Aachen/Übach-Palenberg - Benno Werth: Künstler mit großer Schaffenskraft

Benno Werth: Künstler mit großer Schaffenskraft

Von: Markus Bienwald
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In seiner unvergleichlich vielfältigen Kunst ist Professor Benno Werth Zuhause. Der in Aachen lebende Künstler empfängt nun den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Übach-Palenberg. Foto: Markus Bienwald

Aachen/Übach-Palenberg. Seine Schaffenskraft hat ihn zu einem der ganz großen Künstler unserer Region gemacht: Benno Werth. Und zu Recht darf er am Sonntag, 8. September, im Schloss Zweibrüggen den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Übach-Palenberg in Empfang nehmen.

Sich dem Künstler zu nähern, ist in jeder Hinsicht ein aufwändiges Unterfangen. Stichwort Familie: Acht Kinder aus drei Ehen, ein angenommenes Kind und elf Enkelkinder sind seine große Freude. Stichwort Beruf: Seit 1950 ist er als Bildhauer und Maler für private wie öffentliche Aufträge aktiv. Zehn Jahre später beginnt seine Tätigkeit als Professor für Bildende Kunst und Didaktik, zwei Jahre danach erfindet er sein bahnbrechendes Negativ-Form- und Gussverfahren, das seine einzigartigen Werke aus einem Guss ohne Schweißnaht ermöglicht. Stichwort Ausstellungen: Über 140 Ausstellungen, davon 65 Einzelausstellungen in ganz Europa und den USA sind notiert, im nach ihm benannten Saal des Stadtmuseums seiner Geburtsstadt Riesa gibt es seit dem 11. September 2009 eine Dauerausstellung.

Sanftes, mildes Lächeln

Doch der Kontakt in seinem Haus in der Voreifel ist ganz simpel. Er lächelt sein sanftes, mildes Lächeln, lässt einen festen Händedruck spüren. Doch etwas ist anders bei dem 1929 geborenen Multitalent der Kunst. Denn Schlaganfall und die fortschreitende Demenz haben tiefe Spuren im Umgang mit dem Mann, der sich durch seine Krankheit seine Kunst nicht zerstören lässt, verändert. „Ich will auf jeden Fall noch eine Welle durchlassen, dann bin ich freier“, umschrieb er in einem Interview mit unserer Zeitung im Mai 2012 seinen künstlerischen Antrieb, trotz der Krankheit weiter zu machen.

Und wenn auch die Worte fehlen sollten, die sein unermüdliches Schaffen immer auch begleitet haben, so öffnet sich mit dem Blick in das lichtdurchflutete Atelier in seinem Privathaus doch ein Meer von Kunst. Nicht erdrückend, sondern einzeln faszinierend, immer wieder mit Eyecatchern spielend, und doch als Ganzes im konzentrierten Ambiente des an sich schlicht grau-weiß gehaltenen Ateliers beinahe zu viel. Aber eben nur beinahe zu viel, auch das zeichnet das Lebenswerk eines Künstlers aus, der nicht nur viele tausend Studenten inspiriert hat. Es ist nicht die Menge, die fasziniert, sondern die Qualität, die jedes Stück auszeichnet.

Auch sein wohl erstes Werk, eine handschmeichelnde Fohlenskulptur, die er als 17-Jähriger bei seinen Arbeiten in einer Gießerei aus Bronze geschaffen hat, zeugt von einzigartigem Tun. Professorin Gisela Engeln-Müllges, die als seine Lebensgefährtin seit fast 20 Jahren nicht von seiner Seite weicht, ist total gefangen von der Faszination dieses Mannes. „Er war immer kreativ, er hat nie nach irgendwelchen Vorlagen gearbeitet, er hat immer alles improvisiert“, weiß sie. Und sie kennt ganz genau, wie Benno Werth gearbeitet hat, denn sein gesundheitlicher Zustand, der es ihm nicht erlaubt, sich ohne Gehhilfen fortzubewegen, lässt es derzeit nicht zu, dass er alleine arbeitet.

So hilft sie ihm, teilt mit ihm die in seinen nur wenigen Worten ausgedrückte Hoffnung auf ein Licht am Ende der Demenz und schafft es beinahe spielend, wieder Werke auszuwählen, die bei der Preisverleihung in Übach-Palenberg zu sehen sein werden. Ein Kaleidoskop eines so vielseitigen Künstlers zu schaffen, ist dabei unfassbar schwierig. Schließlich hat der Multikünstler in seinem Leben viel gearbeitet, um das zu sein, was er ist. „Er hat zum Beispiel so lange schreinern gelernt, bis er einen Schrank bauen konnte“, berichtet seine Lebenspartnerin.

Genau so machte er es auch mit Gießerei, dem Steinmetzen, und auch als Gold- und Silberschmied eignete sich der studierte Bildhauer und Maler so viel handwerkliches Können an, dass er selbst alles schaffen und auch weiterentwickeln kann. Wer ihn jetzt trifft, der erkennt schnell, dass die unermüdliche Energie und Schaffenskraft noch längst nicht aufgebraucht sind. Wohl aber scheint derzeit eine Phase im Leben des Benno Werth erreicht, in der er immer wieder auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist.

Doch auch das scheint nicht schlimm zu sein, er greift wie selbstverständlich die Hand seines Gegenübers, wenn er Unterstützung braucht, hält die Hand noch lange fest, auch wenn er schon wieder Platz genommen hat.

Es ist eine warme Hand, die von vielen bewegten Jahrzehnten erzählt und ein kleines Band der Verbundenheit schafft, auch wenn man ihm nur kurz Hilfe schenkt. Und auch das lässt den kommenden Kunst- und Kulturpreisträger so einzigartig erscheinen, wie er immer war.

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