Beim Wohnen zählt mehr als die Quadratmeterzahl

Von: Carolin Kruff
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Lebhafte Debatte vor mehr als 300 Gästen: Chancen und Risiken des Immobilienmarktes bewerteten in der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Aachen am Friedrich-Wilhelm-Platz (v.l.) Fachjournalist Christian Hunziker, S-Immo-Geschäftsführer Franz Jansen, Manfred Zitzen (Bauland Würselen GmbH), Bauunternehmer Georg Quadflieg, IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting und FH-Dekan Professor Horst Fischer im Gespräch mit Moderator und AZ-Redakteur Robert Esser. Foto: Stephan Rauh

Aachen. Eigenheim statt Luftschlösschen – selten boten sich so gute, günstige und zahlreiche Möglichkeiten, in Immobilien zu investieren wie heute – ganz gleich, ob direkt als Mehrfamilienhaus, Eigenheim oder gewerblich genutzte Immobilie. Oder indirekt in Form von Aktien, offenen bzw. geschlossenen Immobilienfonds oder Anleihen.

Die Begeisterung auf dem deutschen Immobilienmarkt ist ungebremst. Diesen regelrechten Boom nahm die Sparkasse Aachen nun zum Anlass, unter dem Titel „Die Immobilie als Kapitalanlage – Chancen und Risiken“ in der Zentrale am Friedrich-Wilhelm-Platz hinter die Kulissen zu blicken.

Droht eine Immobilienblase?

Lohnt der Immobilienkauf tatsächlich? Droht Deutschland eine Immobilienblase? Und was ist sinnvoller: Neubau oder die Sanierung von Bestandsgebäuden? Viele Antworten gaben ausgewiesene Experten in einer Podiumsdiskussion – moderiert von AZ-Redakteur Robert Esser.

Mit dabei waren Professor Horst Fischer, Dekan der FH Aachen, IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting, Wirtschaftsjournalist Christian Hunziker, Georg Quadflieg, Ehrenobermeister der Bau-Innung, Manfred Zitzen, Geschäftsführer der SEW Würselen, und Franz Jansen, Geschäftsführer der Sparkassen Immobilien GmbH (S-Immo).

Der Fokus der Diskussion lag auf Trends und Fakten auf dem Immobilienmarkt in der Städteregion. Das passende Fundament vor über 300 Gästen legte jedoch der renommierte Wirtschaftsjournalist Christian Hunziker mit einem Impulsvortrag. Sparkassen-Vorstand Norbert Laufs stellte ihn vor.

In seinem Vortrag erklärte Hunziker äußerst anschaulich die derzeitige Lage des deutschen Immobilienmarktes – mit dem Fazit: Es gibt keine „Rundum-sorglos-Immobilie“. Sein Tipp an die Zuhörer: „Laufen Sie nicht kopflos dem Mainstream hinterher, bilden Sie sich Ihr eigenes kritisches Urteil!“

Können bundesweite Trends auch in der Städteregion beobachtet werden? Wie in jeder Stadt gibt es auch hier positive und negative Entwicklungen. Viel hängt vom Standort ab, aber auch vom Preis. Die Aachener Innenstadt ist als Wohnort nach wie vor beliebt, jedoch steigen in einigen Bereichen die Mieten und Kaufpreise stark an.

Davon haben Außenbezirke wie Kohlscheid, Brand oder Kornelimünster profitiert. Aber auch Würselen, wie das Beispiel des Neubaugebietes „Kapellenfeldchen“ zeigt. Auch in der Innenstadt ist viel in Bewegung: Projekte wie das „Kronprinzenquartier“, das nicht nur neuen Wohnraum schafft, sondern auch zur Quartiersentwicklung beiträgt, sind in aller Munde.

„Wir müssen weiterhin nach neuen Möglichkeiten suchen, um dem Trend zum urbanen Wohnen gerecht zu werden, der gerade bei jungen Menschen verbreitet ist“, forderte S-Immo-Geschäftsführer Jansen.

Ein zukunftsweisendes Projekt, das diesem Anspruch gerecht zu werden scheint, entsteht just am Veltmanplatz. „Modulares Wohnen“ heißt das Zauberwort – denn hier wird jede Lebensphase mitgedacht: vom Studenten bis zum Rentner.

Dementsprechend sollen dort die einzelnen Apartments problemlos umgebaut werden können, eben als Studentenbude, Familienapartment oder seniorengerechter Alterswohnsitz. „Wer heute Immobilien baut, muss sich Möglichkeiten für die Zukunft offenhalten“, erklärte Norbert Hermanns, Vorstandsvorsitzender der Landmarken AG, der sich unter den Gästen befand.

Handlungsbedarf besteht jedoch in Stolberg und den Eifelorten Monschau, Roetgen und Simmerath. Aber auch Bereiche in der Aachener Innenstadt, wie Bushof oder Büchel, müssen sich wandeln, wobei auch Wohnprojekte im Gespräch sind.

Rötting forderte, das Profil des Standorts Aachen weiter auszubauen und für den Immobilienmarkt sichtbar zu machen, denn: „Ein Interesse für die Kaiserstadt ist durchaus vorhanden“. Stichwort: Hochschulstandort. Hier liegt seiner Meinung nach das größte Potenzial der Stadt. 2014 beherbergt Aachen mehr als 50.000 Studenten, hinzu kommen Wissenschaftler und Mitarbeiter hochschulnaher Unternehmen.

Chance auf Campus verschenkt

Bezahlbares und attraktives Wohnen bleibt daher auch für die Zukunft eine der großen Herausforderungen in der Region. Und der Campus Melaten ist das Sinnbild für die Symbiose aus Forschung, Wissenschaft und Studentenleben. Dennoch kritisierte Fischer: „Ich finde es höchst bedauerlich, dass der Campus Melaten so monofunktional geplant wurde. Das Thema ‚Wohnen’ wurde hier vollkommen außen vor gelassen, was dafür sorgt, dass dieser Bereich Aachens nicht besonders belebt wird.“

Einig waren sich alle Experten, dass die soziale Komponente beim Thema „Wohnen“ immer wichtiger wird. Wer allein die Rendite vor Augen hat, wird es schwer haben. Der Immobilienmarkt soll den Menschen mehr in den Blick nehmen – dazu gehören akzeptable Mieten, ein Gespür dafür, was Mieter wollen, Barrierefreiheit, Aspekte der Stadtentwicklung und Infrastruktur sowie nachhaltiges Wohnen auch unter energetischen Gesichtspunkten. Denn: Wohnen macht heute mehr aus als die reine Quadratmeterzahl.

Dies scheint auch bei vielen Immobilienmaklern angekommen zu sein, wenn Jansen auf die Frage, was heute einen guten Immobilienmakler ausmacht, antwortete: „Er muss die Größe haben, einem Interessenten von dem Kauf einer Immobilie abzuraten, wenn er das Gefühl hat, dass dieser nicht glücklich damit wird.“

Das Fazit aller Diskussionspartner lautete: Ja, der Immobilienkauf lohnt sich, aber auch hier gilt es, das „Kleingedruckte“ zu lesen.

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