Aachen - Begeistert vom Theater Aachen

Begeistert vom Theater Aachen

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Die Bühne als „Lebensexperiment”: Schauspieler Joey Zimmermann verstärkt seit fünf Jahren das Ensemble des Theaters Aachen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Seit fast fünf Jahren gehört der in London geborene Joey Zimmermann zum festen Ensemble von Theater Aachen. Beängstigend lebensecht als Titelfigur von Tschechows „Onkel Wanja” oder als hemmungsloser Erfolgsregisseur in Mark Ravenhills Farce „Das Produkt”, schätzt der 48-Jährige auch kleinere Parts - wie jetzt den obrigkeitshörigen Domestiken „Schlemmer” in der Ost-West-Komödie „Eins, Zwei, Drei”.

Oder 2007 den „Staubfänger” im bravourösen Familienstück „Tintenherz”, das nach Cornelia Funkes gleichnamigem Jugendroman entstand.

Zimmermann, der in Basel und im Tessin aufwuchs, kam erst über Umwege zum Schauspielstudium und zum Theater. Obwohl er schon früh ins Theater Basel „geschleppt” wurde. „Ich wusste lange nicht, was mir wirklich liegt”, sagt der schmale Mann mit dem markant-haarlosen Schädel. Über sich selbst mag er wenig erzählen, immerhin offenbart er schmunzelnd, dass er seinen Geburtstag, den 3. Dezember, mit dem französischen Filmregisseur Jean-Luc Godard und mit Lukas Popovic (vormaliger Dramaturg am Theater Aachen) teilt.

Wichtige Stationen für Zimmermann waren Spielorte wie Köln, Bonn, das Schillertheater und die Volksbühne in Berlin, das Schauspielhaus Zürich oder das Schauspielhaus Wien. Auch in vielen freien Projekten in Deutschland und der Schweiz ist er unterwegs gewesen sowie in etlichen Eigenproduktionen („Freunde des Glücks”). Sein Handwerk sieht er so: „Jeder Theaterbesuch ist eine Einübung ins Sehenlernen. Man muss den Zuschauer da abholen, wo er steht - und ihn dann verführen.”

Von unauffällig, abgründig und anarchisch bis hin zum Komischen und Bizarren gestaltet er seine Rollen, die immer wieder Überraschungen für die Zuschauer wie auch für ihn selbst bringen. Er steckt jetzt voll in den Proben zu „Jugend ohne Gott”, ein Schauspiel, das nach Ödön von Horváths Roman entstand und am 21. Januar im Mörgens Premiere feiert. Zimmermann spielt mit „großer Anteilnahme” den idealistischen Lehrer, der bei seinen Schülern auf kaltherzige Ablehnung stößt.

Vom „tollen Zusammenspiel und Zusammenhalt” am Theater Aachen ist er begeistert: „Man dient sich hier gegenseitig.” Die Bühne sieht er als nachhaltiges „Lebensexperiment”, das Vertrauen in Kollegen und Leitung ist groß. Sein schärfster Kritiker scheint Joey Zimmermann zu sein, denn nach eigenem Bekunden steht er sich manchmal „selbst im Weg”.

Seine Bescheidenheit und unaufdringliche Zurückhaltung machen ihn sympathisch. In Aachen hat er einen sehr guten Freundeskreis gefunden, er fühlt sich hier sehr wohl, behält aber gerne „die Achse Berlin-Zürich-Aachen” im Blick.
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