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Aufgetaucht: Ein neues Stück Barbarossamauer

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Lange gehalten: In der Prinzenhofstraße ist bei Kanalbauarbeiten ein Stück Barbarossamauer freigelegt worden. Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic (vorne) und Mitglieder des Archäologischen Arbeitskreises dokumentieren zurzeit den Fund aus dem 12. Jahrhundert. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das gute Stück war ungefähr 2500 Meter lang, fast kugelrund und aus dauerhaftem Material - kein Wunder also, dass man in Aachens Untergrund immer mal wieder auf die sogenannte Barbarossamauer trifft, die innere Stadtumwallung vom Ende des 12. Jahrhunderts.

Jetzt war es wieder so weit: Bei Kanalbauarbeiten in der Prinzenhofstraße trat erneut ein Teil des uralten Steingürtels zutage, von den Archäologen freudig begrüßt und sorgfältig begutachtet. Was mit den Relikten geschehen soll, steht noch nicht so genau fest.

Zuschütten oder „schonend” abtragen?

Wie immer, gibt es zwei Möglichkeiten: den Fund dokumentieren und wieder zuschütten oder „schonend abtragen”, so Markus Pavlovic, seit Oktober vergangenen Jahres zweiter Stadtarchäologe. Wofür man sich am Ende entscheidet, hängt auch etwas von den Gesamtumständen am Fundort ab - es ist nicht das erste Mal, dass dieser Teil der Mauer wieder das Tageslicht sieht. Schon mehrfach scheint hier gebuddelt worden zu sein, denn quer durch die Mauer führt eine Wasserleitung, unter ihr liegt der Kanal.

Ein bis zwei Tage benötigen die Fachleute noch, um die Mauerreste in der Prinzenhofstraße unter die Lupe zu nehmen. Tatkräftig unterstützt wird die Stadt dabei von Mitgliedern des Archäologischen Arbeitskreises, „ohne ihre Mithilfe wäre das nicht zu schaffen” (Pavlovic).

Die Arbeitspausen für den Bauherrn Stawag sollen so kurz wie möglich ausfallen, aber es gilt auch hier der Grundsatz: Die Wissenschaft steht im Vordergrund. Zu besichtigen ist in der Prinzenhofstraße, dass es sich bei der Barbarossamauer um eine preiswerte, dennoch stabile Form von Stadtbefestigung handelte: Auf beiden Seiten wurde ordnungsgemäß hochgemauert, der Zwischenraum dann mit Steinen gefüllt und mit Mörtel vergossen. Zum Einsatz kamen Mergelstein, Grauwacke und Blaustein aus zumeist örtlicher Produktion. Die Dicke der Mauer schwankte zwischen 1,50 und 2,50 Meter. Reste sind vor allem am Templergraben erhalten geblieben, auch an Seilgraben und Minoritenstraße; an anderen Stellen (Pontstraße, Elisenbrunnen) verweisen Pflastermarkierungen auf den Verlauf des Abwehrbollwerks.

Flott hochgezogen

Begonnen mit dem Bau wurde 1172 auf Geheiß von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, als Gegenleistung für die Erteilung des Münz-, Markt- und Stadtrechts. Der später sehr berühmte Monarch verlangte von den Öchern, sich zu beeilen - innerhalb von vier Jahren sollte die Mauer stehen. Wovon denn bezahlen so ein Riesending, meckerten die damals schon allen Neubauten gegenüber skeptischen Aachener. Worauf der Kaiser laut Pavlovic geantwortet hat: „Das war nicht das, worüber wir gesprochen haben.” Es ging dann auch flott voran.

Vor der inneren Stadtmauer wurde noch ein anständiger Graben angelegt, fünf Meter tief, 25 Meter breit, aber aus topografischen Gründen nur zum Teil mit Wasser gefüllt. Überlebt hat das Gebilde nur auf Straßenschildern, da es komplett überbaut wurde und heute als Grabenring dem Verkehr dient.

Derweil freuen sich die Archäologen auf den nächsten Großeinsatz: Gleich um die Ecke, auf dem Parkplatz (früher Brot-Schneider), wird die neue Mensa des benachbarten Gymnasiums St. Leonhard errichtet. Diese Baustelle liegt dem Herzen der Stadt schon wieder ein Stück näher, und entsprechend hoch sind die Erwartungen an den Untergrund. Pavlovic: „Wir rechnen mit gleich mehreren Siedlungsschichten, eventuell geht es runter bis in die Römerzeit.”

Mit der Bauleitung ist abgesprochen, dass die Archäologen anderthalb Monate Vorlauf erhalten, um die Lage zu sondieren. Nach Abtragen der Deckschicht soll Anfang März mit den Ausgrabungen begonnen werden. Seit den Kriegsverwüstungen ist das Terrain nicht mehr bebaut; bekannt ist unter anderem, dass sich in früheren Zeiten am Nordende ein Kloster befunden hat.
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