Aachen - Bequem durch Aachen surren

Bequem durch Aachen surren

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Radfahren mit Elektroantrieb: Um die Aachener auf den Geschmack zu bringen, will die Stadt in Zusammenarbeit mit der Bahntochter DB Rent ein Verleihsystem einrichten. Die Testphase dauert ein halbes Jahr.

Aachen. Als eine der ersten Städte Deutschlands will Aachen im Juni ein Verleihsystem für elektrounterstützte Fahrräder einrichten.

Versuchsweise können die sogenannten Pedelecs (Pedal Electric Cycle) dann zunächst ein halbes Jahr lang an vier Stationen für Stadtfahrten oder Ausflüge ins Umland ausgeliehen und wieder abgegeben werden.

Gedacht ist das Pilotprojekt auch als Beitrag zum Luftreinhalteplan der Stadt.

Radeln ohne Schwitzen

Verkehrsexperten sehen Pedelecs als eines der interssantesten Fortbewegungsmittel der Zukunft in Städten an. Denn vor allem auf Kurzstrecken zeige es seine ganze Stärke: als umweltfreundliche Alternative zum Pkw, flexibler als Busse und zugleich weniger schweißtreibend und bequemer als normale Fahrräder.

Wer die vielen Steigungen in Aachen bislang gefürchtet hat, könnte durch Pedelecs doch noch zum begeisterten Zweiradfahrer werden, so die Hoffnung der Politiker, die im Mobilitätsausschuss einstimmig grünes Licht für die Testphase gaben.

Auch ohne viel Muskelkraft könnten problemlos Geschwindigkeiten von 25 km/h erreicht werden. Eine Versicherungs- oder Helmpflicht besteht nicht.

Tatsächlich zieht der Verkauf von Elektrorädern stark an, wie der städtische Verkehrsexperte Uwe Müller berichtet. Alleine im letzten Jahr seien rund 200.000 Pedelecs in Deutschland verkauft worden - 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Insbesondere ältere Menschen wissen die Vorzüge zunehmend zu schätzen. Interessant aber sei das motorgestützte Stadtradeln jedoch auch für Studenten, meinen Politik und Verwaltung, die folglich zwei Verleihstationen im Hochschulgebiet einrichten wollen: eine am Super C, eine weitere auf dem Campus Melaten. In elf Minuten könnte die Strecke trotz Steigungen locker bewältigt werden, haben die Planer errechnet.

Die beiden anderen Stationen sind am Hauptbahnhof und am Elisenbrunnen geplant - gut nutzbar also für Bahnreisende, Touristen und alle, die in der Innenstadt zu tun haben und mobil sein wollen.

Die Hoffnung der Verwaltung, stadtweit sechs Stationen mit insgesamt 100 Pedelecs einzurichten, hat sich unterdessen erledigt. Weil Förderfristen ablaufen, sieht sich die Bahntochter DB Rent als Partner der Stadt und Betreiber des Verleihsystems nur noch zur Einrichtung einer abgespeckten Variante in der Lage.

Vier Stationen sollen nunmehr ab Juni mit jeweils fünf Pedelecs bestückt werden. Auch Einwegfahrten von Station zu Station sind möglich. Abschließen und Akkuladen sind eins.

Die Kosten für die Nutzer sind noch nicht abschließend geklärt - für eine in zehn Minuten zurückgelegte Strecke dürfte nach jetzigem Stand rund ein Euro fällig sein.

Etwa 4000 Euro wird die Stadt im ersten Schritt für die Einrichtung der Stationen aufbringen müssen. Ob das Verleihsystem den Schritt von der Pilotphase zum Dauerbetrieb schafft, hängt vom Interesse der Nutzer ab.

Die schwarz-grüne Ratsmehrheit gibt sich derweil zurückhaltend und unterstützt das Projekt nur mit angezogener Handbremse. Die jährlichen Folgekosten lägen bei 1200 Euro pro Pedelec, heißt es, was mit Diebstahl, Wartungs und Reparaturkosten sowie einem hohen Organisationsaufwand erklärt wird. Echte Erfahrungswerte gibt es freilich noch nicht.

Die Kosten seien zu hoch, um von der Stadt getragen zu werden, winkt bereits CDU-Verkehrsexpertin Gaby Breuer ab. Derweil meint SPD-Vertreter Michael Servos, wer die Elektromobilität ernsthaft fördern wolle, müsse auch Geld bereitstellen. „Die Perspektiven sind wichtiger als die Kosten.”

Auch FDP-Vertreter Peter Blum hält die Pedelecs für zukunftsträchtig, schweigsam blieben überraschend einzig die Grünen.

Neben Aachen sind Berlin, Frankfurt und Stuttgart als Modellregionen für ein Pedelec-Verleihsystem ausgewählt worden. Ob es in Aachen eine Zukunft hat, wollen die Politiker nach Ablauf der Probephase entscheiden.
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