Aachen - Aus „Aber anders” wurde „Nein danke”

Aus „Aber anders” wurde „Nein danke”

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Tristesse am Kaiserplatz: Sogar das riesige Bauschild ist verschwunden, soll aber wieder ersetzt werden. Die Bürgerinitiative verschärft ihre Kritik an dem Riesenprojekt und hat einen „Aachener Appell” an OB und Stadtrat gerichtet. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Der Schaden fürs Viertel wird jeden Tag größer, und niemand schreitet ein” - die Kritiker der geplanten Kaiserplatz-Galerie sind am Ende ihrer Geduld. Mit einem „Aachener Appell”, der auf Anhieb um die 50 Erstunterzeichner fand, wollen sie nun die Ratspolitiker „aufrütteln” und dazu bringen, das „unwürdige Verfahren” zu beenden.

Geplant ist am Kaiserplatz eine fast 230 Millionen Euro teure Einkaufslandschaft, doch außer Ruinen und Brachflächen ist auch nach jahrelanger Planung nichts zu sehen. Die Gegner des Projekts fürchten, dass dies auch so bleiben wird.

am Donnerstag stellte der Sprecher kreis der Bürgerinitiative „Kaiserplatz-Galerie? Nein danke” ihre neue Marschrichtung vor, wobei zunächst ein Namenswechsel erklärt werden musste: Zuvor hatte die Gruppe „Kaiserplatz-Galerie? Aber anders” geheißen, was signalisieren sollte, dass man sich bei vernünftigen Umplanungen mit dem Vorhaben anfreunden könne. Doch dieser moderate Aggregatzustand ist vorbei.

Horst Schnitzler vom Sprecherkreis der Bürgerinitiative erklärte, vor Jahresfrist sei man noch guter Hoffnung gewesen, dem üblen Lauf der Dinge mit Korrekturen beikommen zu können, doch diese Vorstellung habe sich als trügerisch erwiesen. Der Ratsherr der UWG: „Wir haben zwar Gehör gefunden, aber nichts von dem, was wir angeregt haben, ist umgesetzt worden. Nullkommanull.” Daher sei es logisch, dass man nun eine schärfere Gangart einschlage.

Auch Sprecherkollege Christoph Allemand ist mittlerweile davon überzeugt, „dass das ganze Projekt jetzt schon mehr Schaden angerichtet hat als es jemals Nutzen haben wird”. Allein die zunehmenden Leerstände in Adalbertstraße und Umgebung würden das Viertel schwer in Mitleidenschaft ziehen, von der verlorenen Gewerbesteuer nicht zu reden.

Im Aachener Appell wird denn auch Klartext gesprochen. Die Bürgerinitiative wirft Investor Prof. Hans Kahlen vor, mit ersten Abrissen (darunter der Gloria-Palast) „Sachzwänge” geschaffen zu haben. Kein Wunder also, dass der Rat mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen und FDP im Februar grünes Licht für die Kaiserplatz-Galerie gegeben habe - „Politik und Verwaltung machten sich zu ohnmächtigen Geiseln des Investors”.

Um aus dieser wenig beneidenswerten Rolle wieder herauszukommen, werden der OB und der Rat aufgefordert: „Stoppen Sie diesen Wahnsinn, der zum Verfall eines ganzen Viertels führt. Sorgen Sie dafür, dass das Bauvorhaben ad acta gelegt wird. Bewegen Sie Herrn Kahlen, seine Grundstücke zu einem angemessenen Preis für nützlichere Zwecke zur Verfügung zu stellen.”

Sollte die Galerie doch noch kommen, erwarten die Kritiker einen „ruinösen Verdrängungswettbewerb” zwischen den neuen Mietern am Kaiserplatz und den Einzelhändlern der Innenstadt sowie einen Luft- und Verkehrsinfarkt durch ein überflüssiges Parkhaus. Daher wird schnelles Umsteuern verlangt: Hin zur Entwicklung eines „lebendigen, grünen, wohnlichen und menschenfreundlichen Stadtquartiers.”

Investor Kahlen hat vor kurzem noch erklärt, sein Projekt sei nach wie vor „auf gutem Wege”, trotz nötig gewordener Änderungen bei der Finanzierung. Schon im März solle es mit den Häuserabrissen weitergehen, beginnend in der Beeckstraße.
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