Aachen - Autohändler hoffen auf die Umweltprämie

Autohändler hoffen auf die Umweltprämie

Von: Amien Idries und Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
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Erwartet durch die Umweltprämie vor allem bei den preiswerten Marken einen verkaufsfördernden Effekt. Fritz Kuckartz und sein rumänisches Billigauto.

Aachen. Waschanlage oder Schrottplatz? Vor diese Wahl stellt die Bundesregierung nun manche Besitzer von alten Autos. Mit der im zweiten Konjunkturpaket vorgesehenen Umweltprämie soll der Verkauf von Neuwagen angekurbelt und zugleich die Umwelt entlastzet werden.

Wer ein Auto besitzt, das mindestens neun Jahre alt und wenigstens zwölf Monate auf ihn zugelassen ist, erhält beim Kauf eines Neu- oder Jahreswagens 2500 Euro vom Staat.

Vorausgesetzt, das alte Gefährt wurde ordnungsgemäß verschrottet und der Neue verfügt über die Abgasnorm Euro 4.

„Leider ist derzeit noch unklar, wie die konkrete Umsetzung aussehen soll”, sagt Fritz Kuckartz, der in seinem Autohaus die Marken Renault und Dacia vertreibt, „vor allem die Frage, wo Anträge und Bescheinigungen vorgelegt werden müssen, wird noch zu klären sein.” Dennoch erhofft er sich einen deutlichen Anschub des Verkaufs.

„Vor allem im unteren Preissegment sollte es einen Effekt geben”, meint Kuckartz. Bei billigen Autos für rund 10.000 Euro decke die Prämie schließlich ein Viertel des Kaufpreises ab.

Auch Daniel Jacobs, einer der Geschäftsführer der Jacobs-Gruppe, die in Aachen mehrere Autohäuser betreibt, äußert sich nur vorsichtig: „Prognosen kann ich aufgrund des noch unklaren Prozederes nur unter Vorbehalt wagen. Da ein Teil unserer Kundschaft Autos der relevanten Baujahre besitzt, versprechen wir uns aber schon einen gewissen Anstieg der Verkaufszahlen.”

Dies auch vor dem Hintergrund, dass VW, eine der von der Jacobs-Gruppe vertriebenen Marken, auch im vergangenen Jahr noch relativ gut nachgefragt worden sei.

Fritz Kuckartz, der auch Vorstandsmitglied des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes ist, beobachtet den Rückgang der Verkaufszahlen schon seit längerem: „Die Probleme des Autohandels existieren nicht erst seit der Finanzkrise. Schon seit Jahren werden in Deutschland immer weniger Autos verkauft.”

Durch die Finanzkrise sei nun der Export weggebrochen, weshalb jetzt auch die Industrie Probleme bekäme. Gerade deshalb halte er die Umweltprämie für ein geeignetes Mittel, der Kaufzurückhaltung entgegenzuwirken.

Die Aachener Luft könnte in jedem Fall profitieren, meint die Verwaltung. „Es fallen ja die schlechten raus”, sagt Klaus Meiners vom städtischen Fachbereich Umwelt.

Bislang hätten rund sieben Prozent der Pkw, die über die Straßen der Stadt rollen, entweder eine rote Plakette oder gar keine. Die Abgasschleudern sterben naturgemäß mit steigenden Dienstjahren aus.

Dieser ohnehin „laufende Prozess würde beschleunigt”, glaubt Meiners, wenn den Besitzern die Trennung von ihren alten Schätzchen mit einer Abwrackprämie versüßt wird. „Das dürfte an den Mess-Stationen spürbar werden”, so Meiners.

Mehr für den Gebrauchten

Wichtig wäre aber auch ein Impuls bei Lieferwagen und Kleinlastern, „die uns in der Stadt Probleme machen”. Rund die Hälfte dieser Transportfahrzeuge seien noch plakettenlos oder mit rotem Aufkleber auf der Windschutzscheibe unterwegs.

Der städtische Fuhrpark hingegen ist frischer und kann schon allein deshalb die Automobilwirtschaft nicht ankurbeln. Die Dienst-Pkw der Stadt sind nach Auskunft des Presseamtes jünger als neun Jahre und fallen damit nicht unter die neue Regelung. Außerdem gebe es keinen Bedarf an neuen Fahrzeugen.

Walter Röser glaubt ohnehin nicht an das konjunkturell segensreiche Abwracken. Als autorisierter Altautoentsorger würde er zwar ebenso von der Umweltprämie profitieren, doch einen Ansturm auf seinen Betrieb erwartet er nicht: „Wer eine neues Auto kaufen möchte und derzeit beispielsweise einen zehn Jahre alten BMW fährt, wird auf dem freien Markt deutlich mehr erhalten als die 2500 Euro”, rechnet er vor.

„Wer allerdings einen Golf Baujahr 1994 fährt, hat eh kein Geld für ein neues Auto und wird sich wahrscheinlich einen neuen Gebrauchtwagen zulegen.”

Die Zukunft wird zeigen, ob die Bundesregierung vorher besser Herrn Röser aus Aachen gefragt hätte.
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