Ausstellung „Trikottausch”: Flagge zeigen für fairen Handel

Von: Tim Griese
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Trikottausch: Wilfried Wunden, Fritz Bock, Mona Pursey, Ulrike Maqua und Hilde Scheidt (v.l.) machen sich für fairen Handel stark. Foto: Harald Krömer

Aachen. Von „unglaublichen Sachen” weiß Fritz Bock zu berichten. Von schwangeren Frauen in Nicaragua, die unter Aufsicht zur Abtreibung gezwungen werden, um in der Bekleidungsindustrie keinen Produktionsrückgang zuzulassen.

Oder von Schneiderinnen, die für die Mitherstellung eines Sportschuhs, der im europäischen Handel hundert Euro kostet, selbst nur 40 Cent erhalten. Die Liste ist lang, und Bock geht dagegen vor. Er ist im Aachener Weltladen engagiert und setzt sich seit Jahren für fairen Handel ein, aktuell mit der Ausstellung „Trikottausch - Die zwei Seiten der internationalen Sportbekleidungsproduktion” im Cinekarree-Kino, Borngasse 30. Bis zum 4. Juni ist sie auf der zweiten Etage zu sehen.

Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika holte das Bündnis Fairhandel(n) in Aachen, zu dem neben dem Eine Welt Forum Aachen und der Verbraucherzentrale NRW unter anderem auch der Aachener Weltladen gehört, die Wanderausstellung des entwicklungspolitischen Münsteraner Vereins Vamos in die Kaiserstadt.

Auf Stellwänden wird verständlich gemacht, woher die Trikots stammen, mit denen sich Fußballbegeisterte schmücken, wer wieviel in der Produktion verdient und was getan werden kann, um für verbesserte Arbeitsbedingungen in Ländern wie China und Rumänien zu sorgen. Dort gebe es keine Arbeitsplatz- und sozialen Absicherungen und auch keine entsprechende Entlohnung, sagt Bock. „Die großen Hersteller scheren sich nicht um so etwas wie Arbeitszeiten. Die wollen nur mit guten Zahlen glänzen.”

Mit der Ausstellung will das Bündnis aufrütteln und zu einem veränderten Kaufverhalten beitragen. Abseits von einer weit verbreiteten „Schnäppchenjagd” soll der soziale und ökologische Gedanke beim Konsum geschult werden. „Fairer Handel ist ein Muss”, stellt die Koordinatorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit im Eine Welt Forum Aachen, Mona Pursey, unmissverständlich klar. „Es ist Zeit, Flagge zu zeigen und den Gedanken in der Kommune zu verankern.”

In der Verantwortung sieht Ulrich Isfort von der Verbraucherzentrale dabei auch die Stadt, denn die habe Vorbildfunktion. Das sieht auch Bürgermeisterin Hilde Scheidt so. Der Ratsantrag zur Bewerbung um das Prädikat einer „Fairtrade-Stadt” sei von den Grünen vorbereitet worden und würde zur Zeit kommuniziert. Das Ziel: durch Vorantreiben des fairen Handels ein Zeichen für eine gerechtere Welt setzen. Scheidt spricht aber auch jeden einzelnen Bürger an: „Die Verbraucher müssen sich ihrer Macht bewusst werden.” Wenn sie die Richtung vorgeben, müssten die Hersteller nachziehen, so Scheidt.

Einen Aktionstag im Rahmen der Ausstellung gibt es am Donnerstag, 27. Mai. Zwischen 16 und 18.30 Uhr wird es ein Street-Soccer-Turnier für Kinder und Jugendlichen geben. Zudem sind Infostände aufgebaut, an denen man zum Beispiel selbst einmal versuchen kann, mit Werkzeug und Material einen Lederball zu nähen.

„Wir wollen einfach eine Öffentlichkeit für die Ausstellung schaffen”, sagt Wilfried Wunder, Referent für Internationale Solidaritätsarbeit im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Unterstützen soll dabei auch ein Quiz, dessen Antworten in der Ausstellung zu finden sind. Signierte Bälle und Trikots winken als Preise. Außerdem gibt es zwei Filmvorführungen von „Deutschland. Ein Sommermärchen” am 31. Mai und 2. Juni.
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