Aachen - Berensberger Straße: Rennstrecke, die keinen interessiert

Berensberger Straße: Rennstrecke, die keinen interessiert

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Das Schild reicht nicht aus, um das Tempo der Autofahrer zu drosseln: Dies hat auch die Stadt erkannt, Geld für einen Umbau der Ortseinfahrt in Richterich steht aber frühestens in zwei Jahren zur Verfügung. Andere Stellen der Stadt haben Vorrang. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Briefe hat Georg Gaspar schon zuhauf geschrieben - an das Bürgerbüro der Stadt etwa oder an den Polizeipräsidenten. Persönlich hat er seine Nöte auch in der Bezirksvertretung Richterich vorgetragen.

Aber er fühlt ich im Stich gelassen. „Es kümmert sich keiner darum”, klagt er und meint damit die Raserei auf der Berensberger Straße.

Es vergehe keine Nacht mehr, an dem „die Wahnsinnigen” nicht „mit Karacho vom Paulinenwäldchen angedonnert” kämen, sagt er. Gleich vorbei an seinem Schlafzimmerfenster.

Es sei gar nicht daran zu denken, noch bei offenem Fenster zu schlafen. Seit gut 25 Jahren wohnt der Rentner inzwischen am Ortseingang von Richterich, aber „so schlimm war es noch nie”. Die Berensberger Straße sei zur Rennbahn geworden und keinen interessiere es.

Falsche Ortswahl

Klar würde die Polizei hin und wieder auch in Richterich die Geschwindigkeit messen, hat er beobachtet. „Aber die stehen in der Parkstraße” - mitten im Ort also, und nicht am Ortseingang. Daher hat er auf eigene Kosten mit Hilfe der Verkehrswacht Messungen vorgenommen. Das Ergebnis sei erschreckend gewesen. Der Schnellste sei gar mit 160 km/h in den Ort gebraust.

Das Ortseingangsschild sei jedenfalls nicht ausreichend, um Autofahrer zum Tritt auf die Bremse zu veranlassen. Auch das Tempo-30-Schild wenige Meter weiter werde völlig ignoriert. Warum man denn nicht einen Starenkasten aufstellt, fragt er. Das Geld für die Aufstellkosten der stationären Messstelle könnte man in kürzester Zeit wieder reinholen, ist er überzeugt.

An der Berensberger Straße müsse gehandelt werden, sonst werde es eines Tages Tote geben, prophezeit Gaspar. Er spricht aus eigener leidvoller Erfahrung, denn seine Tochter sei vor gut 26 Jahren „von so einem Kriminellen” angefahren und schwer verletzt worden.

Doch noch wartet er vergeblich auf Unterstützung. Immerhin: Die Stadt hat das Thema im Blick. So hat sie im vergangenen Jahr in einem aufwendigen Verfahren alle 182 Ortseingangsbereiche der Stadt untersucht und hinsichtlich der Verkehrssicherheit bewertet. Möglichst objektive Kriterien sollten gefunden werden, um Umbauten an besonders gefährlichen Zufahrten vorzunehmen.

Die Berensberger Straße hat es auf Platz elf der Prioritätenliste gebracht, wie Axel Costard vom Presseamt mitteilt. Und das heißt: Zehn andere Ortseingänge haben Vorrang, weil sie als noch kritischer angesehen werden.

Ausschlaggebend sei halt nicht, wo die Klagen am lautesten sind, lautet die Devise der Stadt, die nur begrenzt Mittel für Umbauten vorgesehen hat. Etwa 100.000 Euro sind in diesem und in den nächsten Jahren vorgesehen. Der „Standardfall”, so Costard, sei eine Einengung der Straße und ein Baumtor. Dies schlage mit knapp 20.000 Euro zu Buche.

Eine Verengung der Berensberger Straße würde demnach frühestens 2011 in Angriff genommen werden. Vorher sind die „Top Five” der gefährlichsten Ortseingänge in Aachen dran: Verlautenheidener Straße, Haarener Gracht, Raerener Straße in Lichtenbusch, Breslauer Straße und Trierer Straße in Brand.

Für Anwohner Gaspar ist das alles kein Trost. Er fragt sich weiterhin, warum das Tempo nicht stärker kontrolliert wird. Sollte es ein Personalproblem geben, hat er einen Tipp: „Setzen Sie Rentner ein.”
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