Bauchtanz bis Sütterlin: Hobbys teilen, Freunde finden

Von: Margot Gasper
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Gespräche unter der Magnolie: Beim Kontakt-Café treffen sich Menschen, die neue Bekanntschaften schließen möchten. Foto: Heike Lachmann
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Die Leiterin: Gunhild Großmann.

Aachen. „Wissen Sie“, sagt die alte Dame, „ich habe meine beste Freundin verloren.“ Deshalb ist die resolute 80-Jährige zu Gast im Kontakt-Café der evangelischen Initiative „Engagiert älter werden“. Mit gut zwei Dutzend weiteren Frauen und Männern steht sie bei schönstem Sommerwetter im Innenhof des Gemeindehauses an der Anna-straße.

Unter der riesigen Magnolie bilden sich immer wieder neue Grüppchen. Man stellt sich vor, kommt ins Gespräch und lotet vorsichtig aus, ob man vielleicht ähnliche Interessen hat und einander näher kennenlernen möchte.

Genau so soll es sein. Kinder sind ja schnell ziemlich beste Freunde. „Mit fortschreitendem Alter ist es aber oft nicht so leicht, neue Kontakte zu knüpfen“, weiß Gunhild Großmann, die Leiterin der Initiative. Schließlich hat der Mensch dann konkrete Vorlieben und Routinen – und vielleicht gar nicht mehr so viele Gelegenheiten, neue Leute zu treffen. Beim Kontakt-Café, das dreimal im Jahr stattfindet, organisiert Großmann einen Rahmen für Gespräche. Ob sich daraus weitere Kontakte oder gar Freundschaften ergeben, ist dann Sache der Teilnehmer.

„Das Kontakt-Café ist so etwas wie die Eingangstür in unser Angebot“, sagt Großmann. Und an diesem Nachmittag gehen einige durch diese Tür. Sie suchen Gleichgesinnte, die mit ihnen spazieren gehen, Karten spielen oder mal einen Theaterbesuch planen. So wie Heribert Pütz, der in der Runde neue Leute kennenlernen möchte. So unterschiedlich wie die Menschen beim Kontakt-Café, so vielfältig sind ihre Interessen. „Gute Gespräche“ hat zum Beispiel Anneliese Reuter (70) unter anderem auf ihrer Wunschliste.

Auch exotische Hobbys

Nicht alle sind zum ersten Mal da. Ute Stache fand vor einem Jahr, nach dem Tod ihres Mannes, zu „Engagiert älter werden“. Das Kontakt-Café sei eine prima Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, findet sie. Die 74-Jährige engagiert sich auch ehrenamtlich im Sprechstunden-Team der Initiative. Und Margret König ist sogar schon 20 Jahre ehrenamtlich im Einsatz. „Ich habe für die Leute schon einige nette Kontakte zustande gebracht“, lacht sie.

Die Sprechstunden sind so etwas wie das Herzstück von „Engagiert älter werden“. Hier kann man sich registrieren lassen, um Gleichgesinnte für Unternehmungen zu finden. Und sogar für eher exotische Hobbys findet sich vielleicht jemand, der diese Leidenschaft teilen möchte. Hier gibt es auch Infos über die vielen Angebote von „Engagiert älter werden“. Und neue Angebote von Ehrenamtlern sind sehr willkommen. „Unsere Initiative ist eine Plattform für soziales Engagement“, sagt Gunhild Großmann. „Die einen können ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weiter nutzen. Und die anderen profitieren davon.“

Der Fantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt: Latein lernen, Sütterlin-Texte in moderne Schrift übertragen, Bauchtanz üben, im PC-Café am Rechner sitzen oder im Küchenteam helfen: Das und noch viel mehr ist drin. 2013, hat die Leiterin ausgerechnet, leisteten die mehr als 80 Freiwilligen an die 7000 Stunden. „Ein unglaubliches Potenzial, das die Leute ans Licht bringen“, sagt Großmann. Sogar in den eher lauen Sommermonaten zählt die Initiative bei ihren Veranstaltungen rund 140 Teilnehmer pro Woche. Und in manchen Wochen kommen sogar bis zu 300.

Menschen in der zweiten Lebenshälfte, so umschreibt Gunhild Großmann die Zielgruppe der Initiative. Die Jüngsten, die hier mitmachen, sind so um die 40, die ältesten gehen stramm auf die 90 zu. Die riesige Palette an Angeboten beschreibt die Leiterin als „Experiment“: „Manches funktioniert, manches nicht.“ Und manchmal ist die Resonanz geradezu überwältigend: Bei der Frauengruppe für die „Achtundsechziger“ wollten so viele mitmachen, dass erst mal eine Warteliste aufgestellt werden musste.

Das unbekümmerte Ausprobieren macht wahrscheinlich den Charme des Unternehmens aus. Unter dem Strich sagt Großmann: Experiment gelungen. Diese Bilanz zieht sie mittlerweile sogar in anderen Städten. Denn dort wird das Aachener Projekt, das so viele in Bewegung bringt, interessiert verfolgt.

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