Aus der kühnen Brückenkonstruktion am Tivoli wird nichts

Von: Heiner Hautermans
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Es hat nicht sollen sein: Dieser kühne, aber komplizierte Entwurf eines Aachener Architekturbüros wird nicht verwirklicht. Am Ende waren es hohe Stahlpreise, die den schon zweimal aufgestockten Kostenrahmen endgültig aus dem Ruder laufen ließen. Grafik: Archiv

Aachen. Der Entwurf war ambitioniert, aber er stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Nach einer erneuten Kostensteigerung ist die elegante Brücke über die Krefelder Straße samt 65 Meter hohem Pylon („Klenkes”) zu den Akten gelegt worden.

Am Dienstag wurden die Fraktionen offiziell davon unterrichtet, dass das Ergebnis der Ausschreibung noch einmal rund 20 Prozent über der letzten Schätzung lag, und die war schon zweimal nach oben korrigiert worden. Ein Mitarbeiter der Bauverwaltung brachte den Sachverhalt auf den Punkt: „Die Kosten schießen durch die Decke.”

Vor Weihnachten schon wusste die Verwaltungsspitze von dem Desaster und beschloss, die Notbremse zu ziehen, vorsichtshalber aber politische Rückendeckung einzuholen. Die wurde, schweren Herzens zwar, auch erteilt. Grünen-Fraktionssprecher Michael Rau, selbst Architekt: „Das ist bitter. Städtebaulich wäre es eine tolle Lösung gewesen. Aber angesichts der Gesamtlage ist es nicht vertretbar.” Schließlich könne man nicht im Wissen um die kritische finanzielle Situation in den nächsten beiden Jahren ein derart riskantes Vorhaben billigen. „Wir tragen die Mehrkosten nicht mit. Das ist politisch nicht vertretbar.” Das ganze Verfahren sei „etwas unglücklich gelaufen”.

Norbert Plum, Bauexperte der SPD-Fraktion, assistiert: „Irgendwann ist Ende der Fahnenstange.” CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal: „Das wird von uns voll mitgetragen.” Schon bei der letzten Entscheidung hätten sich einige Ratsmitglieder der CDU enthalten: „So schön der Entwurf war, man muss auch pfleglich mit dem Geld umgehen.”

Gemischte Gefühle auch bei Gisela Nacken, Planungs- und Umweltdezernentin: „Ich bedaure ausdrücklich diesen Schritt, aber aufgrund der aktuellen Haushaltslage bleibt uns leider keine andere Wahl, als jetzt die Reißleine zu ziehen. Die Brücke wäre ein Blickfang gewesen, aber wir haben das Geld auch nicht.”

Ursprünglich waren für die komplizierte Konstruktion 1,35 Millionen Euro veranschlagt, die nächste Schätzung belief sich auf 1,65 Millionen Euro. Im September stellte sich heraus, dass auch dieser Betrag nicht reichen würde; im Rat wurden zähneknirschend 800.000 Euro Nachschlag gegenüber dem ersten Ansatz bewilligt. Dezernentin Nacken: „Schon beim letzten Mal war es schwer, die Fraktionen zu überzeugen.” Und als nun das günstigste - von fünf - Angeboten bei 2,35 Millionen Euro endete, schrillten alle Alarmglocken. Nacken: „Locker 20 Prozent über dem Kostenansatz.”

Wie geht es nun weiter? Nacken: „Wichtig ist, dass die Fußgänger sicher über die Straße kommen.” Besonders natürlich bei den Heimspielen der Alemannia, nach denen Tausende von Fans die Ausfallstraße queren. „Kann man das mit genügend Personal und Sperrgittern machen, oder müssen wir doch eine Brücke nehmen”, fragt sich Gisela Nacken, die nicht unglücklich ist, dass im Fußballbetrieb derzeit Winterpause herrscht. „Das wird dann eine einfachere und preiswertere Konstruktion sein müssen.” Und CDU-Fraktionschef Baal: „Wir müssen sehen, wie es in der Praxis funktioniert.” Immerhin sei im Bebauungsplan eine Brücke vorgesehen.

Zuschuss entfällt

Wobei es durchaus keine Besonderheit ist, dass Kosten für Baumaßnahmen in die Höhe schießen. „Das hängt mit den Konjunkturpaketen zusammen”, vermutet Grünen-Ratsherr Michael Rau: „Wir erleben es überall, dass Ausschreibungen teurer werden.” Mit der Entscheidung entfallen 560.000 Euro, die vom Land für die Fahrradnutzung der Brücke zugesagt worden waren. Insgesamt investiert die Stadt fast zehn Millionen Euro in die Umgestaltung rund um den neuen Tivoli.
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