Aachen - Baupläne sollen bald eingereicht werden

Baupläne sollen bald eingereicht werden

Von: Jan Mönch
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„Die Öffentlichkeit wird enteignet”: Dagegen wehren sich (v.l.) Gerhard Bahr, Sarah Kasenda, Christoph Allemand, Horst Schnitzler und Lothar Reinhard. Stein des Anstoßes: Die geplante Kaiserplatz-Galerie in der Foto: Heike Lachmann

Aachen. Irgendwann wollte auch der Hausmeister Feierabend machen. Und so wurde endgültig verhindert, dass man im Haus Löwenstein so etwas wie ein konkretes Resultat erzielen konnte. Auf ein solches hatten die rund 70 Besucher der Podiumsdiskussion „Wem gehört die Stadt?” gehofft, zu der die Bürgerinitiative „Kaiserplatz-Galerie - Nein danke!” eingeladen hatte.

Der Hintergrund ist bekannt: Im Februar vergangenen Jahres hat der Projektentwickler Prof. Hans Kahlen vom Stadtrat das Okay dafür bekommen, zwischen Kaiserplatz und Kugelbrunnen eine 230 Millionen Euro teure Einkaufsmeile hochzuziehen. Gestemmt werden soll dies mit Hilfe von Investoren, bislang jedoch sind einige abgerissene und viele leerstehende Gebäude das einzige sichtbare, gleichwohl wenig ansehnliche Ergebnis.

„Wir müssen den öffentlichen Druck auf breite Beine stellen und vieles nebeneinander laufen lassen”, plädierte eine Besucherin gegen Ende der Veranstaltung dafür, der Gegenseite beherzt und mit vereinten Kräften zu begegnen.

Diese Einigkeit zu schaffen war den Diskutanten um Horst Schnitzler, Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), in den vorangegangenen zweieinhalb Stunden nicht gelungen. Ullrich Mies von der globalisierungskritischen Organisation Attac hatte versucht, die Vorgänge am Kaiserplatz in einem größeren Zusammenhang zu beleuchten („Wir brauchen ein neues politisches System”). Und als ungeschickt mochte man werten, dass die Studentin Sarah Kasenda sowie die Autorin Silvia Szymanski („Die Stadt wird mehr und mehr so „ne komische Gaukelvorstellung”) sich besonders um das Wohlbefinden der ungeliebten Drogenszene im Schatten von St. Adalbert zu sorgen schienen.

Derlei Exkurse sorgten früh für ungeduldiges Raunen und Zwischenrufe. Den ersten Applaus verbuchte dann eine Anwohnerin der Harscampstraße, die die Situation in ihrer schwindenden Nachbarschaft schilderte. Die Häuser würden „langsam entmietet”, nächtens würden die verwaisten Straßenzüge aggressive Jugendgruppen anlocken. „Wir haben ein Gewaltproblem. Für uns ist wichtig: Was kommt jetzt?”, schloss die Aachenerin eindringlich.

Die Antworten darauf blieben vage. In den Raum gestellt wurde etwa ein öffentlichkeitswirksames Straßenfest. Und ein Zugezogener schilderte, wie die Bevölkerung seiner Heimatstadt vor einigen Jahren um die Restaurierung ihres Bahnhofs gekämpft hat: „Übach-Palenberg schämt sich für diesen Bahnhof. Beschweren sie sich bei der Deutschen Bahn”, habe man Zugpassagiere dort - öffentlichkeitswirksam - mit Spruchbändern aufgefordert.

In ihrer Entschlossenheit bestärkt worden sein dürften die Diskutanten, zu denen neben den Genannten Christoph Allemand und Gerhard Bahr zählten, durch die Schilderungen von Gast Lothar Reinhard, der in Mülheim an der Ruhr Fraktionssprecher der Bürgerinitiativen (MBI) ist.

„Filz und Korruption”

„Im Ruhrgebiet sind wir schon viel weiter in der Zerstörung”, beschrieb der Oppositionspolitiker die Folgen der Privatisierung des öffentlichen Raums. Verantwortlich: „Filz und Korruption afrikanischer Güte.” Davon, dass es in Aachen so weit kommt, war Reinhard nicht überzeugt: „Meine Befürchtung ist, dass einfach gar nichts passieren wird” - dann müsste die Stadt zusehen, wie sie die bereits geschlagene Schneise wieder quitt wird.

Bis zum 18. Februar muss die Investorengruppe ihre Baupläne eingereicht haben. Und Projektmanager Herbert Dierke stellte klar, dass man diesen Termin einhalten werde. Die „Gerüchte” um abgesprungene Investoren beträfen lediglich rund zehn Prozent des Gesamtvolumens, der „Grundstock”, erbracht durch die niederländische SNS Bank, stünde indes auf sicherem Fundament. Nach Einreichen des Bauantrags „geht´s auch zügig weiter”, kündigte Dierke an. 48 Monate Zeit bleiben dann, bis das Großprojekt Kaiserplatz-Galerie vollendet sein muss. Das sind vier Jahre.
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