Bahnhof Rothe Erde: Wochenmarkt ist auf Schrumpfkurs

Von: Margot Gasper
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Ein-Mann-Show: Gestern stand Gemüsebauer Josef Nelissen aus Waldfeucht mit seinem Stand ganz alleine auf dem Wochenmarkt am Bahnhof Rothe Erde. Foto: Harald Krömer

Aachen. Mittwochmittag, kurz vor 12 Uhr: Die Temperaturen klettern kaum über den Gefrierpunkt. Josef Nelissen steht da schon sechs Stunden am Bahnhof Rothe Erde. Wie jeden Mittwoch hat der Gemüsebauer aus Waldfeucht ab sechs Uhr morgens seinen Marktstand aufgebaut und ab 7 Uhr auf Kundschaft gewartet.

An diesem Mittwoch macht Nelissen ganz alleine Wochenmarkt. Denn von dem Projekt, das vor einem Jahr mit großen Erwartungen startete, ist nicht viel übrig geblieben. Die anderen Anbieter, die hier Milchprodukte, Geflügel, Blumen oder Wurstwaren im Sortiment hatten, sind alle längst weg.

Nicht einmal der Eiermann, der Josef Nelissen zuletzt noch Gesellschaft leistet, ist an diesem Mittwoch gekommen. Und bald könnte ganz Schluss sein mit dem Wochenmarkt am Bahnhof Rothe Erde. „Ich werde bei der Stadt anregen, dass das Angebot als offizieller Wochenmarkt eingestellt wird“, teilt Bernd Krämer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Wochenmarktbeschicker, gestern auf Anfrage mit.

Krämer nimmt kein Blatt vor den Mund: „Aus meiner Sicht ist es nicht zu vertreten, dass ein Markt, der nicht funktioniert, aufrechterhalten wird.“ Zwar offerieren nur noch zwei Anbieter ihre Waren, sagt Krämer, trotzdem entstünden Kosten, etwa für den Marktmeister, den Winterdienst oder den Stromkasten. „Und diese Kosten sind der Gesamtheit der Beschicker nicht länger zuzumuten.“

Dabei habe man sich gerade um den Wochenmarkt in Rothe Erde sehr bemüht, erinnert Krämer: „Wir haben versucht, das richtig groß aufzuziehen.“ Rund ein Dutzend Stände waren anfangs dabei, und die Werbetrommel wurde kräftig gerührt. „Aber schnell stellte sich dann heraus, dass der Markt kein Potenzial hergibt.“ Viele Anbieter hätten bald festgestellt, dass der Markttag am Bahnhof sich für sie nicht rechne. „Und wenn der Erste wegbleibt, ist das wie ein Schneeballsystem“, weiß der IG-Vorsitzende. „Neue Anbieter gehen das Risiko dann schon gar nicht mehr ein.“ Am Elsassplatz, wo es vor Jahren schon einmal einen Versuch gab, habe sich der Wochenmarkt damals auch nicht etablieren können.

Bei der Stadt gibt man sich unterdessen gelassen. In der Tat sei der Markt in Rothe Erde der am schwächsten besuchte in Aachen, erklärte Björn Gürtler vom städtischen Presseamt. „Es gibt aber derzeit keine Absicht, den Wochenmarkt zu schließen. Er stört ja auch keinen.“ Die anderen Märkte im Stadtgebiet, sagt Gürtler, würden gut angenommen. Lediglich in Kornelimünster könnte die Resonanz besser sein. Aber auch zum Wochenmarkt im Indestädtchen fällt die Einschätzung des Sprechers der Marktbeschicker deutlich kritischer aus: „Auch Kornelimünster ist gefährdet“, findet Bernd Krämer.

Josef Nelissen, der auch an diesem kalten Mittwoch Kartoffeln, Apfelsinen und vieles mehr anbietet, hat eigentlich nicht vor, seinen Markttag am Bahnhof Rothe Erde aufzugeben, „auch wenn wir in diesem Winter echt draufgezahlt haben.“ Nelissen steht dienstags und samstags auch auf dem Wochenmarkt in Brand. „Da läuft es gut“, sagt er, „dann muss Brand den Stand hier eben mitfinanzieren“.

Der Landwirt hofft nun auf wärmere Temperaturen. Wenn endlich der Spargel so weit ist, dann laufen die Geschäfte wieder besser, ist Nelissen überzeugt. „Und im Sommer verkaufe ich hier viel Gemüse aus eigenem Anbau.“ An die 170 Sorten Tomaten hat er dann im Angebot. Aus Sicht des IG-Vorsitzenden würde das Ende des Wochenmarkts in Rothe Erde nicht das Aus für den Gemüsestand aus Waldfeucht bedeuten. „Der Anbieter müsste dann einfach eine private Sondernutzung erwirken, um sich auf den Platz zu stellen“, sagt Krämer.

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