Beim Debattieren kommt es auf die Methode an

Von: Katrin Otrzonsek
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EU-Projekt: Bei der Debattierrunde im RWTH-Hauptgebäude versuchen vier Teams, je zwei in „Regierung“ und „Opposition“, die Gegner mit Argumenten und geschickter Rhetorik zu überzeugen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der Euro als gemeinsame europäische Währung sorgt nach wie vor für Diskussionen. Die einen sagen, die Einführung sei eine grandiose Idee gewesen, andere machen ihn für die Wirtschaftskrise verantwortlich.

Beim Finale des Debattierturniers „Zeit- Debatte Aachen“ mussten acht Studenten in einem Rede-Wettstreit gegeneinander antreten. Vier Teams, je zwei in „Regierung“ und „Opposition“, versuchten, die Gegner mit Argumenten und geschickter Rhetorik zu überzeugen. Welches Thema – in diesem Fall die Einführung des Euro – und welche Position sie vertreten mussten, erfuhren sie erst eine Viertelstunde vor Beginn.

Seit über zehn Jahren werden jährlich vier große derartige Debattierturniere ausgetragen. Zum ersten Mal wurde die Veranstaltung nun vom Debattierclub der RWTH im Hauptgebäude organisiert.

Der Club wurde 2008 vom Politikwissenschaftler Florian Krämer ins Leben gerufen: „Ich bin beeindruckt, dass meine Nachfolger diese Veranstaltung auf die Beine gestellt haben – das ist vor allem Marc-Andre Schulz zu verdanken“.

Der Physik-Student Schulz ist der heutige Präsident des Debattierclubs Aachen und Ausrichter der Veranstaltung. Wo sich unter der Leitung Krämers früher nur Geisteswissenschaftler tummelten, debattieren heute Ingenieure und Naturwissenschaftler – „nur vereinzelt sind noch Geisteswissenschaftler bei Debatten dabei“, sagt die Chemie-Studentin und Mitorganisatorin Vera Bartsch: „In der Naturwissenschaft werden Dinge immer berechnet – für mich ist eine Debatte ein Ausgleich, der sehr gut tut.“

Präsident Schulz zieht dagegen eine Parallele von der Debatte zur Naturwissenschaft: „Es ist ein bisschen wie in der Physik: Die Themen sind austauschbar – es kommt nur auf die Methode an.“

Und genau die wurde bewertet – und zwar von einer Ehrenjury, bestehend aus der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Oberbürgermeister Marcel Philipp, Prof. Dr. Diplom-Ingenieur für Lehr-Lernforschung Martin Baumann, Debattierclub-Gründer Krämer und dem Präsidenten des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) Philipp Stiel.

„Wir schauen uns an, wer das Publikum am meisten mitreißt, den besten Vortrag hält und gute Argumente liefert“, erklärt die Bundestagsabgeordnete Schmidt. Die ehemalige Lehramtsstudentin legt viel Wert auf die Kultur der Diskussion: „In einer Welt, in der es darauf ankommt, mit Argumenten zu überzeugen, würde ich mir wünschen, dass in unseren Schulen nicht nur Referate gehalten, sondern auch Debatten geführt werden.“

Dass Debatten pädagogisch sinnvoll sind, findet auch Ehrenjurymitglied Stiel, der 2010 die Deutsche Debattiermeisterschaft gewonnen hat. „Es macht selbstsicherer, wenn man das Debattieren erlernt“, sagt der 27-Jährige, „weil man nicht jedes Mal von vorne anfangen muss, um die richtigen Worte zu finden“. Marcel Philipp kann dem nur zustimmen: „Ich habe mich früher Situationen ausgesetzt, wo man debattieren musste“, verrät Philipp in seiner Ansprache.

„Das bringt unglaublich viel in Gesprächen und bei Veranstaltungen. Vernünftig debattieren zu können, bringt uns aber auch inhaltlich weiter, um Argumente auszutauschen und neue Ideen einzubringen.“

Neben der Ehrenjury begutachtete eine weitere fünfköpfige Jury die Debatte und bewertete Inhalt (Argumente), Methode (Materialanordnung) und Form (Rhetorik) der Teilnehmer. Am Ende kürte die Ehrenjury den enthusiastischen Hauke Blume zum besten Redner, als bestes Team wurde „Mainz Anton“ausgezeichnet.

Das Aachener Turnier ist Teil des EU-Projekts „Debatte Changing Europe“ (DCE), in dem Debattierturniere und öffentliche Debatten in sechs verschiedenen EU-Staaten ausgeführt werden. Die Sieger der Zeit-Debatte werden zu der Finalveranstaltung in Maastricht und Brüssel eingeladen, wo sie gegen Sieger anderer DCE-Turniere antreten werden.

Schirmherr der gestrigen Finalveranstaltung im Hauptgebäude der RWTH war Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments. Er hatte eine Videobotschaft aufgenommen, die dem Publikum auf einer Leinwand vorgespielt wurde. Darin betonte er die Wichtigkeit von engagierten Bürgern in der europäischen Union – zur Einführung des Euro sagte er nichts.

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