Aufatmen in der Citykirche: Nach neun Monaten Wiedereröffnung

Von: Heiner Hautermans
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Freuen sich über das stilvoll
Freuen sich über das stilvoll restaurierte Hauptschiff: die Architekten Mathias Paulssen und Axel Maria Schlimm, Ingeborg Heck-Böckler (Amnesty), Gerd Mertens, Dieter Spoo, Sylvia Engels (v. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Es ist ein freudiger Anlass. Neun Monate, nachdem unsere Kirche durch einen Brand unbrauchbar geworden ist, können wir wieder loslegen.” Dieter Spoo, (katholischer) Pastoralreferent an der Citykirche, machte nach harten Zeiten („Es hat viele Verhandlungen mit der Versicherung gegeben”) am Dienstag einen gelösten Eindruck.

Gleichzeitig will man mit der Wiedereröffnung des größten Teils des in der Neujahrsnacht durch eine Rakete angezündeten Gotteshauses ein Zeichen setzen. Die Wiederinbetriebnahme findet nämlich statt am Dienstag, 27. September, dem Tag des Flüchtlings. Gerd Mertens vom Büro der Regionaldekane: „Wir wollen das Schicksal der Flüchtlinge eng mit der Kirche verbinden.” Das Christentum habe nämlich auch eine Asylfunktion, ergänzt die (evangelische) Pfarrerin Sylvia Engels: „Die Menschenfreundlichkeit steht in der biblischen Tradition.”

Anlässlich der aktuellen Umwälzungen in Nordafrika und den sich häufenden Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer will man diese oft verdrängte Not von Zigtausenden in dem ökumenischen Gottesdienst um 19 Uhr thematisieren, in Zusammenarbeit mit Amnesty International, dem Katholikenrat und der Region Aachen-Stadt. Danach wird zum Gespräch und einem kleinen Imbiss mit musikalischer Begleitung eingeladen.

Allein in die Nachbarstaaten Libyens seien in den vergangenen Monaten knapp eine Million Menschen geflohen. Gleichzeitig habe das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen nur 900 Plätze im Rahmen der freiwilligen Neuansiedlung, dem sogenannten Resettlement, gefunden. Die Bundesregierung habe die Aufnahme von Flüchtlingen aus Libyen abgelehnt, deshalb wolle man in Aachen Ja sagen, zumal man gute Erfahrungen mit der Unterstützung von 30 irakischen Flüchtlingen gemacht habe.

Der größte Teil der Nikolauskirche ist also in wenigen Tagen wieder offen für alle Menschen, hell gestaltet und stilvoll restauriert. Handwerker legen noch letzte Hand an, bessern etwa Fehlstellen der Fresken aus dem 19. Jahrhundert auf den Seitenwänden aus. Ein kleiner, durch eine Wand abgetrennter Teil des Gotteshauses, knapp ein Viertel, wird weiter Baustelle bleiben. Wer den Chorraum durch eine Türe betritt, erahnt das ganze Ausmaß der Zerstörung, die ein von Jugendlichen abgefeuerter Knallkörper angerichtet hat.

1200 Grad Hitze entstand durch den Brand. Sandstein wurde zu Glas und brach, Putz platzt jetzt noch von den Wänden. Immer noch ist nicht klar, ob und wie tief das Gewölbe erneuert werden muss. Da wartet man auf das Ergebnis chemischer Analysen. Bis zu eineinhalb Jahre werden die Arbeiten zur Wiederherstellung dauern, glaubt Architekt Mathias Paulssen. Und komplizierter als gedacht ist die Zukunft des fast völlig verbrannten Hochaltars. Er ist in der Substanz nicht wiederherstellbar, ergaben Untersuchungen. Nun soll er abgebaut und eingelagert werden, da er weiteren Arbeiten im Wege stehen würde. Noemi Welter, Architektin des Bistums Aachen: „Wir wollen so sanieren, dass die Kirche für die nächsten 500 Jahre hält.”

Den jungen Leuten, die den Millionenschaden verursacht haben, ist die Polizei nicht auf die Spur gekommen. Sprecher Paul Kemen: „Die Hinweise, die gekommen sind, haben nicht zur Ergreifung der Täter geführt.” Am Samstag, 24. September, 18 Uhr, findet quasi als Generalprobe und in Zusammenarbeit mit der Aachener SPD eine Podiumsdiskussion zum Thema pränatale Implantationsdiagnostik in der Citykirche statt. Das Thema lautet: „Welche Kinder wollen wir?”
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