Bei Hochwasser sind die Nächte kurz

Von: Holger Richter, Christopher Gerards und Werner Breuer
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Die Häuser am Korneliusmarkt sind stets am stärksten betroffen. Wenn der Pegel der Inde steigt, dann laufen dort die Keller voll (links). Die kritische Marke liegt bei 1,70 Meter, am Freitagmittag stand der Pegel auf 1,40 Meter (rechts), Tendenz fallend. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Für viele Menschen in Kornelimünster war die Nacht zu Freitag eine kurze. Aufgrund des Tauwetters und des starken Regenfalls stieg der Pegel der durch Kornelimünster fließenden Inde und setzte mehrere Keller im Ortskern unter Wasser.

Auch die Anwohnerin Anneliese Läufer war betroffen. Bis 5.30 Uhr war sie auf den Beinen und musste zusehen, wie das Wasser langsam in ihren Keller lief: „Ich hatte Panik. Jetzt bin ich wirklich platt”, sagt sie, als sie nach kurzem Schlaf am Freitagmittag wieder unterwegs ist. Bis zu 15 Zentimeter hoch stand das Wasser in der Nacht in ihrem Keller. Am Mittag ist es bereits wieder auf ein erträgliches Maß gesunken, aber durchs Mauerwerk von einem Nachbarhaus sickert immer noch etwas nach.

Rekord-Flut vor drei Jahren

Dabei war sie gut vorbereitet. Schließlich lebt sie schon seit 27 Jahren am Korneliusmarkt und kennt sich mit Hochwassern aus. An die Rekord-Flut vor drei Jahren kann sie sich noch lebhaft erinnern, als die Inde sogar den Kroneliusmarkt unter Wasser setzte. „Seitdem habe ich hier noch ein paar Sandsäcke liegen”, sagt Anneliese Läufer, die diese Säcke immer noch in ihrem Keller einsetzt.

Doch trotz guter Vorbereitung bleibt neben den Wasserresten auch etwas Verärgerung bei ihr zurück: „Seit 2007 wurde hier nichts mehr gemacht.” Früher sei das Bachbett auch schon mal gereinigt worden, aber inzwischen „liegen Bäume im Bach”, ärgert sie sich.

Derweil ist der Pegelstand von 1,65 Metern in der Nacht auf 1,30 Meter am Freitagnachmittag gesunken. Die Feuerwehr ist trotzdem noch aktiv. „Wir sind seit 23 Uhr am Donnerstag im Einsatz. Im Moment sind wir mit fünf Mann hier, in der Nacht waren es bis zu 15”, sagt Wolfgang Pickartz, Einsatzleiter und Löschzugführer der Feuerwehr Kornelimünster. Im übrigen Stadtgebiet waren es zur gleichen Zeit wesentlich mehr. So waren am Donnerstagabend 160 Einsatzkräfte von der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr in Haaren damit beschäftigt, überflutete Keller leerzupumpen.

Überflutungen gab es auch in Richterich. Zudem waren im Aachener Süden die Schleckheimer Straße und die Klauser Straße in der Nacht ebenfalls überflutet. Zischen Brand und Krauthausen hat sich die Inde in einen reißenden Fluss verwandelt.

In Kornelimünster waren die Wehrleute im Wesentlichen damit beschäftigt, Sandsackbarrieren aufzubauen und Keller auszupumpen. „Aktuell gibt es etwa zwei bis drei Keller in denen Wasser durch das Mauerwerk läuft. Nachts war in etwa die gleiche Anzahl betroffen. Wir wollen den Stand halten”, erläutert der Einsatzleiter.

Das gelingt den Wehrleuten offenbar ganz gut, denn auf dem Wochenmarkt ist vom Hochwasser nichts zu sehen. Wie jeden Freitag bieten hier einige Händler Gemüse, Fleisch und Käse an. „Wir sind seit 7 Uhr hier. Wir haben überhaupt nichts mitbekommen”, bemerkt Frederic Jansen, Verkäufer am Käsestand. 2007 war das noch anders gewesen, damals sei der Markt tatsächlich ausgefallen. Auch seine Kunden stören sich eher am Glatteis als am Wasser: „Die Leute sagen nur, dass hier gestreut werden sollte”, sagt Jansen lachend. Der Regen sei jedenfalls kein Thema gewesen.

„Acht Liter pro Quadratmeter”

Auf der Aachener Wetterwarte war der Regen durchaus ein Thema: „Acht Liter pro Quadratmeter - das ist ja nicht so furchtbar viel”, hat Michael Eichner gemessen. Für den Wetterbeobachter vom Wingertsberg ist diese Niederschlagsmenge nicht unbedingt rekordverdächtig. Aber sie allein erklärt ja auch nicht, warum so viel Wasser in Flüssen und Bächen ist. Sie werden zu einem nicht geringen Teil gespeist aus den Schneemassen der vergangenen Wochen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hielt sich die weiße - oder nicht mehr ganz so weiße - Pracht bis zum Wochenanfang noch. Doch am Freitag Eichner auf dem Wingertsberg schon zehn Grad plus. Und die Schneedecke, am Vortag noch rund zwölf Zentimeter dick, war da schon bis auf einige Flecken größtenteils weggeschmolzen.

Und genau davor fürchtet sich Anneliese Jansen. „Selbst wenn es hier trocken ist, aber in der Eifel regnet oder taut, dann läuft das alles zu uns runter”, sagt sie und stellt sich auf eine weitere kurze Nacht ein.

Stadt sammelt die Wasserschäden aus Haaren

Die Stadt Aachen, die Stawag und der Wasserverband Eifel-Rur bitten die Bürger im Bereich des Neubaugebietes zwischen Germanusstraße und Wurm in Haaren, ihre Wasserschäden in einer Kurzbeschreibung an die Stadt Aachen zu melden, nachdem dort am Donnerstagabend zahlreiche Keller vollgelaufen waren.

Eine zentrale Anlaufstelle wurde bei der städtischen Bauverwaltung eingerichtet, um Schadensmeldungen entgegenzunehmen und um die Geschädigten über die Ergebnisse der Untersuchungen über die Ursache zu informieren.

Die Bauverwaltung weist darauf hin, dass eine Schadensbearbeitung mit Abgabe der Meldung nicht verbunden ist. Diese sollten die Hauseigentümer über ihre Versicherung veranlassen.

Schadensmeldungen sind zu richten an: Stadt Aachen, Bauverwaltung, Herrn Salden, Verwaltungsgebäude am Marschiertor, Lagerhausstraße 20, 52064 Aachen, 0241/4326017, Fax 0241/4326099, E-Mail: sven.salden@mail.aachen.de

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