Avantis-Chef beklagt sich: „Abgesang statt Ansporn”

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
seiben_bu
Noch Platz: Erst zehn Prozent des Baulands auf Avantis sind verkauft, die Hoffnung auf bessere Zeiten dauert fort. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ein „Leuchtturmprojekt”, dessen Strahlen nie so richtig ins Land hinausgedrungen sind, nach vielen Jahren doch noch ans Blinken zu bringen, das ist eine verteufelt schwere Aufgabe. Wer wüsste das besser als René Seijben, seit 2004 Geschäftsführer der Avantis GOB NV, jener leidgeprüften Gesellschaft, die das grenzüberschreitende Gewerbegebiet gleichen Namens vermarkten und mit Leben erfüllen soll.

Die bisherigen Ergebnisse sind eher bescheiden, und am Mittwochabend trug der Niederländer Seijben den Aachener Kommunalpolitikern die Gründe fürs kümmerliche Fortkommen vor: Fast von Anfang an habe das ehrgeizige Unterfangen gegen ein „Negativ-Image” ankämpfen müssen - und auch heute noch, zwölf Jahre nach Gründung, komme Avantis in den (Werbe-)Broschüren der Stadt Aachen nicht vor.

Da ist natürlich aus Sicht des Geschäftsführers schwer arbeiten, zumal der Widerhall in den Medien, zumindest den deutschen, irgendwie positiver hätte sein können. Den Mitgliedern des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft vermittelte Seijben jedenfalls den Eindruck, ein Gutteil der zahlreichen Probleme an der deutsch-niederländischen Grenze habe etwas mit fehlendem Enthusiasmus auf Seiten der veröffentlichten Meinung zu tun. Eine Agentur wurde eigens beauftragt, um herauszukriegen, was im Lauf der Zeit zu dieser aus Avantis-Sicht beklagenswerten Entwicklung beigetragen hat.

Nach Stand der Dinge sind gerade mal zehn Prozent des zur Verfügung stehenden Baulandes an ansiedlungswillige Firmen verkauft, etwa sechs Hektar. Seit 2004 - erst in diesem Jahr beginnt Seijbens Rechnung - seien 24 Unternehmen mit zusammen 700 Mitarbeitern zugezogen, wobei Avantis gedacht sei für „schnell wachsende und neu gegründete Technologieunternehmen”.

Willkommen ist laut Seijben jede Branche, aus personellen Gründen sei das Avantis-Management (2,8 eigene plus 1,4 externe Stellen) aber lediglich in der Lage, sich um drei „Cluster” zu kümmern (Automotive, Energie, LifeSciences).

Wie oben erwähnt, nahm im Seijben-Vortrag die Ursachenforschung breiten Raum ein, die Suche nämlich nach den Gründen für das so zähe In-Gang-Kommen des seinerzeit euphorisch betriebenen Riesenprojekts. Nur am Rande kamen dabei die vom Geschäftsführer so benannten „Hamsterprozeduren” vor: Angebliche Feldhamsterpopulationen, die freilich nie entdeckt wurden, behinderten das Projekt nachhaltig, nicht zuletzt deswegen, weil das Problem von den seinerzeit Verantwortlichen, etwa auf Seiten der Stadt Aachen, ziemlich amateurhaft behandelt wurde.

„Verzerrte Wahrnehmung”

Nun aber zu den wirklichen Gründen für die Avantis-Schwierigkeiten - in Seijbens Chronologie lesen die sich so: „Abgesang statt Ansporn”; selbsterfüllende Prophezeiungen negativer Art in den Medien; die Reputation nimmt Schaden; ein Negativ-Image entsteht; die Wahrnehmung wird verzerrt. All diesen Übeln geselle sich hinzu, dass es „für Avantis kein Forum in Aachen” gebe, etwa in den städtischen Broschüren.

Was tun? Seijben schlug vor: das Wissen über Avantis ausbauen; Synergieeffekte mit den Campus-Projekten der RWTH herbeiführen; die „Akzeptanz gegenüber Avantis” ausbauen.

Seine eigene Position, was die Zukunft von Avantis betrifft, dürfte mit verhaltenem Optimismus ganz gut beschrieben sein. Seijben vor dem Ausschuss: „Bei jemandem, der sagt, Avantis ist ein Erfolg, handelt es sich um eine Person, die nicht ganz seriös ist. Wer sagt, es handelt sich um eine Fehlentscheidung, liegt ebenfalls falsch. Ich selbst sage: Avantis ist noch kein Erfolg. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich die investierten Steuergelder am Ende rentieren werden.”

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung soll im Sommer getan werden: Mit dem Fahrplanwechsel zum 12. Juni wird die Aseag einen Schnellbus zwischen Avantis und der Innenstadt verkehren lassen, morgens und abends soll das flotte Verkehrsmittel fahren und für bessere Anbindung sorgen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert