Aachen - Aus dem Bendbesuch wurde eine Entführung

Aus dem Bendbesuch wurde eine Entführung

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Zum zweiten Mal ist am Mittwoch vor der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht die Anklage gegen den mutmaßlichen Entführer der kleinen Dilara, Ribwar K. (34), verlesen worden. Denn auch hier wie an anderen Stellen der Stadt hatte der Grippevirus zugeschlagen, die Kammer musste in neuer Besetzung den Prozess wieder von vorne beginnen.

Der Angeklagte war am 17. August 2012 mit der ältesten Tochter seiner Ex-Lebensgefährtin und gleichzeitigen Mutter eines gemeinsamen Kleinkindes für mehr als zwei Wochen im Rhein-Main-Gebiet verschwunden. Erst am 31. August stellte ein Sonderkommando der Polizei in Eschweiler Ribwar K. mit der fünfjährigen Dilara, die Behörden gingen von einer Geiselnahme aus.

Inzwischen sind Kindesentzug und diverse Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz angeklagt. Am Mittwoch nun gab der Angeklagte über Verteidiger Osama Momen (Aachen) eine Erklärung zu den ihm zur Last gelegten Vorwürfen ab. Danach habe sein Mandant, so Momen zum Vorsitzenden Richter Roland Klösgen, die Fünfjährige an besagtem Tag „zufällig“ im Frankenberger Viertel angetroffen. Sie sei dort auf dem Radgepäckträger eines anderen Kindes mitgefahren. Er habe sie angesprochen und bemängelt, dass das Rad kaputt sei und die Kinder keinen Helm trügen. Er habe sich Sorgen um sie gemacht.

Später dann sei Dilara freiwillig mit ihm zum Sommerbend gegangen. Für das Kind sei er wie ein Vater gewesen, deshalb könne von Zwang keine Rede sein. Erst als ihn am Abend ein Freund angerufen und berichtet habe, die Polizei suche nach ihm und dem Kind, habe er Angst bekommen. Er sei dann mit einer Mitfahrgelegenheit nach Ludwigshafen gefahren.

Dilaras Mutter hatte sich trotz des gemeinsamen Kleinkindes von K. getrennt und ihm per Gerichtsbeschluss verbieten lassen, bei ihr aufzutauchen. Mit ihr zusammen hat der Angeklagte eine heute dreijährige Tochter.

Im Zusammenleben habe sich K. immer gut und „liebevoll“ um alle Kinder gekümmert, gab Michaela K. an. Das sei nicht das Problem gewesen, erklärte die 30-Jährige im Zeugenstand. Das Problem waren nach ihrer Schilderung die drei verschiedenen Väter, die sich „dauernd in die Haare bekamen“, wann und wer zu welcher Zeit sein Kind habe besuchen oder abholen dürfen. Ribwar K. habe versucht, da einzugreifen – und das Chaos noch vergrößert. Darüber sei alles kaputt gegangen. Der Prozess geht am 25. Februar weiter.

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