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Beratung und Schutz: Betreuung autistischer Kinder am Couven

Von: Margot Gasper
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Nach den Ferien ist sie ganz ans Couven-Gymnasium abgeordnet: Förderschullehrerin Karen Voigt. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Wenn Karen Voigt nach den Sommerferien wieder zur Schule geht, dann wird sie die Lütticher Straße ansteuern. Denn Karen Voigt, Förderschullehrerin an der Förderschule am Rödgerbach, unterrichtet im nächsten Schuljahr am Couven-Gymnasium.

Intensiv im Einsatz war Voigt dort allerdings auch bisher schon. Sie betreute fünf autistische Kinder, die an dem Gymnasium im Rahmen des Gemeinsamen Unterrichts (GU) gefördert werden. Im nächsten Schuljahr wird deren Zahl sogar auf acht steigen. Deshalb wird Karen Voigt mit all ihren Unterrichtsstunden offiziell an die Lütticher Straße abgeordnet, zunächst für ein Jahr.

„In der Förderung von Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung entwickelt sich unsere Schule zur Schwerpunktschule“, stellt Schulleiter Günther Sonnen fest. Bei einem Tag der offenen Tür hatten erstmals Eltern angefragt, ob das Couven-Gymnasium ihr Kind nicht unterrichten könnte. „Wir wollten dieses Kind nicht abweisen“, erinnert sich Sonnen. Das war vor drei Jahren. „Danach kamen immer mehr.“ Und mittlerweile, berichtet der Schulleiter, „kommen bei uns häufig Anfragen von Eltern autistischer Kinder an“.

Der Bundesverband Autismus Deutschland beschreibt die autistische Störung als tiefgreifende Entwicklungsstörung. Symptome zeigen sich im sozialen Umgang mit Mitmenschen, in der Kommunikation und in sich wiederholenden Handlungen. „Autismus ist eigentlich nur eine andere Form, in der Welt zu leben“, zitiert Karen Voigt gerne.

Schüler mit Autismus, sagt sie, haben Schwierigkeiten im Miteinander mit anderen, in der Flexibilität und im sozialen Verhalten. In der Schule spielt all das allerdings eine große Rolle. Deshalb brauchen autistische Kinder besondere Unterstützung.

Im Schulalltag, erklärt Voigt, benötigen autistische Kinder sehr unterschiedliche Hilfestellungen. Gerade jüngere Kinder haben oft Schwierigkeiten mit Unruhe, Lärm und all dem Unberechenbaren, das in einer Klasse passieren kann. „Schon eine Vertretungsstunde kann da große Ängste auslösen.“ Am Couven-Gymnasium gibt es deshalb seit einem halben Jahr einen Raum, in den sich die Kinder zurückziehen können, wenn ihnen alles zu viel wird. „Die Schüler nutzen dieses Zimmer in den Pausen oder in Krisensituationen“, berichtet Voigt. Auch Klassenarbeiten können in dieser geschützten Umgebung geschrieben werden. Denn bei Klausuren kann schon das Arbeitstempo des Tischnachbarn zu heftigen Irritationen führen.

In einigen Fächern ist Karen ­Voigt im Unterricht mit dabei. Und in besonderen Ausnahmefällen gibt sie Einzelförderung. Die Förderschullehrerin leistet am Couven-Gymnasium auch viel Beratungsarbeit im Kollegium. „Die Fachlehrer wollen beraten werden“, sagt Schulleiter Sonnen. Wenn der Klassenlehrer zum Beispiel weiß, was bei einem autistischen Kind womöglich eine Krise auslöst, kann er sich besser darauf einstellen.

Und wie geht’s weiter? „Mein Ziel ist es, hier irgendwann in einem GU-Team zu arbeiten“, sagt Karen Voigt. Für Günther Sonnen indes ist die wachsende Gruppe autistischer Schüler an seiner Schule auch ein deutlicher Hinweis, dass Gymnasien sich sehr wohl dem Thema Inklusion öffnen: „Wir sind das Beispiel, dass sich die Gymnasien der Inklusion nicht verschließen.“

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