Aachen - Bei dieser Eiseskälte kann jede Nacht tödlich sein

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Bei dieser Eiseskälte kann jede Nacht tödlich sein

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. In einem Verschlag aus Holzresten, Dachpappe, und Plastikteilen findet Günter Schutz vor der Kälte. Er hat eine Isomatte ausgerollt und darauf einen Berg klammer Decken aufgetürmt, die ihn warmhalten sollen. Versteckt in einem Grünzug an der Wurm trotzt Günter dem Winter. Harte Zeiten für Leute wie ihn.

Er gehört zu den etwa 20 bis 40 Menschen in Aachen, die auch jetzt noch draußen leben. Wieviele es genau sind, wissen auch die Streetworker von Caritas und Wabe nicht. Dabei sind sie gerade jetzt viel unterwegs, um Hilfe anzubieten. Denn bei der gegenwärtigen Kälte kann für Obdachlose jede Nacht tödlich sein. Es spricht für die Arbeit der Aachener Hilfseinrichtungen, dass - so lange man zurückdenken kann - hier noch nie jemand erfroren ist. „Die Sozialszene passt ganz gut auf, dass nichts passiert”, sagt Alois Poquett, Geschäftsführer der Wabe.

350 Menschen in Aachen sind als wohnungslos registriert

Insgesamt 350 Wohnungslose sind in Aachen derzeit registriert - elf mehr als vor einem Jahr. Der gemeinnützige Verein Wabe, die Caritas und die Stadt halten für sie mehrere Hilfseinrichtungen bereit. Ihre Wärmestuben, Aufenthaltsräume und Notunterkünfte sind gerade jetzt stark gefragt. „Die Lage ist angespannt”, sagt die städtische Pressesprecherin Evelyn Wölk, „aber wir müssen niemanden abweisen.”

Das bestätigt auch Simone Holzapfel, Leiterin des Café Plattform in der Hermannstraße. In diesen Tagen sind die 20 Betten, die dort ständig bereitstehen, immer belegt. Meist müssen noch ein paar Schlafstätten mehr aufgebaut werden. Bis zu 30 Menschen könnten beherbergt werden, sagt Holzapfel, „aber dann wird es echt eng”.

Schwer erträgliche Nähe

Nicht jedem liegt das. „Einige können die Nähe zu anderen nicht gut ertragen”, sagt Simone Holzapfel. Manch einer ist in seiner Psyche so eingeschränkt, dass ihm soziale Kontakte nicht mehr möglich sind. Andere haben Angst vor Diebstahl.

Wieder andere dürfen ihren Hund nicht mit reinbringen. Alles Gründe, warum Obdachlose wie Günter selbst im Winter lieber draußen kampieren und sich hin und wieder in Eingangshallen oder Häuserfluren aufwärmen.

Dabei könnte er jederzeit spontan im Café Plattform unterkommen - auch nachts. Warme Duschen stehen dort bereit, morgens gibt es einen heißen Kaffee. Vom Frühstück bis zum Spielenachmittag halten Wabe und Caritas in acht Einrichtungen ein breites Angebot für Wohnungslose bereit. Sogar eine Postadresse können sie in der Wärmestube am Gasborn einrichten.

Es sei Konsens unter allen Parteien, „dieses System zu halten und zu finanzieren”, lobt Alois Poquett. Andere Städte seien da deutlich abweisender. Und doch sind auch Wabe und Café Plattform auf Spenden angewiesen. Wer Obdachlosen wirklich helfen wolle, sollte daher lieber die Einrichtungen unterstützen, als einzelnen Bettelnden hier und da mal einen Euro zuzustecken.

„Bei uns hilft man längerfristig und nicht nur für einen kurzen Moment”, sagt Simone Holzapfel. Wer dem Betteln nachgibt, halte ein Abhängigkeitsverhältnis aufrecht, gibt sie zu bedenken. Besser sei es, den Kreislauf zu durchbrechen und den Menschen auf der Straße Perspektiven aufzuzeigen. So suche man in den Hilfseinrichtungen den Kontakt, mache Gesprächsangebote, zeige andere Wege auf. „Die Menschen sollen sich mit ihrer Situation beschäftigen. Sie sollen wissen, dass sie sich entscheiden und etwas ändern können”, sagt Holzapfel.

Für Hinweise dankbar

Gerade in den jetzigen eiskalten Nächten seien Menschen ohne Wohnung besonders gefährdet. Wenn sie dann noch getrunken haben, spüren sie die Kälte nicht. Ihnen droht ein schneller Erfrierungstod. „Das soll nicht passieren”, sagt Simone Holzapfel. Sie gehe daher auch Hinweisen (Tel. 0241/21619) nach, wenn jemand schlafend draußen gesehen wird. „Wir sprechen die Leute an und bieten Hilfe an.” Denn immer wieder komme es vor, dass Obdachlose von den warmen Quartieren in der Stadt gar nichts wissen.

Ohne Spenden geht es nicht

Um das Angebot für Obdachlose aufrechthalten und die laufenden Kosten für Strom, Wasser und Lebensmittel bezahlen zu können, sind die Einrichtungen auf Spenden angewiesen.

Spenden bitte an: Wabe e.V., Konto-Nr. 1317700, Sparkasse Aachen BLZ 390 500 00.

Café Plattform, Konto-Nr. 2007177, Sparkasse Aachen BLZ 390 500 00.

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