Aus dem Stangengewirr wird eine Tribüne für die Kurpark-Classix

Von: Martina Feldhaus
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Puzzlearbeit: Gestern schraubt
Puzzlearbeit: Gestern schraubten Bühnenbauer im Kurpark in der schwülen Mittagssonne die Tribüne für 1350 Sitzplätze zusammen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Äußerlich wirkt Detlev Beaujean eigentlich ganz entspannt. Obwohl sein Handy minütlich klingelt. Obwohl es um ihn herum zugeht wie auf einem Ameisenhaufen. Doch innen drin, gesteht er, siehts anders aus. „Die große Erleichterung kommt erst nächsten Dienstag, wenn der Park wieder leer ist.”

Beaujean ist stellvertretender technischer Direktor des Theaters Aachen und einer der Verantwortlichen für den Aufbau des Areals für die Kurpark-Classix.

Mit Veranstalter Christian Mourad und Veranstaltungstechniker Maxx Kaiser überwacht und begleitet er die Arbeiten im Stadtpark, die seit Montagfrüh laufen. Innerhalb von drei Tagen muss alles stehen - die imposante Bühne für bis zu 130 Musiker, eine Tribüne mit 1350 Sitzplätzen, die gesamte, auf das Klassik-Ereignis abgestimmte Ton- und Lichttechnik, sämtliche Absperrungen, die Toilettenanlagen, Bierwagen und vieles mehr. Es ist ein Kraftakt, den täglich bis zu 40 Bühnenbauer, Techniker und Helfer in diesen Tagen vollbringen. In zeitlicher Hinsicht ebenso wie in Sachen Koordination und Kondition.

Nicht zuletzt bei dem schwülen Wetter, das in Aachen seit dem Wochenende herrscht. „Das ist aber definitiv besser als Regen. Wir hoffen, dass es diese Woche noch warm und trocken bleibt. Die Veranstaltung ist einfach extrem wetterabhängig”, sagt Beaujean. Die Zeichen stehen für die Kurpark-Classix jedenfalls gut, gab es in fünf Jahren doch nur ein verregnetes Konzert: der Familienvormittag im letzten Jahr.

Und so gelang es den Bühnenbauern auch, die riesige Plane im trockenen Zustand über die Metallbögen der Bühne zu ziehen. Die thront wie gewohnt über dem Brunnen. Auch andernorts im Park, dessen Wiese an einigen Stellen einen ziemlich ausgedörrten Eindruck macht, wird kräftig gewerkelt. Überall stehen Gitterboxen mit reichlich Material herum, Metallstangen türmen sich am Hang, Stapel mit Holzplatten warten darauf, verbaut zu werden. Die Sitztribüne wächst langsam in Richtung Bühne. Die Infrastruktur für drei Tage Open-Air-Musik nimmt Gestalt an.

„In diesen Tagen sieht alles erstmal chaotisch aus”, sagt Beaujean. „Ich wundere mich selbst immer aufs Neue, wie schnell am Ende alles steht.” Angesichts der Materialmenge, die in diesen Tagen nach Aachen gebracht wird, ist das tatsächlich beeindruckend. 16 große Sattelzüge liefern insgesamt 40 Tonnen Stahl an. Rund zehn Kilometer Kabel werden verlegt und 120 Scheinwerfer installiert.

Kein alltägliches Brot

Selbst für Bühnentechniker Maxx Kaiser, der unter anderem europaweit Musical-Tourneen betreut, sind Veranstaltungen mit solchem Equipment kein alltägliches Brot: „Es handelt sich hier schon um ein besonderes Event, das hochwertige Technik braucht.” Und Beaujean ergänzt: „Die Tonanlage muss wirklich klassikfähig sein, damit auch die Wiesenplätze vernünftig beschallt werden können.” Damit mit der Akustik wieder alles stimmt, haben er und Mourad erneut Moritz Bergfeld, Professor für Sound Design an der Hochschule Darmstadt, engagiert. Die Kosten müssen die Classix-Veranstalter jedoch jedes Jahr aufs Neue genau im Auge behalten. „Uns sind schon einige wichtige Sponsoren weggebrochen, wie Bombardier oder Takeda Pharma”, erklärt Beaujean. „Glücklicherweise konnten wir den Rahmen bisher beibehalten. Wir sind zuversichtlich, dass das auch in Zukunft geht.”

Vorerst gibt es auf jeden Fall wie gewohnt drei Tage Freiluft-Klassik, angefangen von der „Night of the Opera” am Freitag, bei der Kazem Abdullah erstmals als neuer Generalmusikdirektor in Erscheinung tritt, über „Classix for Friends” mit Annett Louisan am Samstag bis zum Familienkonzert mit Malte Arkone und der „Last Night” am Sonntag. Karten gibt es noch beim Media Store der „Nachrichten”, Großkölnstraße 56.
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