Auf zwei Wohnungen verzichtet

Von: Heiner Hautermans
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Die auf der Fotosimulation rechts noch vorgesehene dritte Etage entfällt, zwei Dachwohnungen auf dem Südflügel des künftigen Redarius-Quartiers, benannt nach einer ehemals dort untergebrachten Kutschenmanufaktur, werden nicht verwirklicht. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist ein ungewöhnliches Projekt, und es beschäftigt die Gemüter schon seit Jahren: der Umbau des Gregorius-Hauses am Lousberg in eine hochwertige Wohnanlage. Vor Jahren schon gab es Zank um eine rund 60 Jahre alte Zeder, die einer geplanten Tiefgarage weichen muss.

Anwohner klagten gegen die Abrissgenehmigungen für Teile der vierflügeligen Anlage, doch die Stadt obsiegte vor Gericht. Die Befürchtungen der Nachbarn sind immer noch nicht zerstreut. Sie halten die Bebauung für monströs und befürchten eine tiefgreifende Veränderung der Wohnsituation für die unmittelbaren Nachbarn der ehemaligen Hochschule für Kirchenmusik im Karree zwischen Weyhestraße, Nizzaallee, Ludwigsallee und Lousbergstraße.

Verschlechterungen erwarten die Beschwerdeführer auch durch die zu erwartende Verkehrssituation, die „in augenfälliger Situation alle umweltpolitischen Bemühungen, Planungen, Entscheidungen und Vorschriften der Stadt, der Landes- und Bundesregierung sowie der EU ab absurdum führt”. Eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden will: „Es geht darum, unsere Rechte zu wahren.” Deshalb hat man sich an den SPD-Landtagsabgeordneten Karl Schultheis gewandt, der das Thema in der nächsten Woche, am 15. September, im Petitionsausschuss des Landtags und im Bürgerforum des Landtags zur Sprache bringen wird.

Die ganze Aufregung kann der Investor, Christoph Irmisch, nicht nachvollziehen. Seine Interboden-Gruppe aus Ratingen habe das Projekt 2010 von der Gregorius GmbH übernommen, mit den Genehmigungen für die Umgestaltung der Gebäude in 37 hochwertige Wohnungen und der Errichtung einer Tiefgarage mit 51 Plätzen. Es gehe lediglich um zwei zusätzliche Penthouse-Wohnungen auf dem Südflügel (zur Lousberg-straße hin), die er errichten wollte und für die er Vorstöße bei den Nachbarn gemacht habe, weil er dann deren Einverständnis gebraucht habe.

Dafür habe man fotorealistiche Darstellungen angefertigt, weil man damit gute Erfahrungen gemacht habe und erwartete, dass die Nachbarn diese ansprechend finden würden. Schnell aber sei klar gewesen, dass die Top-Wohnungen auf Ablehnung stoßen, deshalb habe er vor seinem Urlaub schweren Herzens beschlossen, auf diese Wohnungen zu verzichten: „Wir haben erkannt, dass das nicht gewünscht ist. Es ist aber auch eine verpasste Chance.”

Der Architekt und Projektentwickler berichtete, dass er immer wieder erlebe, dass gute Ansätze nicht verwirklicht werden könnten, weil sich Protest in der Umgebung erhebe. Er bedaure, dass die Fronten am Lousberg so verhärtet seien und die Nachbarn sich nicht von den Vorteilen der architektonischen Gesamtlösung überzeugen ließen: „Jeder konnte kommen und sich die Details ansehen.” Das sei aber nicht geschehen. „Wir verletzen keine Abstandsflächen.”

Die Entkernungs- und Abrissarbeiten haben inzwischen begonnen. Entstehen sollen bis Mai 2013 - wie berichtet - 37 Wohnungen zwischen 65 und 197 Quadratmetern, für 190 000 bis 600 000 Euro. 14 Wohnungen sind schon fest reserviert, die Nachfrage sei wegen der anstehenden Erhöhung der Grunderwerbssteuer groß.

Investiert werden insgesamt etwa 15 Million Euro. An manchen Stellen werde sogar rückgebaut, etwa zur Weyhestraße hin, wo der Bürgersteig einen halben Meter breitert werde, auch werde ein fast 1300 Quadratmeter großer Innenhof mit einem kleinen Wasserlauf gestaltet. Das Fällen der Zeder sei zur Errichtung der Tiefgarage notwendig, weil sonst 20 Stellplätze weniger gebaut werden könnten. Durch die Schaffung der Stellplätze komme es nicht zu einer Verschlechterung, sondern Verbesserung der Verkehrssituation im Viertel, weil die Pkw ja sonst im öffentlichen Verkehrsraum abgestellt weden müssten.

Im Übrigen sei die Fällgenehmigung teuer erkauft werden. Dafür habe man eine Ausgleichszahlung von 20 000 Euro gezahlt. Außerdem sei die Zeder für Aachen kein artentypischer Baum und habe man die Fällgenehmigung übernommen: „Die Frage stellt sich nicht mehr. Demokratie finde ich gut, Mitsprache finde ich gut, es gibt aber auch Grenzen.”
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