Baustelle Templergraben: Die fehlenden Steine sind nicht mal bestellt

Von: Gerald Eimer
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Die Geschäftsleute am Templergraben wollen ihre Kunden endlich wieder baustellenfrei begrüßen: Fatma Oksar, Markus Frankenne, Suhard Samieian, Suat Yenice, Güler Teslim, Seher Asanova. Foto: Harald Krömer

Aachen. Gerade mal 200 Meter lang und an der breitesten Stelle rund 70 Meter breit ist die Fläche am Templergraben, die zum neuen Vorzeigeplatz der Exzellenzuni umgestaltet werden soll. Keine große Sache, sollte man denken, doch die Baustelle steht augenscheinlich unter einem schlechten Stern. Sie will und will nicht fertig werden, und die Beteiligten streiten nach Kräften, wer Schuld daran hat. Ein Ende des Dilemmas ist nicht abzusehen.

Zu einem ernsthaften und fast schon existenziellen Problem werden die Zeitverzögerungen inzwischen für die Geschäftsleute, unter ihnen Suat Yenice und Teslim Güler. Sie betreiben am Templergraben das Restaurant „Orient Expresso“ und müssen seit Beginn der Bauarbeiten vor zwei Jahren erhebliche Umsatzeinbußen verkraften. Nun können sie offenbar erneut das gesamte Weihnachtsgeschäft abschreiben.

„Tagsüber geht es noch“, sagen sie. Dann kommen die Studenten. Das Abendgeschäft aber sei kaum noch der Rede wert. Die Baustelle vergrault selbst viele Stammgäste. „Wenn doch wenigstens bald die Zugänge gepflastert würden“, sagen sie und blicken auf den lehmigbraunen Matschweg vorm Haus. Und nicht anders ergeht es ihren Nachbarn.

Ein „unhaltbarer Zustand“, sagen selbst die Leute vom Bau. Und doch scheint sich der Fertigstellungstermin – einst angesetzt für den zurückliegenden Oktober – immer weiter nach hinten zu verschieben.

Grund sind vor allem die fehlenden Basaltsteine, die in Vietnam produziert werden und allem Anschein nach bis heute nicht mal nachbestellt worden sind. Ob die zwischenzeitlich für April angepeilte Fertigstellung des Templergrabens bei einer reinen Lieferzeit von acht bis zwölf Wochen tatsächlich gelingen kann, ist daher längst noch nicht ausgemacht.

Wer für die Probleme verantwortlich ist, ist genauso ein Streitthema zwischen Auftraggebern (Stadt Aachen, Landesbetrieb BLB und Stawag), Planern (Büros Sinai in Berlin sowie Achten und Jansen in Aachen) und Baufirma (Tholen in Geilenkirchen) wie zuvor schon jener über den Unterbau der Fahrbahn, der im Sommer zum wochenlangen Stillstand der Bauarbeiten geführt hat. Die Stadt schiebt das Versagen auf die Baufirma, doch die verweist ihrerseits auf Auftraggeber und überforderte Planer.

In Sachen Basaltsteinen gelte für das Bauunternehmen sogar die klare Anweisung, keine Bestellungen ohne Rücksprache machen zu dürfen. Und noch lägen von den Planungsbüros nicht mal die genauen Berechnungen vor, wieviele Steine überhaupt noch gebraucht würden.

So bleiben wegen ungeklärter Zuständigkeiten bis auf weiteres große Gehwegbereiche entlang von Wüllnerstraße, Eilfschornsteinstraße und auch Schinkelstraße ungepflastert.

Immerhin: Hoffnung macht die Stadt den Geschäftsleuten. Denn die Steine, die derzeit noch vorrätig sind, sollen nun bevorzugt vor der Ladenzeile verbaut werden, kündigt die Stadt an. Nächste Woche wolle man loslegen, heißt es. Wobei der herannahende Wintereinbruch diesem Vorhaben noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

Zwischen allen Fronten

Yenice und seine Nachbarn sind mit ihrer Geduld jedenfalls am Ende. „Wir wollen hier nicht zwischen den Streitenden zerrieben werden und erwarten, dass die Versprechen eingehalten werden“, sagt Yenice. Dazu gehört auch, den Templergraben so schnell wie möglich mindestens einspurig für den Verkehr freizugeben. Es müsse so schnell wie möglich wieder Normalität einkehren, fordern die Geschäftsleute, „damit wir endlich wieder unsere Kunden begrüßen können“.

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