Bald macht der Pauer dem Euro Konkurrenz

Von: Margot Gasper
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Zur Präsentation des Regionalgelds für Aachen hatten die Initiatoren auch ein Geldköfferchen voll druckfrischer Pauer dabei. Von links Vorsitzende Jule Klieser, die zweite Vorsitzende Dorothea Topfmeyer und Jürgen Groneberg, Leiter des evangelischen Erwachsenenbildungswerks. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Euro kriegt Konkurrenz: Der Pauer ist da. Nach mehr als dreijähriger Vorbereitung geht die Regionalgeld-Initiative Aachen e.V. mit ihrem Konzept einer alternativen Währung für Aachen und Umgebung an den Start.

Bei der Auftaktveranstaltung am Sonntag, 25. April, können Interessierte die ersten Pauer-Geldscheine mit nach Hause nehmen. Der Pauer steht für die Idee einer demokratischen Währung, eines Geldes „ohne schädliche Nebenwirkungen”, wie Vereinsvorsitzende Jule Klieser erläutert. Der Pauer ist ein reines Tauschmittel. Er bringt keine Zinsen, es lohnt nicht, ihn zu horten. Und man kann mit ihm auch nicht an den Finanzmärkten spekulieren.

Das neue Gutscheinsystem gilt zunächst ausschließlich in Aachen, soll aber auf die Städteregion und das grenznahe Ausland ausgedehnt werden. 32 Geschäfte, Lokale und Dienstleister hat die Initiative bereits von ihrer Idee überzeugen und für eine Mitarbeit im Verein gewinnen können. Bei ihnen können Kunden mit dem Regionalgeld bezahlen. Der Pauer soll die regionale Wirtschaft stärken. „Gerade die kleinen und feinen Geschäfte wollen wir unterstützen”, sagt Klieser.

Partner der Regionalgeld-Initiative ist zum Beispiel das evangelische Erwachsenenbildungswerk. „Einige unserer Referenten werden sich einen Teil ihres Honorars in Pauer auszahlen lassen”, berichtet Leiter Jürgen Groneberg. Das Bildungswerk beschäftigte sich schon lange kritisch mit dem Finanzsystem, sagt er. „Mit dem Pauer wollen wir die Möglichkeit bieten, konkret in der Region etwas zu verändern.”

50.000 Pauer sind gedruckt

50.000 druckfrische Pauer liegen zum Start vor und sollen in Umlauf gebracht werden. Ein Pauer ist einen Euro wert, ausgegeben werden die neuen Euregio-Gutscheine als Einer, Fünfer, Zehner und Zwanziger. Münzgeld gibt es nicht. Ein wenig sehen die Geldscheine aus wie Spielgeld. Gedruckt sind sie übrigens auf Spezialpapier, in das geschredderte D-Mark-Noten eingearbeitet sind, wie die Initiatoren erläutern. Und jeder Pauer hat auch eine eigene Seriennummer.

Namensgeber für den Pauer war natürlich die Pau, einer der Aachener Bäche. Aus vielen Brunnen sprudelt bis heute Pauwasser. Motive von Aachener Brunnen zieren die Gutscheine. „Der Zehner gefällt mir am besten”, gesteht Dorothea Topfmeyer, zweite Vorsitzende der Regionalgeld-Initiative und zeigt den Zehner, den ein Bild des Fischpüddelchens ziert.

Im Umlauf gebracht wird die Alternativ-Währung vor allem über die beteiligten Geschäfte. Die packen den Pauer in ihre Kassen. Kunden, die die Initiative unterstützen möchten, können sich beim Einkauf das Wechselgeld (zum Teil) im Pauer herausgeben lassen. Mit diesem Startkapital kann der Kunde dann wieder in anderen Geschäften bezahlen.

Der Pauer ist ein „leistungsgedecktes Regionalgeld”, erläutern Jule Klieser und Dorothea Topfmeyer. Man kann seine Euros nicht beim Verein in Pauer umtauschen. „Wir möchten nicht eine große Euro-Menge verwalten”, erklärt Topfmeyer. Wer Pauer besitzt, kann sie auch nicht in Euro zurücktauschen, sondern nur in den beteiligten Geschäften ausgeben.

Die Regionalgeld-Initiative folgt einer Idee, die seit Jahren deutschlandweit Kreise zieht. Bundesweit gibt es derzeit gut zwei Dutzend im Dachverband Regiogeld organisierte Initiativen, 40 weitere sind in Vorbereitung. Eine der bekanntesten Regionalwährungen ist der Chiemgauer, der 2003 ins Leben gerufen wurde. Rund 418.000 Chiemgauer sind mittlerweile im Umlauf. Mit dem Chiemgauer, berichtet Jule Klieser, könne man im Chiemgau sogar schon elektronisch zahlen. Das aber ist für die junge Aachener Bürgerinitiative noch Zukunftsmusik.

Bei seiner Premiere am 25. April wird der Pauer auch getauft - natürlich mit Pauwasser, wie es sich für einen echten Aachener gehört.
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