Aachen - Auf jeden Berater kommen 45.000 Schuldner

Auf jeden Berater kommen 45.000 Schuldner

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mehr als ein halbes Jahr mussten Interessenten im vergangenen Jahr warten, bevor sie einen Termin bei der Schuldnerberatung bekamen.

Die Aachener Beratungsstellen wurden der großen Nachfrage kaum noch gerecht. Denn eigentlich sollte rein rechnerisch ein Berater auf 25.000 Einwohner kommen, in Aachen ist das Verhältnis aber eins zu 45.000.

Die Folge sind lange Wartelisten und eine Überlastung der Schuldnerberater. Jeder einzelne von ihnen musste im vergangenen Jahr 133 Fälle betreuen. Wünschenswert wären 80. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 764 Menschen beraten. Jetzt soll ein neues Konzept zu einer Optimierung der Beratung beitragen. Darüber hinaus wird eine zusätzliche sechste Stelle eingerichtet und insgesamt mehr Geld investiert. Statt bisher 68.200 Euro sollen nun 73.150 Euro pro Stelle gezahlt werden.

Bislang wurde jeder Schuldner individuell beraten. Die Schuldnerberatung Aachen und die Diakonie haben jetzt ein Konzept entwickelt, nach dem ein Großteil der Informationen in Gruppenveranstaltungen mit bis zu 20 Teilnehmern gegeben werden.

„Dort werden allgemeine Fragen geklärt, ohne dass der Schuldner seinen eigenen Fall offenbaren muss”, erläutert Günter Schabram, Leiter des Fachbereichs Soziales und Ausländerwesen. Im Kreisgebiet habe man mit solchen Gruppenveranstaltungen hervorragende Erfahrungen gemacht, sagt er.

Der Schuldner nimmt zunächst Kontakt mit der Beratungsstelle auf. In einem Erstgespräch sichtet der Berater Unterlagen und macht sich ein Bild von der Situation des Schuldners. Falls die Lage kritisch ist, interveniert er sofort.

Spätestens acht Wochen nach dem ersten Gespräch muss der Schuldner an einer Infoveranstaltung teilnehmen. Dabei geht es um Themen wie Zwangsvollstreckung, Pfändung, Budgetplanung und Möglichkeiten der Schuldenregulierung.

Vier Wochen nach dieser Infoveranstaltung steht das Thema Verbraucherinsolvenzverfahren auf dem Programm. Hier werden Themen wie außergerichtliche Einigungsversuche, Schuldenbereinigungsplan und Verbraucherinsolvenzverfahren besprochen. Erst danach wird in der Einzelberatung die individuelle Situation der Klienten besprochen.

„Erfolgreich sein kann die Schuldnerberatung aber nur, wenn der Betroffene aktiv mitarbeitet”, betont Günter Schabram. Die Beratungsstellen leisteten Hilfe zur Selbsthilfe und könnten die Probleme der Klienten nicht an deren Stelle lösen. Ihre aktive Mitarbeit sei unverzichtbar. Auf Unterstützung können die Schuldner dann aber jederzeit rechnen: der Berater begleitet sie etwa bei Gesprächen mit der Bank, den Gläubigern oder dem Arbeitgeber.

Von dem neuen Konzept verspricht sich Günter Schabram verkürzte Wartezeiten. Zunächst soll die derzeitige Warteliste auf ihre Aktualität geprüft werden. Die Beratungsstellen hoffen, mit dem neuen Konzept und einer zusätzlichen Stelle die Wartezeiten auf wenige Wochen verkürzen zu können.
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