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Ausstellung: „Kunst, Karikatur und Kitsch im Ersten Weltkrieg”

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Klaus Schulte (Bild) und Peter Sardoc haben die Ausstellung „Kunst, Karikatur und Kitsch im Ersten Weltkrieg” organisiert. Sie wurde jetzt in der Stadtbibliothek eröffnet. Foto: Harald Krömer

Aachen. Damals konnten Kriege offensichtlich noch mit Spaß an der Freud´ begonnen und geführt werden: Als im August 1914 das große Gemetzel an den verschiedenen Fronten losging, ergoss sich in allen beteiligten Ländern eine solche Flut von verherrlichender Propaganda auf Soldaten und Daheimgebliebene, dass man heute fassungslos davorsteht.

Jedenfalls erging es so vielen Besuchern, die zur Eröffnung der Ausstellung „Kunst, Karikatur und Kitsch im Ersten Weltkrieg” in die Stadtbibliothek gekommen waren.

Das bewährte Team Klaus Schulte und Peter Sardoc, das sich in der Vergangenheit eher mit Theatergeschichte beschäftigt hat, präsentiert eine gruselige Mischung aus Kaiser- und Hindenburg-Devotionalien, sentimentalen Postkarten mit Darstellungen von Abschiedsschmerz und Heldentod bis hin zu harmlosem Geschirr - auch auf Tassen, Untertassen, Tellern und Aschenbechern wimmelt es von Feldherren und Eisernen Kreuzen.

Damals erschienen sogar Kinderbücher, die nur ein Ziel hatten: patriotisches Pathos zu transportierten - „nun nehmt die Büchse in die Hand”, werden die Kleinen da angedichtet.

„Fremd geworden”

Überhaupt die (Dicht-)Kunst: Viele Schriftsteller, und nicht nur die zweitklassigen, überschlugen sich geradezu vor Vaterlandsbegeisterung, ein Verhalten allerdings, das sie von der großen Mehrzahl der Zeitgenossen nicht unterschied. Schulte in seiner Einführung: „Das ist uns alles fremd geworden, aber belächeln sollte man es nicht. Unsere Groß- und Urgroßeltern wussten noch nichts vom Zweiten Weltkrieg, von den Konzentrationslagern”, auch Atombombe, Vietnam- und Irak-Krieg seien noch fern gewesen.

Zur psychologischen Kriegsführung gehörte vor mehr als 90 Jahren an vorderster Stelle die Karikatur, mit deren Hilfe vor allem der Gegner verunglimpft werden sollte. Die Ausstellung wartet mit einer Reihe solcher Erzeugnisse auf, wobei festzustellen ist, dass die Deutschen es eher harmlos und bieder angehen ließen, etwa im Vergleich zu den Engländern, die gerne schon mal mit abgeschlagenen Kinderhänden arbeiteten.

Schließlich sind in der Stadtbibliothek auch allerlei Kitschprodukte zu besichtigen, wobei die Definition von Kitsch nach wie vor Geschmackssache ist. Er diente gleichwohl demselben Zweck wie Kunst und Karikatur: das Volk auf den Krieg einzustimmen und bei der Stange zu halten.

Neue Präsentation

Mit der neuen Präsentation, die ihren Gegenstand in konzentrierter Form behandelt, knüpfen die Initiatoren an ihre Ausstellung „Finale im Westen” an, die Ende vergangenen Jahres im Kreishaus zu sehen war und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterstützt wurde. Schulte: „Das Massenmorden fand nicht nur auf den Schlachtfeldern statt.”
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