Aachen - Bei ältester Gewerkschaft gilt das Wort der Senioren viel

Bei ältester Gewerkschaft gilt das Wort der Senioren viel

Von: mas
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Die Senioren wurden 20: Im DGB-Haus feierte die Gewerkschaft NGG das runde Jubiläum ihres Seniorenvorstands, zu Gast war Bürgermeisterin Astrid Ströbele (2. v. l.) Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Das politische Denken hört nicht auf, wenn man in Rente geht”, sagte Thomas Gauger, Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), als dessen Seniorenvorstand jetzt sein 20-jähriges Bestehen feierte.

Immerhin zehn Prozent der NGG-Mitglieder sind im Rentenalter. Vertreten werden sie von einem elfköpfigen Seniorenvorstand, der mit seinen Gästen im DGB-Gebäude zusammenkam, um den Jahrestag seiner Gründung zu begehen.

„Die Senioren sind das kollektive Gedächtnis der Gewerkschaft”, betonte Gauger und forderte gerade die Jüngeren auf, das Gespräch mit dem Seniorenvorstand zu suchen, denn der könne Auskunft darüber geben, wie die bisherigen Errungenschaften zustande kamen. Jahressonderzuwendungen, bezahlter Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall seien heute für viele eine Selbstverständlichkeit, doch gerade die alten Gewerkschafter wüssten, dass das nicht immer so war.

„Gewerkschaften sind so wichtig wie eh und je”, betonte Bürgermeisterin Astrid Ströbele. Sie hatte ein wenig in der Geschichte gestöbert und kam zu dem Schluss: „Die NGG ist die älteste Gewerkschaft Deutschlands.” Sie habe sich aus dem Deutschen Zigarrenarbeiterverein entwickelt, und da der 1865 gegründet worden sei, könne die NGG auf ein 144-jähriges Bestehen zurückblicken.

Die Zigarrenarbeiter hatten sich damals zusammengeschlossen, um etwas für ihre Bildung zu tun. Deshalb wurde ein Vorleser engagiert, der den Arbeitern in jeder Schicht aus politischen und ökonomischen Zeitschriften vorlas. Die benachteiligten Arbeiter sollten erfahren, wie die Gesellschaft funktioniert.

Den Lohn des Vorlesers zahlten sie aus eigener Tasche, und noch heute sei der Vorleser das Symbol der NGG, erzählte Ströbele. Sie selbst habe bei einem Besuch in Kuba vor vier Jahren einen solchen Vorleser noch in einer Fabrik gesehen.

Genug zu tun

Auch heute noch gebe es für die Gewerkschaften alle Hände voll zu tun, meinen jedenfalls die Gewerkschafter. Und zwar über das Erwerbsleben hinaus. Gerade für Rentner sei eine Mitgliedschaft in der NGG von Nutzen, denn die könne sie vertreten, wenn im Alter ärztliche Leistungen - wie etwa eine künstliche Hüfte - verweigert würden oder wenn es Probleme mit der Rente gebe.

Gauger wünschte sich daher mehr Beteiligung an politischen Kämpfen auch und gerade unter den Senioren. Der Seniorenvorstand leiste hervorragende Arbeit vor allem in der Freizeitgestaltung, betonte Gauger, wünsche sich daneben aber doch ein bisschen mehr politisches Engagement. Beispielsweise bei Themen wie: „Rente muss zum Leben reichen” oder „Rente mit 67”. Gerade diesen Fragen wolle die Gewerkschaft künftig besondere Aufmerksamkeit schenken.

Gaugers Dank galt vor allem den „Urgesteinen” Juliane Muckel und Arnold Milcher (Vorsitzender des Seniorenvorstands), die seit der Gründung mit dabei sind. „Die 20 Jahre im Seniorenvorstand waren keine leichte Zeit”, sagte Milcher und fügte hinzu: „Wir haben viel für die Organisation gekämpft.” Und er verriet, was heute für ihn zählt: „Gesund bleiben, um so weiterarbeiten zu können wie bisher.”
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