Bei der Stadionfinanzierung ist der OB zuversichtlich

Von: Holger Richter
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Sieht schön aus, ist aber teu
Sieht schön aus, ist aber teuer - zu teuer: Die Belastungen durch den neuen Tivoli nehmen der Alemannia derzeit die Luft zum Atmen. Am Mittwoch entscheiden die Aachener Ratsvertreter über eine Beteiligung der Stadt an der Stadionfinanzierung. Foto: Imago/Mika

Aachen. Wenn die Alemannia Samstagmittag auf dem Tivoli gegen den SC Paderborn um Zweitliga-Punkte kämpft, dann kämpfen wahrscheinlich auch die Mitglieder der Aachener Stadtrates.

Sie ringen mit der Alemannia, genauer mit der Vorlage des städtischen Finanzdezernates zum Finanzierungskonzept für den klammen Zweitligaverein, der den Ratsfraktionen am Freitag zugesandt worden ist und auch den „Nachrichten” vorliegt.

Denn als leichte Wochenendlektüre gehen die vierseitige Beschlussvorlage für die Sondersitzung des Rates am kommenden Mittwoch und die 27 Seiten füllenden Erläuterungen wahrlich nicht durch.

Im Kern geht es um die für die Alemannia überlebenswichtige Frage, ob sich die Stadt Aachen an der Umstrukturierung der Stadionfinanzierung beteiligen soll, oder nicht. Als Antwort gibt es in der Vorlage drei Alternativvorschläge.

Drei Alternativen

Alternative 1: Die Stadt beteiligt sich wegen der „immanenten Risiken der Finanzierungsbeteiligung und die damit verbundene erhebliche Risikoausweitung - ohne entsprechende Absicherung” und der „damit verbundenen möglichen, langfristigen negativen Auswirkungen auf den Haushalt der Stadt Aachen” nicht.

Alternative 2: Die Stadt beteiligt sich an der Umstrukturierung, und zwar trotz der oben beschriebenen Risiken. Begründet wird dies vor allem mit der „überregionalen, negativen Imagewirkung einer Insolvenz” und „der sozialen Bedeutung eines, wenn auch als Wirtschaftsunternehmen betriebenen, Fußballvereins für die Stadt und deren Umfeld”.

Alternative 3 ist für den Fall vorgesehen, dass den Ratsmitgliedern nach einer Diskussion noch etwas Anderes einfällt.

Die Erläuterungen dazu beginnen mit einem Rückblick auf die Bürgschaftsgewährung im April 2010, sie stellen dem Klub im damals vereinbarten Sanierungskonzept kein gutes Zeugnis aus. Weder sei ein Nachwuchsleistungszentrum errichtet, noch eine Minderung der finanziellen Belastung durch den Stadionbau erreicht worden.

Wörtlich heißt es: „Fakt war und ist, dass die durchschnittliche Leistungsfähigkeit eines unterdurchschnittlichen Zweitligisten mit dem Neubau des Stadions eingegangenen Finanzierungsverpflichtungen nicht tragen kann.”

Im Folgenden wird der Finanzierungsumfang für das Stadion mit rund 45,7 Millionen Euro errechnet, an denen sich die Stadt durch eine zu gründende Gesellschaft beteiligen könnte. Die würde ein Gesellschaftsdarlehen im Umfang von 18,85 bis 20,85 Millionen Euro (je nachdem, ob die Alemannia für die Fan-Anleihe einen Investor findet, oder nicht) an die Stadion GmbH der Alemannia weitergeben.

Dabei geht die Verwaltung von einer Kapitaldienstfähigkeit des Klubs von zwei Millionen Euro in der zweiten Liga und einer Millionen Euro in der dritten Liga aus. Doch hier betonen die Verfasser - wie an vielen anderen Stellen auch - die Unwägbarkeiten des sportlichen Betriebs. „Weder ein Wirtschaftsprüfer noch die Verwaltung kann und wird die Gewähr für ein bestimmtes Ergebnis und finanziellen Folgen übernehmen”, heißt es in der Erläuterung, die in der abschließenden Bewertung die Alemannia als einen Zweitligaverein bezeichnet, „der offensichtlich nicht einmal zwingend im oberen Mittelfeld zu positionieren ist”.

Entsprechend vorsichtig ist die Vorlage formuliert, sie betont stets die Risiken, die eine Beteiligung für den städtischen Haushalt darstellen könnte. Immerhin bestätigt das Finanzdezernat abschließend „die rechnerische Stimmigkeit” und „die grundsätzliche Umsetzbarkeit des Modells”, das eine Chance biete, „zu einer nachhaltigen Lösung zu gelangen”.

Hausaufgaben von Walsken

Oberbürgermeister Marcel Phi­lipp betont zwar die Vorläufigkeit der Vorlage. Abzuwarten seien noch Verhandlungen mit der Bezirksregierung, die etwa die Gründung der Beteiligungsgesellschaft genehmigen muss.

„Telefonisch haben wir uns zwar schon verständigt”, sagt Philipp, aber er rechnet damit, dass Regierungspräsidentin Gisela Walsken der Stadt noch Hausaufgaben mit auf den Weg geben werde. Zudem müsse auch unter den Kreditgebern „noch über die Umsetzung dessen, was verhandelt worden ist” geredet werden, sagt der OB und denkt dabei etwa an die Absicherung aller Gläubiger zu gleichen Teilen.

Grundsätzlich ist er aber zuversichtlich: „Eine Prognose für das Spiel gegen Paderborn ist schwieriger abzugeben als für die Entscheidung im Rat”, sagt er, denn: „Ich glaube schon, dass wir die meisten bereits Hürden genommen haben.”
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