Auf Gut Wegscheid wird bald „Solawi“ betrieben

Von: Jule Klieser
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Peter Gleißner (li.) erläutert einer Gruppe von Interessierten die solidarische Landwirtschaft und zeigt ihnen das Gelände von Gut Wegscheid. Foto: Jule Klieser

Aachen. Solidarische Landwirtschaft („Solawi“) ist ein Wirtschaftsmodell für ökologischen und fairen Landbau. Bundesweit haben sich in einem Netzwerk bereits über 30 Höfe angeschlossen. Noch einmal so viele Initiativen befinden sich in Gründung.

In Aachen gibt es jetzt auch Pioniere für das Modell, und zwar auf Gut Wegscheid in Vaalserquartier. Schon seit 1987 hatten dort die bisherigen Besitzer Irmgard und Helmut Koppenhöfer einen Demeter-Hof aufgebaut, der 1996 zertifiziert wurde. Die neue Eigentümerin möchte nun den Demeter-Hof als Solidarische Landwirtschaft weiterführen. Sie steht in Kontakt mit einer Gruppe, die sich vor einem Jahr gegründet hatte, um die solidarische Landwirtschaft in der Region zu verwirklichen.

Auf der Grundlage der geschätzten Jahreskosten der Bio-Produktion wird jedes Mitglied einen festen Betrag pro Monat an den Hof zahlen. Dafür gibt es das ganze Jahr über die biologisch-dynamisch angebauten Lebensmittel vom Hof. Mit ihren Beiträgen finanzieren also die Mitglieder das Einkommen für den Landwirt sowie Anbau- und Verarbeitungskosten. So teilen sich alle die Verantwortung, das Risiko und die Erträge.

Nach der Aufbauzeit soll der Betrieb 40 bis 80 Menschen ernähren. Nach einer Faustregel können pro Hektar Land vier Personen versorgt werden – vorausgesetzt, es wird kein Fleisch produziert. In diesem Fall erhöht sich der Landverbrauch. 18,5 Hektar umfasst das gesamte gepachtete Land auf Gut Wegscheid mit Äckern, Wiesen und Gartenland. Obst, Gemüse, Getreide und Kartoffeln sollen angebaut werden. Die Kooperation mit einem Milchviehbetrieb ist geplant. Auf den Wiesen können Schafe grasen und im kleinen Hofladen sollen unter anderem das Hofbrot aus der eigenen Backstube, selbst erzeugter Honig und Eier angeboten werden.

Ein Landwirt, der sich unter anderem auch auf den Anbau von Feingemüse versteht, ist schon gefunden. Er nimmt Anfang des kommenden Jahres seine Arbeit auf und wird voraussichtlich später mit seiner Familie einen Teil des Haupthauses bewohnen. Dieses große, repräsentative Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird derzeit renoviert.

Im Augenblick gibt es rund 50 Interessenten für das Projekt, eine Kerngruppe umfasst 15 Personen. Weitere können einsteigen und das Finanzierungsmodell mitgestalten. „Die Teilnehmer erhalten biologisch-dynamisch angebautes, landgerechtes Gemüse zu einem günstigen Preis“, nennen die „Solawi“-Mitglieder einen der vielen Vorteile. „Manche sind ‚nur‘ als Konsumenten dabei, wer möchte, kann auch ganz praktisch mitwirken.“ In Zukunft sollen Mitwirktage angeboten werden. Dann können die Teilnehmer in Hof und Garten mitarbeiten.

Aber es soll auch zusammen gefeiert werden. „Beim gemeinsamen Arbeiten und Planen lernt man sich auch persönlich besser kennen und hat Spaß zusammen“, sagen die Mitglieder der „Solawi“-Gruppe.

Auch für Familien mit Kindern könnte das Angebot reizvoll sein. Mit einem Betrag zwischen 80 und 160 Euro pro Monat werden die Teilnehmer dabei sein. Finanziell Schwächere können ebenfalls mitgenommen werden.

„70 Millionen Menschen sterben pro Jahr, 20 Prozent davon verhungern. Das ist Massenmord“, zitierte Peter Gleißner, Mitglied der Kerngruppe, den Schweizer Soziologen Jean Ziegler bei einer Führung über das Landgut, zu der sich eine Schar Interessierter eingefunden hatte. „Wir versuchen hier ein Alternativmodell. Man kann nicht alle Probleme lösen, aber ein bisschen dazu beitragen“, erläuterte er seine Motivation für die Solidarische Landwirtschaft. Die Demeter-Landwirtschaft arbeite ganzheitlich, biologisch-organisch und in geschlossenen Betriebskreisläufen. „Was wir tun, hängt mit den Lebewesen der Erde zusammen. Wir sehen die Erde als lebendiges Wesen.“

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