohnemann Lionel Geburtstag, er wird drei Jahre alt“, bedauert Bald-Prinz Bernd, dass er sich dann nicht so intensiv um den Jungen kümmern kann wie sonst. „Aber wir werden ihn schon kräftig feiern“, bekräftigt Ehefrau Dagmar. Zurzeit betreut Bernd Marx seine Söhne, er arbeitet nur halbtags, „die andere Hälfte ist der Vaterschaft seit der Geburt von Julius gewidmet, der im Juli fünf Jahre alt wird“.

Das nötige Kleingeld für die Familie verdient zurzeit Dagmar Marx, die mit einem Sozius eine Steuerberatungskanzlei betreibt. „Ich muss mir die Zeit stark einteilen“, weiß die 35-Jährige. Vor allem während der Session will sie doch während einiger der rund 350 Termine, die dann der Prinz mit seinem Hofstaat absolvieren muss, dabei sein. „Nein, nicht auf der Bühne“, sagt sie lächelnd. Im Saal will sie dann sitzen oder eben einfach am Saaleingang stehen. „Wir werden das schaffen, die Großeltern der beiden sind ja auch noch da“, ist sie zufrieden mit der bereits zugesagten Unterstützung.

Heute Abend allerdings wird sich eine Auszubildende aus ihrem Steuerberatungsbüro um den prinzlichen Nachwuchs kümmern. „Die Kinder lieben die junge Frau, sie war auch schon häufiger bei uns“, erklären Dagmar und Bernd Marx ihr Vertrauen zum Babysitter. „Ich freue mich richtig auf den 11. Januar“, gesteht Dagmar Marx. Die Prinzengemahlin ist wie die anderen Hofstaatsfrauen auch venezianisch gekleidet.

Kaiserjahr und Maskenball

Weil die diesjährige Session ins Karlsjahr fällt, vor 1200 Jahren starb der große Kaiser, ist auch das Motto des Prinzen ganz darauf und auf das ähnlich klingende Motto des AAK (Festausschuss Aachener Karneval) abgestellt: „Janz jeck op Kejser Karl än Karneval danzt Oche met os Maskenball”.

Marx wohnt mit seiner Familie in Düren, und er wird Öcher „Prenz“. Sind ihm deshalb schon Vorhaltungen gemacht worden? „Nein, in Aachen überhaupt keine. Mein Karneval ist der Öcher Fastelovvend. Und auch sonst fühlen Dagmar und ich uns eher nach Aachen hingezogen. Allerdings sind wir schon von Dürener Narren gefragt worden, warum ich nicht in Düren Prinz geworden bin.“

Bernd Marx ist sich sicher: „Das wird eine schöne Zeit als Aachener Prinz. Der Hofstaat und ich stehen in den Startlöchern. Wir wollen vor allem viel Spaß und Freude bringen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert