Avantis: Bedeutet Neuansiedlung den Durchbruch?

Von: Heiner Hautermans
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Das Gegenteil einer Erfolgsgeschichte: das Gewerbegebiet Avantis. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ende der 90er Jahre reiften noch die Blütenträume, da war von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen die Rede, die in dem „European Science and Business Park Avantis“ entstehen sollten, zweistellige Millionenbeträge wurden in die Infrastruktur investiert. Dann kam der Hamster, jahrelange juristische und politische Prozeduren, was ausblieb, waren – bis auf wenige – ansiedlungswillige Unternehmen.

Ende 2011 war die Trägergesellschaft, die GOB Aachen Heerlen NV, so klamm, dass das Wort von der Insolvenz die Runde machte. Die vier Gesellschafter, also auch die Stadt Aachen, mussten je 6,75 Millionen Euro aufbringen, um einen alten Kredit abzulösen und frisches Geld zur Verfügung zu stellen. Der Bebauungsplan auf deutscher Seite wurde geändert, die Ansprüche an die Unternehmen gesenkt.

Offenbar mit Erfolg. Die im bayrischen Neu-Ulm ansässige Honold-Logistik-Gruppe will zwischen Horbach und Heerlen ein großes Logistikzentrum errichten. Im ersten Bauabschnitt werden 44 100 Quadratmeter Lager- und 700 Quadratmeter Bürofläche entstehen – eine Fläche von zehn Fußballfeldern. „Ich hoffe, dass von der Ansiedlung der Firma Honold eine klare Botschaft ausgeht, dass Avantis auch für deutsche Unternehmen ein ausgezeichneter Standort ist. Außerdem ist es ein wirklicher Durchbruch. Zum ersten Mal entscheidet sich ein großer deutscher Betrieb für Avantis als Standort“, erläutert Riet de Wit, Avantis-Vorstandsmitglied und Beigeordnete für Wirtschaftsförderung der Stadt Heerlen.

Große Dimensionen

Das Unternehmen aus Süddeutschland ist auf die Entwicklung von Logistikimmobilien spezialisiert, Avantis bietet nach Auskunft des geschäftsführenden Gesellschafters Heiner Matthias Honold beste Voraussetzungen: „Mit unserem neuen Standort in Aachen sind wir bestens aufgestellt, um ein führender Logistikanbieter in der Region zu werden. Wir wollen den Standort nochmals erweitern und führen Gespräche mit Firmen aus Nordrhein-Westfalen, die Hallenflächen suchen.“ Avantis biete große Flächen: „Das sind optimale Voraussetzungen für die Anforderungen einer Branche, die in immer größeren Dimensionen denken muss“, so Honold weiter. Zu erwarten seien 30 bis 40 Lkw-Fahrten pro Tag.

Im Vorfeld hatten die Bayern mehrere andere Standorte geprüft, dass die Entscheidung für Avantis gefallen sei, führt Honold auf sein Bauchgefühl und die große Professionalität aller Beteiligten zurück. „Mit der Ansiedlung aus dem Bereich Logistik positioniert sich Avantis optimal als Gewerbegebiet für eine Wachstumsbranche mit hohem Arbeitsplatzpotenzial. Das ist nicht nur für Aachen eine gute Nachricht, sondern auch für die Stadt Heerlen“, betont Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp. Er hoffe, dass von der Ansiedlung eine Signalwirkung für das gesamte Gelände ausgehe. Dieter M. Begaß, Fachbereichsleiter der Aachener Wirtschaftsförderung, ergänzt: „Avantis bietet in idealer Weise mit mehreren 100 000 Quadratmetern Fläche, interessanten Preisen und einzigartigen Standortvorteilen beste Niederlassungsbedingungen für große Logistikfirmen, aber auch für kleinere Unternehmen.“ Man befinde sich mit mehreren Unternehmen aus der Region in intensiven Gesprächen, er erwarte weitere Abschlüsse in den nächsten Monaten.

Allerdings hatten sich in letzter Zeit Unternehmen wie die Spedition Schenker (nach Eupen) und der Onlineanbieter Zalando (Mönchengladbach) für andere Niederlassungen entschieden. Das 100 Hektar große Gewerbegebiet liegt zu 60 Prozent auf deutschem und zu 40 Prozent auf niederländischem Gebiet. 30 Hektar werden als Park und für die Infrastruktur genutzt. Am Montag wurde auch die Anbindung an die Autobahnen A 4 und A 76 hervorgehoben, die allerdings noch verbessert werden soll, ebenso ist künftig eine Schienenanbindung geplant. Entsprechende Gespräche würden geführt.

Der Realität angepasst

OB Philipp gab auf Nachfrage zu, dass er in der Rückschau einige Avantis-Jahre am liebsten streichen würde: „So wie es am Anfang angepackt worden ist, war es nicht in allen Punkten durchdacht.“ Auch bei den Quadratmeterpreisen habe man sich der Realität angepasst und verlange nicht mehr den Preis für ein Bürohochhaus.

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