Avantis: 6,75 Millionen teure Lösung

Von: Heiner Hautermans
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Avantis-Pleite: Der Aachener Stadtrat soll am Mittwoch die Entscheidung fällen, der mit 24 Millionen Euro bei einer niederländischen Bank verschuldeten Gesellschaft massiv finanziell unter die Arme zu greifen. Foto: Harald Kroemer

Aachen. Der offizielle Name des grenzüberschreitenden Gewerbegebietes lautet „Avantis European Science and Business Park”, Ende der 1990er Jahre angelegt und gut angeblich für 10.000 Arbeitsplätze. Doch schon seit langem klaffen Anspruch und Wirklichkeit von „Avantis” weit auseinander. Gerade mal 3,2 Prozent der 100 Hektar Fläche sind verkauft, seit Jahren ist die Gesellschaft niederländischen Rechts klamm.

Die Stadt Aachen, eine von vier Gesellschaftern, will nun Nägel mit Köpfen machen und bei der Vermarktung und Finanzierung neue Wege gehen.

Eine Arbeitsgruppe empfiehlt, dass der bisherige Kredit bei einer niederländischen Bank durch die vier Gesellschafter abgelöst wird. Dadurch kann man die Zinsbelastung senken und hat mehr Möglichkeiten zum Verkauf. Allerdings ist der Zeitrahmen eng. Denn sollte bis Mitte November die Liquiditätssicherung nicht gewährleistet sein, müsste ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden. Morgen befasst sich der Stadtrat mit dem sensiblen Thema.

Oberbürgermeister Marcel Philipp spricht von einem Dilemma, das durch den Wegfall eines sicher geglaubten Kunden verschärft worden sei. Die Spedition Schenker hat sich, wie berichtet, für Eupen statt für Avantis entschieden. „Es ist völlig klar, dass wir handeln müssen, sonst würde das den Konkurs bedeuten.”

Er plädiert für die Total-Lösung, die vollständige Übernahme der Gesellschafterdarlehen. „Das ist das einzig Sinnvolle und verbessert unsere Handlungsmöglichkeit.” Die Vorgehensweise sei mit den drei Partnern, dem Land NRW, der Industriebank Liof und der Gemeinde Heerlen weitgehend abgestimmt. Mit der niederländischen Kommune befinde man sich schon seit zwei Jahren in intensivem Kontakt über eine Modifizierung der jeweiligen Bebauungspläne.

Denn die Vorgaben aus den 90er Jahren entsprechen nicht mehr heutigen Anforderungen. Grünen-Fraktionssprecher Michael Rau bringt es auf den Punkt: „Viel zu viel Büroflächen, zu große Grundstücke, zu wenig Produktionsflächen. Die Verkehrsanbindung muss verbessert werden.” Doch diese 6,75 Millionen teure Lösung sichert den Weiterbetrieb nur für ein Jahr. Binnen dieses Zeitraums müsse es gelingen, „Grundstücke zu angemessenen Preisen zu verkaufen”, erklärt OB Philipp auf Anfrage weiter.

Darüberhinaus soll die Verkehrsanbindung von Avantis per Bus und Bahn verbessert werden, außerdem die planungsrechtlichen Hürden und das Anforderungsprofil für ansiedlungswilliige gesenkt werden. Auch in der Preisgestaltung (bislang 100 Euro/Quadratmeter) will man flexibler werden.
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