Aachen - Auftrag: Bauen Sie den Domchor wieder auf

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Auftrag: Bauen Sie den Domchor wieder auf

Von: Georg Dünnwald
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Auf seine Arbeit und die Schriften über den Stiftsherrn Johannes Mangon ist Rudolf Pohl besonders stolz. Foto: Dagmar Meyer

Aachen. Rudolf Pohl scheint auf dem ersten Blick ein ernster Mensch zu sein. Vor allem, wenn er fotografiert wird, legt er sein Lächeln ab. Aber im Gespräch bestätigt sich der Verdacht: Der Priester und Kirchenmusiker hat den Schalk im Nacken. Nach der Vormittagsmesse, die der Geistliche am Pala d´Oro, dem goldenen Altar des Aachener Doms, zelebriert, scherzt er mit Domküster Norbert Grzeschik in der Sakristei.

Die Stimmung im ehrwürdigen Gotteshaus ist locker, ja geradezu heiter, da scheint sich sogar der Herrgott im Himmel über ein Wortgefecht der beiden Herren zu amüsieren.

Dabei ist Pohl, der doch so viel für die Aachener Dommusik getan hat, ausgesprochen bescheiden. Eigentlich wollte er keinen Buhei um seinen 85. Geburtstag, den er am Donnerstag feiert. „Hängen Sie das doch nicht an die große Glocke.” Der Ehrendomherr ist ein echter Öcher Jong. Einer, der gleich nebenan in Belgien wohnt, „mein Gartenzaun bildet die Grenze”. Der Herr Papa war Finanzbeamter, „ein aufrechter Katholik, der seinen Sohn auf die Domsingschule schickte.

Schon zwei Jahre später wurde er in den Domchor aufgenommen, dem er bis 1942 angehörte. Dem am 5. November 1924 Geborenen geschah nach seinem Abitur am Kaiser-Karls-Gymnasium das, was vielen jungen Männern seines Jahrgangs passierte. Er wurde eingezogen und als Flugzeugführer ausgebildet. „Mein Gott, so viele sind von uns gefallen”, hakt er den Krieg ziemlich schnell ab. Er kommt schnell auf die Gefangenschaft im französischen Cherbourg zu sprechen. „Uns ging es eigentlich recht gut”, erinnert er sich an das US-Prisoner-of-War-Camp. Dort fiel er einem katholischen Militärdekan auf, der es schaffte, dass Rudolf Pohl schnell nach Hause entlassen wurde.

In Aachen geweiht

Er folgte seiner Berufung, wie er anmerkt. In Paderborn, Frankfurt und Bonn studierte Pohl Philosophie und Theologie, besuchte danach das Priesterseminar in Aachen und wurde am 2. Juni 1951 von Bischof Johannes Joseph van der Velden im Aachener Dom zum Priester geweiht. Es folgten drei Kaplansjahre in Krefeld, von 1954 bis 1959 studierte Pohl dann in Bonn Musikwissenschaft.

Aber schon zu Beginn seines Musikwissenschaftsstudiums holte der damalige Domkapellmeister Theodor Bernhard Rehmann den begeisterten jungen Musiker an den Aachener Dom. Sein Spezialauftrag: Pohl sollte den Knabenchor wieder aufbauen und für die Wiedererrichtung der Domsingschule sorgen. Sein Verdienst ist es also, dass der Traditionschor, dessen Geschichte auf die Choralschola Karls des Großen zurückgeht, nach den Kriegsjahren wieder enorm an Bedeutung gewonnen hat und auch die Domsingschule als eigenständige private katholische Grundschule erfolgreich existiert.

Große Anerkennung

1959 promovierte Pohl an der Bonner Friedrich-Wilhelm-Universität zum Dr. phil., seine Dissertation war eine musikwissenschaftliche Arbeit über die Chorwerke des 1567 bis 1577 in Aachen tätigen Stiftskapellmeisters Johannes Mangon. 1963 wurde Pohl Nachfolger von Rehmann als Domkapellmeister. Große Anerkennung erhielt er 1985, als er in Rom zum Präsidenten des „Consociatio Internationalis Musicae Sacrae” gewählt wurde, des einzigen päpstlichen Fachverbandes für Kirchenmusik.

Bis 1986 leitete Poth die Dommusik, seither lebt er im Ruhestand, schreibt aber nach wie vor musikwissenschaftliche Arbeiten. Beispielsweise über Johannes Mangon.
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